Google zerstört Webseiten
Google hat wohl mittlerweile Gefallen daran gefunden, mit miesen Updates tausende Plattformen zu zerstören.
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Wie Google mit Updates seit 2023 tausende Webseiten zerstört

Über ein Jahrzehnt hinweg habe ich mit HDsports eine der umfassendsten deutschsprachigen Plattformen für Lauf- und Ausdauersport aufgebaut.

Sie bietet ambitionierten und Hobby-Läufern Informationen, Veranstaltungstipps, Trainingshilfen und vor allem: den mit Abstand größten Laufkalender im deutschsprachigen Raum.

Alles basierte auf intensiver, redaktioneller Arbeit, stetigem technischen Ausbau und unermüdlichem Engagement. Doch all das wurde mit einem Schlag zerstört – durch Googles algorithmische Änderungen im Herbst 2023. Bis dahin konnte ich seit 2016 die Reichweite der Seite Jahr für Jahr "gesund" steigern (keine abrupten Sprünge), mit Spitzenwerten von über 500.000 Besuchern pro Monat.

Trotz besserer Inhalte, eines modernisierten Designs und nutzerfreundlicher Navigation wurde meine Plattform über Google quasi unsichtbar gemacht. Die Reichweite brach zusammen (zumindest über Googles Suchmaschine), ohne ersichtlichen Grund.https://vg06.met.vgwort.de/na/4d3f508422bc48f496a9a19c59311cd2

Das große Sterben der Nischenwebseiten

Ich bin nicht alleine. Weltweit berichten unzählige kleinere bis mittelgroße Webseiten von ähnlichen Schicksalen. Die Plattform Shepherd beispielsweise verlor laut eigenen Angaben in 16 Monaten über 86 % ihres Google-Traffics – trotz wachsender Nutzerbindung und hochwertigem Content.

Auch HouseFresh, eine unabhängige Seite für Raumluftreinigung, wurde regelrecht ausgelöscht – obwohl ihre Artikel fundierte Tests mit eigenen Messgeräten enthielten. Warum? Weil Google offenbar Plattformen bevorzugt, die allgemeine Bekanntheit besitzen – nicht solche, die qualitativ führen.

Generell fiel mir bei meiner Recherche nach betroffenen Webseiten oft auf, dass die Qualität deren Inhalte alles andere als schlecht ist. Meiner Meinung nach wurden diese Plattformen definitiv nicht wegen ihres Inhaltes abgestraft. Und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine, wenn ich mir da viele andere Quellen ansehe.

Bevorzugung großer Portale: Qualität spielt keine Rolle mehr

Bei unzähligen Laufthemen ranken seit den Updates seitenfremde, oberflächliche Portale plötzlich vor HDsports. Ob es um Laufveranstaltungen, Trainings-Ratgeber oder Ernährung geht – Portale, die nicht im Entferntesten mit der Laufszene verbunden sind oder deutlich weniger umfangreiche Inhalte liefern, erscheinen vor einer spezialisierten Plattform wie meiner.

Die Ironie? Diese Plattformen recyceln teilweise sogar generische Inhalte, die offensichtlich rein aus SEO-Sicht geschrieben wurden – häufig fehlerhaft, oberflächlich und nutzlos für ernsthafte Sportler. Doch sie dominieren die Rankings, während echte Kompetenz verschwindet.

Zugegeben, auch ich hatte in der Vergangenheit einige Fehler gemacht und nicht immer beste Qualität bei Inhalten geliefert, doch gerade in der Zeit vor den skandalösen Google Updates 2023 habe ich mich um ein professionelleres Umfeld bemüht, um meine Plattform auf das nächste Level zu bringen. Google hat nicht nur diese Arbeit zerstört, leider nach fast zwei Jahren des Leidens auch meine Motivation mittlerweile drastisch reduziert. Wozu soll man sich den überhaupt noch bemühen, hochwertige Inhalte zu erstellen, wenn Googles minderwertige Suchmaschine diese sowieso ignoriert. Ich mache aber trotzdem weiter, was aber vor allem an meiner Leidenschaft für den Sport liegt - und auch über den Sport zu schreiben...

Auch im SEO-Bereich und im Analytics-Bereich habe ich mittlerweile meine Ambitionen stark zurückgefahren. Wieso? Es bringt ja doch nichts. Man ist wie "geblacklistet". Egal was man macht, Google "scheißt" auf dich - netter kann man es leider nicht ausdrücken. Die Analytics-Daten werte ich gar nicht mehr aus, zu groß wäre da der Frust über die Entwicklung, die ein wahrscheinlich korruptes Monopol (meine Meinung - und die lasse ich mir nicht nehmen) wie Google angerichtet hat.

Die Suchqualität sinkt – und das massiv

Viele Nutzer berichten mittlerweile öffentlich, dass die Qualität der Google-Suche dramatisch abgenommen hat. Reddit-Threads, YouTube-Videos und Fachartikel dokumentieren den Absturz der Suchergebnisse. Die erste Seite ist häufig gefüllt mit Foreneinträgen, SEO-Spam oder KI-generiertem Inhalt, der keine echten Lösungen bietet. Reddit ist übrigens das beste Beispiel, was hier alles schief läuft: Google zahlt ja eine Menge Geld an Reddit, um sich an deren Inhalten zu bedienen - und, ach wie überraschend: Reddit ist im fast unaufhaltsamen Höhenflug bei Suchabfragen über Google. Google gibt sich ja nicht einmal Mühe im Verschleiern offenbarer Bevorzugungen.

Auch bei einfachen Suchen fällt auf: Wer fundierte, tiefgreifende Informationen sucht, landet häufig auf veralteten oder irrelevanten Seiten und natürlich auch oft auf ganz großen News-Plattformen, die aber vor allem bei spezifischen Themen sehr häufig minderwertigen Inhalt liefern. Die einst so mächtige Google-Suche hat sich zu einem Markt der Beliebigkeit gewandelt.

Im Laufsport-Bereich hat sich durch Runner's World ebenfalls fast schon ein Monopol entwickelt. Zugegeben, Runner's World hat in vielen Bereichen sehr gute Inhalte, genauso ist aber HDsports in einigen Bereichen besser - wie etwa mit einem deutlich detaillierten Laufkalender. Doch auch da ist es so, dass seit den Updates 2023 die große Plattform häufig besser rankt als andere Laufsport-Portale, wie etwa HDsports - teilweise natürlich auch verdient und zurecht, teilweise aber definitiv nicht. Noch schlimmer sind dann Ergebnisse wie solche: Beim googeln kleiner regionaler Laufveranstaltungen in Deutschland zeigt Google oft völlig veraltete News-Artikel von großen Regionalmagazinen an, die überhaupt keine aktuelle Relevanz haben, während der detaillierte HDsports-Laufkalendereintrag quasi nicht existent ist oder zumindest auf Google unter diesen veralteten News-Artikel gereiht wird.

Google Rezension für HDsports

Google als Datenkrake: Die eigene Suche frisst das freie Web

Zusätzlich zur Bevorzugung großer Seiten betreibt Google zunehmend "Zero-Click-Searches": Fragen werden direkt in der Suche beantwortet – oft auf Basis gestohlener Daten von Webseiten. Der Nutzer klickt nicht mehr, die Zielseite verliert Reichweite. Der Profit? Fließt zu Google.

Damit wird das offene Web gefährdet. Webseitenbetreiber liefern unbezahlten Content, Google monetarisiert diesen – und verweigert gleichzeitig Sichtbarkeit.

Ich finde es ehrlich gesagt eine Frechheit, dass so etwas überhaupt erlaubt ist. Denn Google ist eine "Suchmaschine" - der User sucht nach Begriffen oder Themen, Google zeigt an, wo diese aufgearbeitet sind und der User kann sich dieser Themen dann auf der von Google verlinkten Seite bedienen. Doch Google zeigt mittlerweile so viel Content dieser Seiten direkt an, sodass in vielen Fällen die Seite, die eigentlich den Content produziert hat, gar nicht mehr aufgerufen werden kann. Ich merke das selbst, wenn ich über Google suche. Etwa 80 % meiner Suchanfragen sind sogenannte "Zero-Click-Searches", vor einigen Jahren lag der Wert eher bei 20 % - eine erschreckende Entwicklung.

AI Overviews: Künstliche Intelligenz, reale Schäden

Mit der Einführung der „AI Overviews“ wird die Situation noch schlimmer. Nutzer bekommen automatisch generierte Antworten auf komplexe Fragen. Viele dieser Antworten sind nachweislich falsch, gefährlich oder grob vereinfachend.

Berüchtigte Beispiele wie die Empfehlung, Klebstoff als Pizzazutat zu verwenden, haben die Runde gemacht. Doch jenseits der Witze zeigt sich ein gefährliches Muster: Google ersetzt echte Recherche durch maschinellen Durchschnittsmüll. Gute Inhalte werden irrelevant.

Mein Plan B: Bücher statt Klicks

Ich habe auf diesen digitalen Kahlschlag reagiert. Dank einer loyalen Community und umfangreicher Erfahrung konnte ich alternative Einnahmequellen aufbauen. Dazu zählen vor allem meine Fachbücher im Bereich Laufsport, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen.

Sie bieten fundiertes Wissen, Trainingstipps und Motivation für Läufer – jenseits der manipulativen Logiken von Suchmaschinen. Damit habe ich mir ein Stück Unabhängigkeit zurückgeholt. Doch viele andere Seitenbetreiber hatten nicht diese Option. Ihre Projekte sind verloren.

Google Rezension HDsports

Zudem ist die Reichweite von HDsports weiterhin "gut", da ich zum Glück nicht nur auf Google gesetzt habe. Viele User besuchen die Webseite direkt ohne Google oder aber auch über andere Quellen, wie etwa über den Laufsport-Newsletter (> 12.000 Abonnenten) oder über unsere Facebook-Gruppe (> 25.000 Mitglieder) oder andere soziale Netzwerke. So bleibt vor allem unser Laufkalender weiterhin ein beliebtes Werkzeug für viele Läufer bei der Jahresplanung oder der Recherche nach Ergebnissen oder Informationen.

Und auch die Lauf- und Triathlonveranstalter wissen das weiterhin zu schätzen: 2024 und 2025 hatten wir so viele Partner-Veranstaltungen wie nie zuvor. Diese Partner-Veranstaltungen werden gegen eine geringe Gebühr u.a. im Laufkalender hervorgehoben und u.a. auf HDsports, im Newsletter und in unserer Facebook-Gruppe exklusiv angekündigt. Die Reichweite dieser Kampagnen ist trotz Googles Schandtat weiterhin sehr groß und demnach attraktiv für Veranstalter. Das kann zum Glück nicht einmal das Monopol von Google verhindern.

Googles Machtmissbrauch muss gestoppt werden

Was Google seit 2023 betreibt, ist nicht nur ein Fehler – es ist ein systematischer Angriff auf die Vielfalt und Qualität des Internets. Wer nicht in ein Konzernschema passt, wird ausgelöscht. Die Öffentlichkeit muss verstehen: Es geht hier nicht nur um Suchmaschinen. Es geht um die Zukunft der freien Information.

Die Regulierungsbehörden und Entwickler alternativer Suchsysteme sind gefragt. Ich bin alles andere als ein Fan von zu viel Regulierungen (und in der EU haben wir definitiv viel zu viel davon), aber ein Monopol, das sich seine Regeln selbst schreibt, zerstört am Ende genau das, was das Internet einst ausmachte: Offenheit, Innovation und Zugang für alle.