Eine kontroverse Studie aus den USA sorgte vor Jahren für Aufsehen: Männer, die im Haushalt mithelfen, haben angeblich weniger Sex. Doch was steckt wirklich dahinter?
Wie eine Studie der University of Washington ergab, soll es einen statistischen Zusammenhang zwischen Hausarbeit und der Häufigkeit sexueller Aktivität geben. Die Untersuchung behauptete, dass Männer, die bei der Hausarbeit mithelfen, etwa 20 % weniger Sex haben als jene, die sich nicht an Haushaltstätigkeiten beteiligen.
Laut dieser Untersuchung hatten Paare, die einer traditionellen Rollenverteilung folgen, im Monat durchschnittlich etwa 7 Mal Sex – rund zwei Mal häufiger als Paare, bei denen Männer aktiv im Haushalt mithelfen.
Was bedeuten diese Zahlen wirklich?
Bevor jetzt alle Männer den Staubsauger in die Ecke werfen: Diese Studie stammt aus dem Jahr 2013 und basierte auf Daten aus den 1990er Jahren. Seitdem hat sich die gesellschaftliche Realität erheblich verändert. Neuere Forschungen zeigen teilweise ausgeglichenere Ergebnisse.
Wichtiger Kontext zur Studie:
Die ursprüngliche Studie untersuchte Paare in einer Zeit, als traditionelle Geschlechterrollen noch deutlich stärker verankert waren. Die Forscher selbst wiesen darauf hin, dass die Ergebnisse nicht als Handlungsempfehlung zu verstehen seien, sondern lediglich einen statistischen Zusammenhang in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation aufzeigten.
Neuere Forschung zeigt ein differenzierteres Bild
Spätere Studien, die modernere Paarbeziehungen untersuchten, kamen zu teilweise gegenteiligen Ergebnissen. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2016 zeigte beispielsweise, dass Paare, bei denen beide Partner die Hausarbeit fair aufteilen, tendenziell zufriedener mit ihrer Beziehung sind – und Beziehungszufriedenheit ist ein wichtiger Faktor für ein erfülltes Sexualleben.
Der entscheidende Faktor scheint nicht zu sein, wer genau welche Aufgaben übernimmt, sondern ob beide Partner mit der Aufteilung zufrieden sind. Wenn ein Partner sich unfair behandelt oder überlastet fühlt, leidet die Beziehungsqualität – und damit oft auch die Intimität.
Was wirklich zählt für ein erfülltes Sexualleben:
- Gegenseitiger Respekt: Paare, die sich gegenseitig wertschätzen und respektieren, haben häufiger ein zufriedenstellendes Sexualleben.
- Faire Aufgabenverteilung: Wenn beide Partner das Gefühl haben, dass die Arbeit gerecht verteilt ist, reduziert das Stress und schafft mehr Raum für Zweisamkeit.
- Kommunikation: Offene Gespräche über Bedürfnisse, Wünsche und Belastungen sind essenziell für eine gesunde Beziehung.
- Gemeinsame Zeit: Egal wer putzt oder kocht – wichtig ist, dass beide Partner Zeit füreinander finden und pflegen.
- Reduzierung von Stress: Hausarbeit kann für viele eine Stressquelle sein. Wenn diese Last gemeinsam getragen wird, haben beide Partner mehr Energie für andere Aspekte der Beziehung.
Die Rolle von Geschlechterstereotypen
Ein möglicher Erklärungsansatz für die ursprünglichen Studienergebnisse: In den untersuchten Beziehungen spielten traditionelle Geschlechterrollen noch eine große Rolle. Bei manchen Paaren könnte es zu Spannungen gekommen sein, wenn diese Rollen nicht den internalisierten Erwartungen entsprachen. Das hatte möglicherweise weniger mit der Hausarbeit selbst zu tun als vielmehr mit gesellschaftlichen Erwartungen und der Frage nach Männlichkeit und Weiblichkeit.
In moderneren Beziehungen, in denen beide Partner gleichberechtigt sind und Hausarbeit als gemeinsame Verantwortung verstanden wird, verliert dieser Aspekt jedoch an Bedeutung.
Was können Paare tun?
Anstatt sich auf veraltete Studien zu berufen, sollten Paare miteinander kommunizieren und eine Lösung finden, die für beide passt. Hier einige Tipps:
Ehrlich über Erwartungen sprechen: Klärt, wer welche Aufgaben übernimmt und ob beide damit zufrieden sind.
Flexibilität zeigen: Die Aufgabenverteilung kann sich im Laufe der Zeit ändern – je nach Lebensphase, Arbeitsbelastung und anderen Faktoren.
Gemeinsam Lösungen finden: Vielleicht hilft eine Haushaltshilfe, vielleicht ein besseres Zeitmanagement, vielleicht einfach mehr Verständnis füreinander.
Den Fokus auf Qualität legen: Nicht die Quantität des Sex ist entscheidend, sondern dass beide Partner zufrieden und glücklich in ihrer Beziehung sind.
Zusammenfassung
Die Vorstellung, dass Hausarbeit zwangsläufig zu weniger Sex führt, ist vereinfacht und basiert auf veralteten Daten. Entscheidend für ein erfülltes Sexualleben sind Faktoren wie gegenseitiger Respekt, faire Aufgabenverteilung, offene Kommunikation und Beziehungszufriedenheit. Moderne Partnerschaften profitieren davon, wenn beide gleichberechtigt Verantwortung übernehmen – auch im Haushalt.


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