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Mont Blanc Besteigung über den Normalweg: Abenteuer auf 4.805 Metern
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Beschreibung
Mit einer Höhe von 4.805,59 Metern ist der Mont Blanc der höchste Punkt der Alpen, ehe er erst weit östlich in Europa vom Elbrus überragt wird.
Doch in Sachen Symbolkraft, Schönheit und Faszination ist der Mont Blanc unangefochten der König Europas – und für viele Bergsteiger der wahrgewordene Traum vom Dach Europas.
Sein Name bedeutet „Weißer Berg“ – und das passt perfekt: Über das ganze Jahr hinweg thront er in strahlendem Eis und Schnee über Chamonix und Courmayeur. Der Berg markiert die Grenze zwischen Frankreich und Italien und bietet bei klarer Sicht einen Ausblick, der von den Vogesen bis in die Po-Ebene reicht. Sein Granitmassiv und die riesigen Gletscher machen ihn nicht nur zum Sehnsuchtsziel von Alpinisten, sondern auch zu einem geologischen Schwergewicht. Kurz gesagt: Wer hier oben steht, weiß, warum sich jeder einzelne Schritt lohnt.
Aufgrund seiner dominanten Position als höchster Berg der Alpen und seiner technisch eher wenig schwierigen Route wird der Mont Blanc wenig überraschend häufig besucht. Sogar über Zugangsbeschränkungen wurde bereits diskutiert. Umso überraschender war ich, dass bei meiner Tour auf den Mont Blanc alles andere als Menschenmassen zu sehen waren – und das an einem Sommertag bei Bergwetter, das nicht besser hätte sein können. Fast schon unheimlich, wenn man bedenkt, wie oft vom „Mount Everest der Alpen“ gesprochen wird.
Zumal sich die „überschaubaren Menschenmassen“ an Gipfeltagen auch zeitlich gut aufteilen. Ein Teil der Bergsteiger versucht zu Sonnenaufgang oder kurz danach den Gipfel zu erreichen, um so nicht zu spät über das steinschlaggefährdete Grand Couloir ins Tal abzusteigen. Andere Bergsteiger hingegen starten erst später von der Tête Rousse-Hütte oder der Gouter-Hütte ihren Gipfelversuch und übernachten beim Abstieg in der Gouter-Hütte, um dann am nächsten Morgen über das Grand Couloir abzusteigen.
Die heikelste Passage der Tour, die Querung des Grand Couloir, befindet sich nämlich zwischen den zwei besagten Hütten auf 3.350 Metern Höhe. Diese Querung ist nur etwa 150 Meter lang, aber unter ungünstigen Umständen saugefährlich. Die Steinschlag-Gefahr nimmt im Laufe des Tages zu. In der Nacht ist es meist noch ruhig, doch mit zunehmenden Temperaturen kann es hier fast im Sekundentakt Steine hageln – vor allem in heißen Sommern. Demnach ist eine Querung des Grand Couloir, auch wenn sie noch so kurz ist, im Verlaufe des Nachmittags nicht mehr zu empfehlen. Wer es dann versucht, riskiert nicht nur Schürfwunden, sondern möglicherweise das letzte „Selfie“.
Demnach wird die Besteigung des Mont Blanc über den Normalweg auch auf zwei oder sogar drei Tage aufgeteilt. Denn, wer auf technische Hilfsmittel verzichtet, muss rund 3.800 Höhenmeter bewältigen. Etwas abkürzen kann man den Aufstieg mit dem Zug zum Col du Mont Lachat auf 2.077 Metern Höhe oder zum Nid d'Aigle auf knapp 2.400 Metern Höhe. Der Zug ist vor allem auch im Abstieg bei bereits müden Beinen eine sehr geschätzte Hilfe. Ansonsten kann auch die Bellevue-Gondel auf 1.801 Metern Höhe als technisches Hilfsmittel genutzt werden. Luxus in den Alpen? Naja, sagen wir: eine willkommene Pause für geplagte Waden.
Route für die Besteigung des Mont Blanc über den Normalweg
- Wer ohne technische Hilfsmittel aufsteigen möchte, startet am besten südlich von Les Houches, oberhalb des Dorfes am Ende der öffentlichen Straße Route de Bellevarde (Google Maps Punkt: Les Lavouets). Dort gibt es aber nur Parkmöglichkeiten für 2–3 Autos. Wenn möglich, lässt man sich dort hinauffahren, dann ist man bei den Abstiegsmöglichkeiten auch flexibler.
- Nun folgt man die ersten knapp 900 Höhenmeter einem Forstweg und später einem Wanderweg zum Col du Mont Lachat Bahnhof. Bis dorthin kann man auch gemütlich mit dem Zug (Tramway Mont Blanc) von Saint-Gervais hochfahren – für alle, die es lieber entspannt haben, bevor der Ernst des Lebens beginnt.
- Der zweite Abschnitt zur Rousse-Hütte (Refuge de Tête Rousse) wird nun zunehmend anspruchsvoller. Zunächst kurz entlang der Gleise und dann über einen Linksbogen bis auf etwa 2.750 Meter aufsteigen. Dort wird das Gelände kurz flach, ehe nun der Aufstieg über die „Info Hut“ (Informationshütte – ja, die gibt’s wirklich, auch wenn ich dachte, jemand macht einen Scherz) Richtung Rousse-Hütte folgt.
- Wer allerdings nicht in der Hütte einkehrt, geht nun direkt mittig am Gletscher sanft bergauf – Achtung vor kleinen Gletscherspalten. Tagsüber kann man hier auch ohne Steigeisen gehen. In der Nacht ist es allerdings zu eisig, sodass man für diese sehr kurze Passage Steigeisen anziehen muss.
- Auf etwa 3.300 Metern Höhe beginnt nun die Kletterei am Grand Couloir. Steigeisen kann man hier in der Regel wieder ausziehen. Auf 3.350 Metern Höhe folgt die berüchtigte Grand-Couloir-Querung – im Aufstieg nach rechts. Wer in der Nacht aufsteigt, muss sich hier weniger Sorgen um Steinschlag machen. Tagsüber ist die Angelegenheit aber deutlich heikler. Tipp: Nicht stehen bleiben und philosophische Gespräche anfangen (es könnte das letzte sein...) – einfach zügig durch!
- Nach der Querung folgen rund 400 Höhenmeter Klettern (UIAA 1, evtl. auch 2) inkl. kurzer Klettersteige (A). Beides sollte aber für Mont-Blanc-Alpinisten keine zu große Herausforderung sein. Wer hier schon ins Schwitzen kommt, sollte spätestens jetzt die Ausrede „Ich genieße die Aussicht“ parat haben.
- Auf gut 3.800 Metern erreicht man am Beginn des Gletschers „Glacier des Bossons“ ein kleines Gebäude. Dort zieht man die Steigeisen an und wandert nach rechts Richtung Gouter-Hütte (Refuge du Gouter). Wer dort einkehrt, geht direkt zur Hütte, ansonsten passiert man diese auf linker Seite über das Aiguille du Gouter (3.863 m).
- Nach nun mittlerweile fast 2.700 Höhenmetern warten noch einmal 1.000 Höhenmeter am Glacier des Bossons. Die erste Hälfte zum Refuge Vallot auf etwa 4.350 Metern Höhe ist technisch einfach und eher eine Gletscherwanderung. Die Höhe spürt man hier aber garantiert und die Schritte werden zunehmend kleiner. Manchmal so klein, dass man denkt, man laufe rückwärts.
- Im Refuge Vallot gibt es ein paar wenige Schlafplätze, wo man sich für den finalen Gipfelanstieg stärken kann.
- Nach dem Refuge folgt nun kurz noch eine eher einfachere Passage, ehe etwa ab 4.500 Metern Höhe im Bereich um Grand Bosse, Petite Bosse und Rocher de la Tournette an der Landesgrenze zwischen Frankreich und Italien das Terrain gefährlicher wird – u.a. wegen schmaler Pfade und steileren, vereisten Aufstiegstufen. Hier trennt sich dann die Spreu vom Weizen – oder der Cappuccino-Trinker vom Espresso-Fan.
- Sind diese Schlüsselstellen aber geschafft, wird der letzte Abschnitt zum Gipfel deutlich einfacher.
- Nach dem Rocher de la Tournette auf knapp 4.700 Metern Höhe folgen nur noch zwei sehr einfache Aufschwünge, ehe endlich nach rund 3.700 Höhenmetern im Aufstieg der 4.805 Meter hohe Mont Blanc erreicht ist.
- Auf dem breiten Gipfelplateau ist genug Platz für alle Bergsteiger. Bei perfektem Wetter kann man hier den Sonnenaufgang, den Vormittag oder den Mittagssnack genießen. Empfehlung: den „Gipfel-Schnaps“ für den ultimativen Glücksmoment.
- Der Abstieg zur Gouter-Hütte folgt über die exakt gleiche Route.
- Absteigen sollte man nun ins Tal nur, wenn es noch vor Mittag ist, da ansonsten die Steinschlaggefahr im Grand Couloir zu hoch wäre.
- Nach dem Abklettern quert man nun auf 3.350 Metern das Grand Couloir nach rechts. Achtung: Auf keinen Fall für diesen sehr kurzen Abschnitt Pausen einlegen, sondern zügig durchgehen. Es gab bereits zahlreiche Todesfälle im Grand Couloir. Wer hier ein Selfie macht, hat das Prinzip „Alpinismus“ nicht verstanden.
- Den Gletscherabschnitt bei der Rousse-Hütte kann man tagsüber oft auch ohne Steigeisen gehen. Es gibt hier kleine Spalten, auf die man aber achten muss.
- Dann über die Info-Hut auf dem Aufstiegsweg nun über Cabane des Rognes absteigen.
- Ab Cabane des Rognes gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder über den identischen Weg wieder bergab. Oder nach links (Südwesten) zur Zug-Bergstation Nid d'Aigle, wo allerdings derzeit (Sommer 2025) nur eine riesige Baustelle war. Wer dort keinen Zug erwischt, muss neben den Gleisen bis zur nächsten Station Col du Mont Lachat auf 2.077 Metern Höhe wandern, die man ohnehin auch im Aufstiegsweg passiert hat. Dort fährt garantiert regelmäßig ein Zug nach Saint-Gervais. Optional wandert man inkl. einem kurzen Zwischenaufstieg zum Mont Lachat auch zur Bellevue-Station auf 1.801 Metern Höhe, wo man mit der Gondel ins Tal von Les Houches fahren kann.
Tipp zur Planung: Als Tagestour nur für Ausdauersportler mit sehr guter Kondition empfehlenswert. Dann mit Start schon (deutlich) vor Mitternacht in Les Houches. Ich bin kurz vor 22 Uhr gestartet, war um 8 Uhr am Gipfel und etwa um 12 Uhr am Grand Couloir und hatte vor allem auf den letzten 1.000 Höhenmetern im Aufstieg und im gesamten Abstieg stark an Tempo rausnehmen müssen, was wohl auch etwas an der fehlenden Akklimatisation lag (Anreise direkt von Meereshöhe). Fazit: Der Mont Blanc verzeiht keine „spontanen Ausflüge“.
Bei guter Kondition und alpiner Erfahrung ist die Besteigung auch als Zweitagestour umsetzbar. Dann sollte man aber am ersten Tag nicht zu spät starten, sofern man bis zur Gouter-Hütte aufsteigt, da man bereits am ersten Tag das Grand Couloir im Aufstieg queren muss. Wer dort erst nachmittags quert, setzt sich unnötig hoher Gefahr aus. Ansonsten kann man auch in der Rousse-Hütte nächtigen, muss aber dann bis zum Gipfel noch rund 1.700 Höhenmeter zurücklegen – quasi eine „Höhentortur“ am zweiten Tag.
Auch eine Splittung auf 3 Tage ist möglich. Zum Beispiel: Nächtigung in der Rousse-Hütte, am 2. Tag Aufstieg zum Gipfel und Abstieg zur Gouter-Hütte und von dort am 3. Tag ins Tal absteigen. Klingt entspannter – und ist es auch, zumindest im Vergleich zum „Vollgas-Marathon“.
Streckenplan:
Schwierigkeit der Besteigung des Mont Blanc über den Normalweg
Die technische Schwierigkeit ist für erfahrene Alpinisten überschaubar. Kritisch ist vor allem die Höhe: Knapp 3.800 Höhenmeter am Stück ohne lange Akklimatisation hauen rein – körperlich und mental. Wer bei 4.500 Metern noch einen lockeren Berglauf erwartet, wird spätestens beim Vallot-Notbiwak vom Gegenteil überzeugt.
Die Schlüsselstellen:
- Grand Couloir: Kurz, aber brandgefährlich. Die Steinschlaggefahr ist der Hauptgrund, warum so viele Unfälle passieren. Leider oft auch kombiniert mit der Naivität einiger Bergsteiger, die das Couloir langsam und gemütlich queren.
- Kletterei zum Gouter: 400 Höhenmeter, UIAA I–II, teilweise Klettersteig A. Machbar, aber nicht unterschätzen.
- Höhe ab 4.500 m: Schmale Grate, steilere vereiste Aufschwünge – nichts Extremes, aber in Kombination mit der Höhe sehr fordernd.
Notwendige Ausrüstung für die Mont Blanc Besteigung
Ohne geht’s nicht. Auch wenn manche meinen, Mont Blanc = „bisschen Schneewandern“:
- Steigeisen & Pickel
- Klettergurt & Seil (v.a. für Gletscherpartien) - ja, es geht auch ohne, empfehlenswert ist das aber nie am Gletscher.
- Helm (ja, auch für’s Couloir!)
- Evtl. Stöcke für den Abstieg (Wunderwaffe gegen lahme Beine)
- Warme Kleidung – selbst im Hochsommer können die Temperaturen am Gipfel zweistellig unter Null liegen
- Stirnlampe für den Start in der Nacht
- Sonnenschutz und gute Sonnenbrille für den Gletscher.
Optional (aber sehr empfehlenswert): GPS-Track, Erste-Hilfe-Set, Alu-Rettungsdecke und ein Stück „Gipfelschokolade“ für die Moral.
Beste Jahreszeit für die Mont Blanc Besteigung
Die klassische Saison geht von Mitte Juni bis Mitte September. Juli und August bieten die stabilsten Wetterfenster – aber auch die größte Wahrscheinlichkeit auf Menschenmassen. Juni und September sind ruhiger, dafür aber oft eisiger. Außerhalb dieser Zeit ist der Normalweg nur für sehr erfahrene Alpinisten oder geführte Expeditionen machbar – Lawinen und Stürme inklusive.
Anreise zum Mont Blanc
Der von mir beschriebene Parkplatz südlich oberhalb von Les Houches befindet sich an der "Rte de Bellevarde" am Ende der öffentlichen Straße (Google Maps Punkt Les lavouets). Dort gibt es aber nur Platz für 2-3 Autos. Wer flexibel im Abstieg sein möchte, lässt sich zu diesem Startpunkt hinfahren.
Wer hingegen den Zug zur Unterstützung nimmt, parkt beim Bahnhof in Saint-Gervais und fährt vom Gare de Saint Gervais mit der Tramway du Mont Blanc bis zur Station Col du Mont Lachat auf 2.077 Metern Höhe oder zur Bergstation Nid d'Aigle auf knapp 2.400 Metern Höhe.
Mein Fazit
Die Besteigung des Mont Blanc über den Normalweg ist kein Sonntagsspaziergang, aber für fitte Alpinisten mit Grundausrüstung absolut machbar. Die größte Herausforderung sind nicht die technischen Passagen, sondern die enorme Höhe und die objektive Gefahr im Grand Couloir. Wer diese Faktoren respektiert, sorgfältig plant und nicht am falschen Ende spart, wird mit einem der unvergesslichsten Erlebnisse der Alpen belohnt.
Ob als schnelle Eintagestour, als gemütlichere Zwei- oder Dreitagestour – der Moment am Gipfel, auf 4.805 Metern Höhe, mit Blick über die halben Alpen, ist immer gleich: Gänsehaut pur.
Mont Blanc – kein Berg wie jeder andere, sondern ein Abenteuer, das in Erinnerung bleibt. Und wer es einmal geschafft hat, wird diesen „Weißen Berg“ nie wieder nur von unten anschauen können, ohne dass ein Grinsen im Gesicht erscheint.
Alle Informationen: Mont Blanc Besteigung: Normalweg
- Abschnitte durch Wälder
- Als Zweitagestour mit Hüttenübernachtung möglich
- Einkehrmöglichkeit(en) entlang der Route
- Eispickel erforderlich
- Felskontakt entlang der Route
- Helm zu empfehlen
- Klettersteige entlang des Weges
- Kostenlos Parken
- Mit Gletscherkontakt
- Schotter-Passagen
- Steigeisen erforderlich
Route (GPX-Strecke): Mont Blanc Besteigung: Normalweg
Hotel oder Unterkunft in Les Houches
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