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Skitour Hinterer Spiegelkogel 3426 m: Einsamkeit im Ötztal
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Beschreibung
Mit einer Höhe von 3.426 Metern ist der Hintere Spiegelkogel der höchste der drei Spiegelkogel-Gipfel und nur einen Hauch niedriger als die bekannten Nachbarn Großer Ramolkogel und Schalfkogel.
Der Hintere Spiegelkogel zählt zu den stilleren Größen im hinteren Ötztal. Während sich viele Skitourengeher lieber auf die prominenten Klassiker rund um Vent stürzen, bleibt dieser mächtige Gipfel oft angenehm unbeachtet. Ein Glücksfall für alle, die Einsamkeit lieben und sich lieber mit Gletscherpanorama statt Menschenmassen umgeben.
Geografisch liegt der Hintere Spiegelkogel tief in den Ötztaler Alpen und bietet eine beeindruckende Hochgebirgslandschaft mit weitläufigen Gletschern, markanten Graten und einer Aussicht, die selbst erfahrene Berggeher kurz innehalten lässt. An klaren Tagen reicht der Blick weit über die umliegenden Dreitausender hinaus. Wer hier oben steht, merkt schnell: Das ist kein Feierabendhügel, sondern ernstzunehmendes Hochgebirge mit Charakter.
Aufgrund der riesigen Auswahl an Skitourenzielen von Vent aus wird der Hintere Spiegelkogel eher selten bestiegen. Wer diesen Versuch trotzdem wagt, wird mit einem beeindruckenden Winterambiente belohnt und steht mit etwas Glück ganz alleine am Gipfel. Luxus, den man sonst eher aus exklusiven Berghotels kennt, nur eben ohne Frühstücksbuffet.
Allerdings sei vorweg gesagt: Für das Erreichen des Gipfels benötigt es sehr gute Schneeverhältnisse und eine sichere Lawinenlage. Ich habe bei meiner Tour den Gipfel knapp verpasst. Einfach, weil zu wenig Schnee am Gletscher lag und damit der Übergang vom rechten Teil des Gletschers auf die linke bzw. mittlere Gletscherhälfte nicht möglich war bzw. nur mit erhöhtem Risiko. Demnach ist die Tour eher erst ab April gut umsetzbar, wenn die Gletscher (hoffentlich) ausreichend mit Schnee bedeckt sind und diese Schlüsselstelle nicht von einer steilen Felsrampe blockiert wird.
Nach einem großteils schneearmen Winter 2025/26 hatte ich Anfang April dieses Glück nicht, aber der großartigen Tour hat es keinen Abbruch gemacht. Wer später im Frühling startet und noch ein paar ordentliche Schneefälle abbekommt, hat womöglich bessere Chancen. Dafür wartet dann eine andere kleine Freude: Ski tragen im unteren Abschnitt, weil der Frühling dort schneller ist als man selbst. Ich hatte nach starken Schneefällen eine Woche zuvor immerhin das Glück, durchgehend mit den Skiern aufzusteigen und abzufahren. Man nimmt, was man kriegt.
Beschreibung der Route auf den Hinteren Spiegelkogel
- Start in Vent bei der Talstation des Schlepplifts.
- Sofern ausreichend Schnee vorhanden ist, über die Piste aufsteigen und links neben den Schlepplift in den Wald hinein. Dort einem Wanderweg bis zur Ramolalm folgen. Bei schlechter Schneelage kann man am Sommerweg bis zur Ramolalm wandern. Ja, das bedeutet im Zweifel: Skitour beginnt mit Wandern. Charakterbildend.
- Kurz nach der Ramolalm gibt es verschiedene Varianten, abhängig von Schnee- und Lawinensituation. Bei sicherer Lawinenlage hält man sich halbrechts und steigt kurz in eine Schlucht hinab, auf der im Sommer der Spiegelbach verläuft. Ein Seil zum Festhalten ist vorhanden, was schon dezent darauf hinweist, dass es hier nicht ganz wie auf einer Promenade zugeht. Nun entlang der oft sehr eisigen Schlucht bergauf, wobei es im oberen Abschnitt deutlich steiler wird. Harscheisen sind hier keine schlechte Idee, sondern eher Pflichtprogramm. Auf etwa 2.400 Metern verlässt man die Schlucht wieder.
- Bei ungünstiger Lawinenlage bleibt man ab der Ramolalm eher auf der sicheren Seite, hält sich halblinks und steigt moderat steil bergauf. Nach etwa 200 Höhenmetern erfolgt eine Querung nach rechts Richtung Spiegelbach.
- Nun bewegt man sich längere Zeit im Bereich des Spiegelbachs und steuert meist über einfaches, teilweise fast schon überraschend flaches Gelände das Ramoljoch an. Eine kurze Verschnaufpause für Beine und Lunge, bevor es wieder ernst wird.
- Auf etwa 2.900 Metern Höhe verlässt man die Linie Richtung Ramoljoch und biegt scharf rechts ab, um den Spiegelferner zu erreichen. Nach einer kurzen Steilstufe steht man auf etwa 3.000 Metern mitten auf dem Gletscher. Spätestens hier wird klar: Jetzt wird es alpin.
- Nun den rechten Abschnitt des Spiegelferners anvisieren. Es folgt eine steilere Passage, die je nach Verhältnissen lawinengefährdet sein kann. Auf etwa 3.250 Metern gelangt man unter einen steilen Grat und über eine Rampe auf die linke Seite des Gletschers. In schneereichen Wintern meist gut machbar, in schneearmen Jahren hingegen eine echte Spaßbremse, weil Fels den Weg versperrt.
- Ist dieser Übergang nicht sicher möglich, kann man alternativ nach rechts auf eine Scharte auf etwa 3.270 Metern aufsteigen, zwischen Mittlerem und Hinterem Spiegelkogel. Genau diese Variante habe ich gewählt. Der Gipfel bleibt dann zwar ein paar Meter entfernt, aber immerhin hat man eine sehr gute Ausrede und eine großartige Aussicht.
- Abfahrt wie Aufstieg. In schneereichen Wintern ist auch eine Abfahrt über die Nordwand denkbar. Sehr steil, sehr direkt und definitiv nichts für einen entspannten Sonntagsausflug.
Tipps zur Tourenverlängerung:
- Am linken Teil des Spiegelferners kann man bis auf etwa 3.270 Meter aufsteigen (Grat zwischen Ramoljoch und Spiegelkogel). Ein zusätzlicher Aussichtspunkt mit rund 300 weiteren Höhenmetern. Wer schon so weit gegangen ist, nimmt die paar Meter auch noch mit. Oder redet sich das zumindest ein.
- Ein Aufstieg zum Ramoljoch 3.189 m ist ebenfalls möglich. Der letzte Abschnitt ist sehr steil. Wer zum Ramolhaus möchte: Die Abfahrt über die Ostseite ist kurz extrem steil und führt Richtung Ramolhaus. Für alle, die es gerne ein bisschen knackiger mögen.
Streckenplan:
folgt...
Schwierigkeit Hinterer Spiegelkogel Skitour
Bei guter Kondition an einem Tag gut machbar, allerdings technisch anspruchsvoll. Oft ist bereits der Waldabschnitt zur Ramolalm vereist und auch danach trifft man regelmäßig auf harte oder eisige Passagen. Die Routenwahl muss ständig an die Verhältnisse angepasst werden.
Der Weg durch die Schlucht sollte nur bei sicheren Lawinenverhältnissen gewählt werden. Andernfalls ist die Variante mit dem Linksbogen die deutlich vernünftigere Wahl, auch wenn sie etwas länger ist. Vernunft schlägt Ego, zumindest im Idealfall.
Anspruchsvoll sind zudem die Steilstufen am Gletscher sowie der finale Gipfelhang, den ich leider nicht mehr erreicht habe. Diese Passage verlangt sichere Spitzkehrentechnik, Erfahrung im hochalpinen Gelände und ein gutes Gespür für Schnee und Gelände.
Daher ist die Skitour nur bei ausreichend Erfahrung empfehlenswert. Anfänger werden hier eher unfreiwillig lernen, wie schnell sich ein schöner Tag in ein Abenteuer verwandeln kann.
Lawinengefahr:
Teilweise erhöhte Lawinengefahr, vor allem im Abschnitt nach der Ramolalm sowie im Gletscherbereich. Nur bei sicheren Verhältnissen begehen und früh starten. Die klassische Kombination aus Wissen, Timing und Bauchgefühl ist hier gefragt.
Exposition: Über weite Strecken Nordwest, am Gletscher zusätzlich Nord und West.
Empfohlene Ausrüstung
Klassische Skitourenausrüstung inklusive LVS-Set ist selbstverständlich. Harscheisen sollten unbedingt mit dabei sein, da sie an mehreren Stellen sehr hilfreich sind. Bei schwierigen Verhältnissen können auch Steigeisen sinnvoll sein.
Außerdem nicht auf ausreichend Verpflegung, Flüssigkeit und Sonnenschutz vergessen. Eine Einkehrmöglichkeit gibt es nicht, der Gipfel serviert leider keine Getränke. Noch nicht.
Beste Jahreszeit
Ideal sind März und April, wenn die Gletscher ausreichend mit Schnee bedeckt sind. In schneereichen Wintern kann die Tour auch bereits im Februar möglich sein und sich bis in den Mai hinein ziehen. Dann allerdings oft mit apere Überraschungen im unteren Abschnitt.
Anreise und Parken
Ins Ötztal bis nach Sölden und weiter nach Zwieselstein, dort rechts abbiegen nach Vent. In Vent beim Parkplatz des Gampenlifts parken. Dieser ist gebührenpflichtig und oft gut ausgelastet, besonders während der Skisaison. Früh kommen lohnt sich, außer man mag Parkplatzsuche als zusätzliche Disziplin.
Mit dem Bus ist ebenfalls eine Anreise bis nach Vent möglich. Allerdings fährt dieser nur selten. Wer flexibel sein möchte, ist mit dem Auto klar im Vorteil.
Alle Informationen: Skitour HInterer Spiegelkogel
- Abschnitte durch Wälder
- Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis zum Talort möglich
- Felskontakt entlang der Route
- Helm zu empfehlen
- Kostenpflichtiges Parken oder Maut
- Mit Gletscherkontakt
- Sehr ruhige Bergtour
- Abfahrt direkt vom Gipfel möglich
- Aufstieg mit den Skiern bis zum Gipfel möglich
- Frühjahrsskitour
- Für Schneeschuhwanderer nicht empfehlenswert
- Gletscher-Kontakt (in der Regel ohne Seil begehbar)
- Gut für Splitboard geeignet
- Harscheisen empfehlenswert
- LVS-Set erforderlich
- Viele Spitzkehren (gute Technik von Vorteil)
Route (GPX-Strecke): Skitour HInterer Spiegelkogel
Hotel oder Unterkunft in Vent
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