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Plötzlich verschwunden: Läufer sorgt für großen Laufskandal

Vom Hoffnungsträger zum Streitfall

In der Schweizer Laufszene galt Adam S. lange als Symbol für Ausdauer und Aufstieg. Siege beim Basler Stadtlauf, beim Hallwilerseelauf, beim Murtenlauf oder beim Stauseelauf brachten ihm Anerkennung und Respekt. Hinter den Resultaten steckte eine Geschichte, die viele berührte. Der heute 39-Jährige kam 2015 aus Nordafrika in die Schweiz, heiratete kurz darauf eine Schweizerin und träumte davon, eines Tages bei Olympischen Spielen zu starten.

Der Weg dorthin führte über harte Jahre. Stationen in Spanien, Frankreich und Belgien, Gelegenheitsjobs in Küchen, wenig Geld. Laut eigener Darstellung gab es Zeiten, in denen er auf nassen Straßen übernachten musste. Das änderte sich erst, als das Laufen zum Mittelpunkt seines Alltags wurde. Der Tagesplan war streng: früh aufstehen, trainieren, später noch eine zweite Einheit. Rund 180 Kilometer pro Woche, dazu Arbeit am Abend in einer Pizzeria.https://vg02.met.vgwort.de/na/1e801eb1802b4317b09a74495fc28174

Der Einsatz zahlte sich aus. 2017 gewann er gleich seinen ersten Marathon. Preisgelder und Aufmerksamkeit folgten, und der Traum vom internationalen Durchbruch schien greifbar.

Leistungen sorgen für hochgezogene Augenbrauen

Einige Jahre später rückte der Name von Adam S. erneut in den Fokus. Diesmal jedoch aus einem ganz anderen Grund. Besonders seine Zeiten bei großen Halbmarathons sorgten für Diskussionen. Beim Rennen in Berlin 2022 lief er etwas mehr als 62 Minuten und ließ dabei unter anderem den mehrfachen Schweizer Meister Adrian Lehmann hinter sich.

In Barcelona 2024 wurde er sogar noch schneller. Die zweite Rennhälfte fiel dabei auffällig stark aus. Rechnet man das Tempo hoch, hätte die Gesamtleistung theoretisch zu einer Zeit von 56:16 Minuten führen können. Zum Vergleich: Der damalige Weltrekord lag bei 57:30 Minuten.

Solche Zahlen weckten Zweifel. Besonders in Fachkreisen, wie nun auch das BZ Basel und das Oltner Tabgblatt berichten.

Expertenanalyse bringt neue Dynamik

Die Untersuchung nahm Fahrt auf, als der frühere Marathon-Europameister Viktor Röthlin die Leistungsdaten analysierte. Zwischenzeiten, Entwicklung der Resultate und das Tempo in der zweiten Rennhälfte wurden genau geprüft. Die Einschätzung fiel deutlich aus: Die gemessenen Werte seien sportlich kaum erklärbar.

Parallel gingen bei der Integritätsstelle des Schweizer Sports anonyme Hinweise ein. Eine Zuschauerin gab an, den Läufer in Barcelona beobachtet zu haben, wie er die Strecke kurzzeitig verlassen habe. Ein weiterer Hinweis bezog sich auf ungewöhnliche Tempoverschiebungen im Rennverlauf.

Seltsame Lücken auf der Strecke

Besonders der Berliner Halbmarathon brachte weitere Fragen. Bis Kilometer 15 ist der Lauf von Adam S. durch Zwischenzeiten und Fotos sauber dokumentiert. Danach tauchen jedoch Auffälligkeiten auf. Zwischen Kilometer 16,8 und 19,4 existieren keine Bilder von ihm, obwohl zahlreiche Kamerapunkte entlang der Strecke installiert waren.

Erst kurz vor dem Ziel erscheint er wieder auf Fotos. Auffällig dabei: Die Startnummer fehlt sowohl auf der Brust als auch auf dem Rücken. Genau dieser Abschnitt der Strecke wäre laut Aussagen von Athleten relativ leicht zu verlassen und später wieder zu betreten.

Adrian Lehmann hatte bei einer Befragung berichtet, dass er den Konkurrenten zuvor deutlich distanziert habe. Im Ziel lag Adam S. jedoch plötzlich anderthalb Minuten vor ihm.

Der Athlet wehrt sich gegen die Vorwürfe

Die zuständigen Stellen werteten zahlreiche Aussagen, Daten und Analysen aus. Am Ende sprach das Schweizer Sportgericht eine Sperre von drei Jahren aus. Der Läufer wurde wegen unsportlichen Verhaltens verurteilt. Doping spielte in diesem Fall keine Rolle. Grundlage waren Indizien und Wahrscheinlichkeitsanalysen.

Adam S. weist die Anschuldigungen weiterhin zurück. „Ich empfinde das Urteil als sehr hart und vor allem als ungerecht“, erklärte er nach dem Entscheid. Seiner Ansicht nach seien wichtige Belege und Aussagen nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Für ihn geht es dabei um weit mehr als Resultate. „Das Laufen war immer ein zentraler Teil meines Lebens, etwas, womit ich aufgewachsen bin und das ich über alles geliebt habe. Dass mir das nun genommen wurde, ist sehr schmerzhaft.“

Das große Laufbuch der Trainingspläne

Eine Karriere steht plötzlich auf der Kippe

Während der Untersuchung verlor der Athlet auch juristische Unterstützung. Die finanziellen Mittel für eine weitere Verteidigung fehlten. Gleichzeitig versucht er, den Blick nach vorne zu richten. Familie und seine im vergangenen Sommer geborene Tochter geben ihm Kraft.

Ob er nach Ablauf der Sperre noch einmal ernsthaft in den Wettkampfsport zurückkehrt, bleibt offen. Mit fast 40 Jahren ist eine dreijährige Pause im Ausdauerbereich eine enorme Hürde.

Die Geschichte von Adam S. begann einst mit einer beeindruckenden Aufholjagd aus schwierigen Lebensumständen. Nun steht sie plötzlich im Schatten eines der ungewöhnlichsten Fälle der Schweizer Laufszene.

Es ist übrigens nicht der erste Vorfall dieser Art aus der Laufszene. Auch ein Läufer aus Deutschland wurde vor einiger Zeit überführt.

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