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Vienna City Marathon KinderlaufEin „Fest für die Jugend“ als hochemotionales Erlebnis sollte beim 30. Jubiläum des Vienna City Marathon den Nachwuchs für den Sport begeistern.

Aber Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel legt sich quer. Ihre unsportliche Begründung: Kinderläufe im Wiener Stadtbereich sind unverantwortlich!

Seit 29 Jahren hat sich der Vienna City Marathon zu einer einzigartigen Veranstaltung im nationalen und internationalen Sportterminkalender entwickelt. Über 36.000 Aktive und mehr als eine Viertelmillion Zuschauer an der Strecke ergeben Österreichs größte Sportveranstaltung. Das Jubiläum zur 30. Auflage am 14. April 2013 wollten die Veranstalter ganz der Jugend widmen. Dafür wurde überlegt, die Kinder- und Jugendbewerbe von Sonntagfrüh auf den Samstagnachmittag des 13. April zu legen, um mehr Kindern die Chance zum Mitmachen zu geben. Ein „Fest für die Jugend“ am Wiener Heldenplatz sollte den herausragenden Rahmen bilden.

Sind Kinderläufe in Wien unverantwortlich?
Die seit einem Jahr geführten Verhandlungen und Gespräche verliefen größtenteils konstruktiv. Von relevanten Stellen wurde die Verlegung der Laufbewerbe für die Kinder und Jugendlichen begrüßt. Fast allen Beteiligten war klar, dass diese Schwerpunktsetzung am Samstag eine ganz spezielle Motivation für den Nachwuchs sein wird. Jetzt stehen die Veranstalter aber praktisch vor der Absage.

Ursula Stenzel, Bezirksvorsteherin des 1. Wiener Gemeindebezirks, hat abgelehnt. Ihre unsportliche Begründung: Es sei „unverantwortlich gegenüber Kindern und Jugendlichen ausgerechnet im Stadtbereich einen Lauf durchzuführen, wo Wien großzügige Grünbereiche zur Verfügung hat.“ Laufen im Wiener Prater wäre laut Stenzel für Kinder „in gesundheitlicher Hinsicht empfehlenswerter“.

Es geht um eineinhalb Stunden Sperre
Zur Abhaltung der Nachwuchsbewerbe hätte die Wiener Ringstraße eine bis eineinhalb Stunden partiell gesperrt werden müssen. „Als Marathon-Veranstalter erwartet man von uns alljährlich funktionierende Strukturen für den Spitzen- und Breitensport sowie für den Kinder- & Jugendsport zu schaffen. Wir sind daher gefordert, mit unterschiedlichen Bewerben dem Laufsport in seiner ganzen Breite Raum zu bieten. Um all diese Bedürfnisse organisatorisch abwickeln zu können, brauchen wir aber auch die entsprechenden zeitlichen und räumlichen Ressourcen. Mit mehr als 36.000 Teilnehmern am Sonntag innerhalb von sechs Stunden sind wir an die Grenzen gestoßen“, so Gerhard Wehr, Organisationsdirektor des Vienna City Marathon.

Marathonstädte zeigen es vor
Die großen Marathonstädte New York und Berlin überlegen aufgrund der enormen Nachfrage von je mehr als 100.000 Teilnehmern pro Jahr ihre Marathonbewerbe auf Samstag und Sonntag aufzuteilen. Auch Wien wird für Marathonläufer immer attraktiver, wie die steigenden Teilnahmezahlen belegen. Aber scheinbar ist nicht einmal möglich, die Kinder am Samstag laufen zu lassen. Eine Option, die in Linz, Salzburg, Bregenz und Graz sowie in der deutschen Metropole Berlin friktionsfreier Standard ist. In Wien wäre ein Kinderbewerb am Samstagnachmittag den Geschäftsleuten, Bewohnern und Anrainern an der Ringstraße hingegen nicht zuzumuten, so die Begründung Stenzels.

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Großer wirtschaftlicher Effekt, Stenzel verhindert
Der Vienna City Marathon löst an diesem einen Wochenende inlandswirksame Ausgaben in der Höhe von 18 bis 20 Millionen Euro aus. Die Stadt Wien und der Tourismus sind dabei die Hauptnutznießer. Ungefähr jeder zweite Betrieb profitiert direkt oder indirekt von der Veranstaltung. Der gesamtwirtschaftliche Effekt, der durch den VCM für die Volkswirtschaft erzielt wird, ist bis zu acht Mal höher als das eingesetzte Budget für die Organisation der Veranstaltung. Verwunderlich: Laut Stenzel kann der 1. Bezirk daran nicht partizipieren. Die Bezirksvorsteherin hat gegenüber Veranstalter Wolfgang Konrad in einem persönlichen Telefonat ihre Haltung bekräftigt und sogar gemeint: „Ich bin nun froh darüber, dass die Kinderläufe am Samstag nicht stattfinden können.

Mit Populismus gegen Kinderlauf – aber tägliche Turnstunde soll gelingen?
Wolfgang Konrad zeigt sich über die Argumentation der Politikerin bestürzt: „Nach 23 Jahren der Kinderbewerbe im Rahmen des Vienna City Marathon mit insgesamt über 70.000 jungen Teilnehmern und der allgemeinen Diskussion über die Bewegungsarmut unserer Kinder ist eine solche Meinung und eine ablehnende Haltung unverständlich. Wir versuchen die Kinder durch ein hochemotionales Erlebnis zur Bewegung zu motivieren, doch unsere Bemühungen werden durch Ignoranz und Populismus im Keim erstickt.“

Wenn schon die Abhaltung einer Kinderlaufveranstaltung an einem Samstagnachmittag in jener Stadt, die in internationalen Rankings stets als die lebenswerteste Metropole der Welt gilt, ein Problem darstellt und am Kleingeist verschiedener Entscheidungsträger scheitert, wie soll dann jemals die jetzt von vielen Seiten geforderte tägliche Turnstunde in den Schulen Realität werden?

Stenzel machte erst vor wenigen Tagen mit einer weiteren sportunfreundlichen Idee auf sich aufmerksam: Sie möchte den Ring-Radweg über das ganze Jahr sperren!


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Kommentare   

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Die Aussage "unverantwortlich gegenüber Kindern und Jugendlichen ausgerechnet im Stadtbereich einen Lauf durchzuführen, wo Wien großzügige Grünbereiche zur Verfügung hat.“, halt ich für einen Schwachsinn und beweißt das Stenzel keine Ahnung vom Laufsport hat.

Es gibt genug Laufveranstaltungen (inkl. Kinderläufen) in Wien die im "Grünbereich" (v.a. Prater Hauptallee) durchgeführt werden, da kann man auch mal eine Veranstaltung im 1. Bezirk machen.
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Diese Frau hat sowieso den totalen Knall. Wenns nach der gehen würde, müsste man alle Läufer und Radfahrer die im 1. Bezirk unterwegs sind, verhaften!
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