Auf der Website von Marathonglobetrotters können sich Interessierte unter anderem auch über von Clubmitgliedern lange im Voraus geplante und ausgeschriebene Marathonlaufveranstaltungen informieren.
Zusätzlich werden diese Läufe auf anderen Plattformen wie ahotu und in einschlägigen WhatsApp-Gruppen angekündigt. So habe ich bereits im September von vier für Anfang November geplanten Läufen in Westafrika erfahren. Diese würden eine Erhöhung meines Länderkontos beim Country Marathon Club bedeuten, der die Länderakkumulation ebenso wie die Globetrotters nach der ISO-Norm 3166 vornimmt.
Hauptverantwortlich für diese in Äquatorialguinea (Malabo), Nigeria (Port Harcourt), der Elfenbeinküste (Abidjan) und im Senegal (Dakar) angekündigte Marathonserie ist Parvaneh Moayedi. Die gebürtige Iranerin lebt in San Antonio, Texas, und hat als Vielläuferin inzwischen über 1500 Marathons und Ultras absolviert.

Anmeldung, Hotelreservierung und Anreise
Die Registrierung für die Läufe erfolgt unkompliziert über die Plattform Raceroster. Als ich mich erst Mitte Oktober für die letzten zwei Bewerbe anmelden will, rutsche ich in die Nachmeldefrist hinein. Dies zieht eine etwas erhöhtes Startgeld von 45 USD nach sich. Die Finishermedaillen werden je Stück mit 15 USD extra im Voraus verrechnet.
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So reizvoll Nigeria für mein Länderkonto auch gewesen wäre, so aufwendig und ärgerlich ist das Prozedere bei der Beantragung eines Visums. Schon vor zwei Jahren wollte ich am Lagos Marathon teilnehmen, doch die Kommunikation mit der Botschaft in Wien kam nie wirklich zustande: Anrufe wurden nicht angenommen, auf E-Mails gab es keine Antwort. Betroffene berichten im Web von überlangen Wartezeiten, bis der von Österreich nach Frankfurt oder Berlin zu übermittelnde Reisepass mit oder ohne ausgestelltes Visum zurück kommt; vorausbezahlte Gebühren werden mitunter sogar einbehalten, wird kolportiert. Man benötigt viel Geduld, um die Einreisegenehmigung für Nigeria zu erhalten.
Zweieinhalb Wochen vor dem Start des Marathons in Abidjan am 8. November beschränke ich mich darauf, das Visum für die Elfenbeinküste über die offizielle Website zu beantragen. Mit etwas Übung geht das relativ schnell vonstatten. Allerdings erhält man nach der Abbuchung von 73 Euro nur eine Bezahlbestätigung; das eigentliche Visum wird erst bei der Einreise erteilt.
Parvaneh hat das Radisson Blu Hotel nahe dem Flughafen in Abidjan als Meeting Point festgelegt – in dessen Nähe wird sich auch der Marathonkurs befinden. Zwar wohne ich bei meinen Marathonländerreisen sonst auch in „besseren“ Hotels, doch dieses Fünfsternehotel ist mit 720 Euro (472.500 XOF) für nur drei Nächte inklusive Frühstück schon fast „sündhaft“ teuer. Ich wähle daher eine billigere Zimmerkategorie und buche die drei Nächte (6. bis 9. November 2025) für 581 Euro. Das Büffetfrühstück muss pro Tag extra zugezahlt werden: 18.000 XOF (was bei einem Kurs von 1 Euro = 655 XOF-CFA-Franc circa 27 Euro entspricht).
Acht westafrikanische Staaten nutzen den XOF (Westafrikanischer CFA-Franc, offiziell Franc de la Communauté Financière d'Afrique) als ihre gemeinsame Währung. Diese Länder bilden die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (UEMOA): Benin, Burkina Faso, die Elfenbeinküste (Côte d'Ivoire), Guinea-Bissau, Mali, Niger, der Senegal und Togo. Die Währungspolitik wird von der BCEAO (Zentralbank der westafrikanischen Staaten) mit Sitz in Dakar gesteuert, wobei der XOF zu einem festen Wechselkurs an den Euro gekoppelt ist, was den Mitgliedsländern finanzielle Stabilität bietet.
Ich fliege am 6. November mit der AUA ab 7:20 Uhr zunächst nach Brüssel und anschließend mit Brussels Airlines ab 11:55 Uhr nach Abidjan. Der Airbus A330-300 ist in der Economy Class bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt – während der siebenstündigen Flugzeit werden wir über der Sahara mehrmals ordentlich durchgeschüttelt.
Ankunft in Abidjan
Die Prozedur bei der Einreise dauert dann länger als erwartet, da Dutzende Reisende anstehen. Als ich falsch abbiege, ist mein Wegvorsprung dank des bezahlten vordersten Sitzes in der Economy Class dahin. Plötzlich stehen zwei Dutzend Personen vor mir, die sich für das Visum anstellen. Auffallend ist, dass die Uniformierten prinzipiell nicht zurückgrüßen – auf mein „Bonjour“ erhalte ich keine Antwort. Eine vermeintliche Grenzpolizistin wirft sogar meinen Rucksack von einem Sessel auf den Boden, als ich gerade dabei bin, den benötigten Impfpass mit der Gelbfieberimpfung aus der Jacke zu holen. Ich bin versucht, „Êtes-vous fou?“ („Sind Sie verrückt?“) zu sagen, aber ich halte mich zurück und hebe den Rucksack mit grimmigem Gesichtsausdruck einfach wieder auf. Es dauert etwa 40 Minuten, bis ich abgefertigt bin und mich zum Ausgang begeben kann.
Das aufgegebene Gepäck ist jedoch noch nicht auf dem zugeteilten Band 7 zu sehen. Die Passagiere warten geduldig. Es dauert nochmals etwa 30 Minuten, bis ich meine alte Samsonite Reisetasche, die inzwischen vom vielen Fliegen stark ramponiert ist, endlich erhalte. Ich möchte nicht von Schikane sprechen, aber ist es nötig, das gesamte bereits in Wien geröntgte Gepäck anschließend nochmals zu „durchleuchten“?
Als ich dann endlich den Exit hinter mir habe, sehe ich einen Mann mit einem Schild, auf dem mein Name steht. Der Fahrer vom Radisson hat mehr als eine Stunde ausgeharrt und wartet auf mich als einzigen Passagier. Bei 600 Euro für drei Nächte sollte dies eigentlich selbstverständlich sein. Wie angeboten, stellt das Radisson Hotel einen Gratis-Shuttle-Service bereit, obwohl die Entfernung zum Hotel nur 1 ½ km beträgt. Ich bin heute seit 4 Uhr auf den Beinen. Nach dem Check-in falle ich im überdimensionierten Zimmer erschöpft ins Bett.

Länderinformationen zur Elfenbeinküste
Die Elfenbeinküste, offiziell Côte d'Ivoire, ist eine der wirtschaftlich dynamischsten Nationen Westafrikas und spielt eine zentrale Rolle in der globalen Kakaoversorgung. Das Land liegt am Golf von Guinea in Westafrika, grenzt an Liberia, Guinea, Mali, Burkina Faso und Ghana und umfasst etwa 322.463 Quadratkilometer.
Die offizielle Hauptstadt ist Yamoussoukro, während die größte Stadt, wirtschaftliche Metropole und Regierungssitz Abidjan ist. Bei einer Bevölkerung von rund 29 Millionen Menschen ist Französisch die Amtssprache. Daneben existieren etwa 60 indigene Sprachen, wobei Dioula als Handelssprache weit verbreitet ist. Die Nationalflagge besteht aus den vertikalen Streifen Orange (Savannen, Fruchtbarkeit), Weiß (Frieden, Einheit) und Grün (Hoffnung, Wälder).
Die Wirtschaft basiert traditionell stark auf der Landwirtschaft. Die Elfenbeinküste ist der weltweit größte Produzent von Kakaobohnen, deren Export einen Großteil der Einnahmen generiert. Sie produziert auch Kaffee, Cashewnüsse, Palmöl und Kautschuk. Trotz starkem Wachstum und einem BIP pro Kopf von geschätzten 2.500 USD (Kaufkraftparität) kämpft das Land weiterhin mit Ungleichheit und Armut. Die Währung ist – wie schon erwähnt – der CFA-Franc (XOF) der UEMOA (Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion). Diese Währung, die bis 2020 fest an den Euro gekoppelt war, bietet finanzielle Stabilität, schränkt jedoch die geldpolitische Souveränität der Mitgliedstaaten ein.
Abidjan verfügt über einen der wichtigsten Häfen Westafrikas und dient als logistisches Tor für die Binnenländer wie Mali und Burkina Faso. Der Straßenverkehr in den Städten ist sehr dicht. Die Elfenbeinküste kooperiert eng mit ihren Nachbarstaaten in Organisationen wie der UEMOA und der ECOWAS (Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten), um Freihandel, Sicherheit und regionale Entwicklung zu fördern.
Der Tourismus entwickelt sich langsam, aber das Land hat einige beeindruckende Sehenswürdigkeiten zu bieten: Die Basilika Notre-Dame de la Paix in Yamoussoukro gilt als die größte Kirche der Welt; Abidjan beeindruckt mit der Skyline des Plateau-Viertels und der modernen St.-Pauls-Kathedrale. Die historische Küstenstadt Grand-Bassam ist UNESCO-Weltkulturerbe. Ein wichtiges Naturerbe ist der Taï-Nationalpark, einer der letzten unberührten Primärwälder Westafrikas.
Sightseeing-Tour durch Abidjan: (7. November 2025)
Heute, am Tag vor dem Marathon, stehe ich (erneut) früh auf und stürze mich auf das Frühstücksbuffet im Radisson Blu. Es ist fantastisch! Das Angebot lässt keine Wünsche offen und bietet fast alles an Köstlichkeiten, was man in einem vornehmen 5-Sterne-Hotel in Afrika erwarten kann. Ich stärke mich ausgiebig am Buffet, um für den Tag und den geplanten Ausflug gerüstet zu sein.
Beim Frühstück halte ich zunächst vergeblich nach Kollegen Ausschau, die morgen am Marathon teilnehmen werden. Stattdessen sehe ich Teile der Crew von Brussels Airlines, die hier ebenso vornehm übernachten wie Crews von Lufthansa und anderer großer Fluglinien.
Dann erblicke ich Dieter, der hier einquartiert ist. Ich setze mich zu ihm. Er erwähnt, dass auch der Obmann des deutschen 100 Marathon Clubs mit seiner Frau wie er schon seit einigen Tagen hier ist, aber die beiden nicht im Radisson untergebracht sind. Nach dem Frühstück kommen nach und nach die morgigen Teilnehmer von anderen Hotels ins Foyer. Parvaneh hat Dieter und Mario als Co-Race-Directors ernannt. Sie laden alle Anwesenden zu einer Begehung des geplanten Rundkurses am späten Vormittag ein, der ich mich anschließe.

Ein Abschnitt der Strecke direkt hinter dem Radisson hat Trailcharakter und begeistert niemanden. Ein Murren ist zu hören. Aber echte Alternativen nur auf Asphalt haben sich nicht gefunden. Ich wechsle meine dreckigen Laufschuhe gegen bequeme Sandalen. In der Gruppe wird über eine mehrstündige Ausflugsfahrt in die Stadt diskutiert. Wir benötigen zwei Taxis. Ursprünglich hatte ich geplant, einen privaten Fahrer nur für mich alleine direkt am Hotel für eine ganztägige Tour zu buchen; nun wird es eine Gemeinschaftsfahrt in die pulsierende Metropole Abidjan.
Aufbruch zum Plateau – das Manhattan Afrikas
Erst um ca. 13 Uhr verlassen wir das Radisson Blu Hotel. In unserem Taxi sitzen Thomas aus Saarbrücken, Lynne aus den USA und ich. Die Fahrt zieht sich zunächst, da wir rund 20 Kilometer in das Zentrum von Abidjan, bekannt als „Plateau“, zurücklegen müssen.

Schon auf dem Weg wird mir und wohl auch den anderen im Taxi die immense Luftverschmutzung bewusst. Der Himmel wirkt nicht klar, sondern ist blau-schwarz eingefärbt, und der beißende Geruch von Abgasen liegt schwer in der Luft. Meine Bronchien schmerzen direkt davon, ein deutliches Zeichen der schlechten Atemluft.

Der Zustand der Fahrzeuge hier ist vielfach schockierend. Eine Vielzahl an PKWs und LKWs scheinen in einem technischen Mangelzustand zu sein, der in Europa unmöglich wäre: Reifen ohne Profil, massive Rostlöcher in der Karosserie und oft fehlende Nummerntafeln bei Mopeds und Motorrädern. Man fragt sich unweigerlich, wie diese Fahrzeuge überhaupt eine Fahrgenehmigung erhalten können.
Das Plateau selbst ist das Herzstück der ivorischen Wirtschaft und wirkt mit seinen hoch aufragenden Wolkenkratzern wie eine afrikanische Version von Manhattan. Glas und Beton dominieren die Skyline. Unser erster Halt ist die St.-Pauls-Kathedrale (Cathédrale Saint-Paul d'Abidjan). Wir zahlen dem Fahrer 3.000 XOF, bevor das Taxi weiterfährt. Die markante Architektur der Kathedrale fällt sofort ins Auge: Das moderne Bauwerk des italienischen Architekten Aldo Spirito ragt mit seiner zeltförmigen, von gespannten Seilen gehaltenen Konstruktion kühn in den Himmel und symbolisiert das Schiff Petri.

Das Bauwerk fasst bis zu 5.000 Menschen. Ihr markantestes Merkmal ist der hohe Betonturm, der über sieben Stahlträger das Dach trägt.
Durch wunderschöne Buntglasfenster, die biblische Motive mit der ivorischen Kultur und lokalen Glaubensszenen verbinden, wird der ansonsten kahle Betonbau in ein lichtdurchflutetes Inneres verwandelt.

Gleich in der Nähe liegt die Salam-Moschee im Stadtteil Plateau, die weithin als die Große Moschee von Abidjan bekannt ist. Das beeindruckende Bauwerk zeigt mit seinem 65 Meter hohen Minarett im Geschäftsviertel nicht nur die architektonische Vielfalt der Stadt, sondern symbolisiert auch die entspannte Koexistenz der Religionen in der Elfenbeinküste.
Märkte: Das vibrierende Herz der Stadt
Nach der Besichtigung stoppen wir ein anderes vorbeifahrendes Taxi. Der Fahrpreis ist zunächst etwas höher, Didi von der anderen Gruppe interveniert. Als Franzose beherrscht er die Sprache besser als ich. Es bleibt bei 4.000 XOF. Der Fahrer navigiert uns geschickt aus dem Bankenviertel heraus in die lebhafteren, traditionelleren Stadtteile. Jetzt tauche ich in das wahre, pulsierende Leben Abidjans ein.
Unser erster Stopp ist der berühmte Marché de Treichville, der sich unweit des Plateaus befindet. Hier herrscht ein buntes Treiben: Händler rufen ihre Waren aus, die Gerüche von Gewürzen, frischen Lebensmitteln und gebratenem Essen mischen sich in der warmen, abgasgeschwängerten Luft. Meine Sinne werden überflutet.

Zwischen Bergen von Textilien und Handwerkskunst entdecke ich einen Stand mit Sportartikeln. Ich kaufe mir spontan das offizielle orange T-Shirt der ivorischen Fußballnationalmannschaft, „Les Éléphants“ – die Elefanten. Sie habe ihre Afrikagruppe wie auch der Senegal gewonnen.
Weiter geht es zum Marché de cocody Saint Jean, der als kleinerer Markt der Stadt gilt und sich mehr auf traditionelles Handwerk spezialisiert.
Hier finde ich genau das, was ich suche: Einen eleganten Armreif aus purem Silber für meine Tochter. Das Feilschen ist Teil des Erlebnisses; nach einer freundlichen, aber bestimmten Verhandlung schließe ich den Kauf ab (von zunächst geforderten 100.000 XOF auf 35.000, ca. 50 Euro).
Als Appetizer für zwischendurch nehme ich mir einige dicke, fette Bananen mit – süß und unglaublich sättigend. Thomas aus Saarbrücken ist groß gewachsen und braucht viel Nahrung. Von Obst kann er nicht leben. In einem nahen Restaurant bestellt er sich ein halbes Huhn mit Reis. Wir legen eine Rast ein (wegen ihn).
Im Laufe des frühen Nachmittags zeigt uns der mittlerweile dritte Taxifahrer noch einige Wohnviertel und fährt über eine der weiten Lagunenbrücken, die die verschiedenen Stadtteile verbinden. Die Tour ist am Ende doch anstrengend, aber die Eindrücke sind unbezahlbar. Wir sehen den immensen Kontrast zwischen Armut und Reichtum, Tradition und Moderne, der diese Stadt prägt.

Gegen 16 Uhr machen wir uns auf den Rückweg zum Radisson. Diesmal bietet sich Thomas an, die Rückfahrt zu bezahlen, während Lynne sich von Anfang an als eingeladen betrachtet hat. Die 18.000 CFA Franc (ca. 27 Euro) für vier Taxifahrten (immer zu dritt: Thomas, Lynne und ich) sind gut investiert, denn die gemeinsame Tour bietet einen tiefen Einblick in das Leben der Ivorer – eine perfekte mentale Vorbereitung, bevor morgen der sportliche Fokus auf dem Marathon liegt.
Marathonbesprechung am frühen Abend des 7. November 2025
Nach der aufschlussreichen Stadttour kehren wir alle ins Radisson zurück, ich gehe ins Zimmer, um mich kurz frisch zu machen. Am frühen Abend findet die offizielle Marathonbesprechung statt. Ich komme etwas verspätet im Foyer an, fast alle Teilnehmer der kleinen Gruppe sind bereits eingetroffen.
Sofort bemerke ich das erste logistische Detail: Entgegen meiner Erwartung, dass die internationalen Vielläufer in meinem teuren Hotel untergebracht sind, erfahre ich, dass die meisten im deutlich günstigeren Onomo Hotel in unmittelbarer Nähe übernachten. Das bestätigt meine Annahme, dass meine Hotelwahl preislich vielleicht doch „sündhaft“ ist.
Es gibt eine kurzfristige Planänderung: Parvaneh ist leider immer noch nicht anwesend, da ihr Nachmittagsflug aus Nigeria ausgefallen ist. Sie wird nicht vor 21:00 Uhr erwartet. Die beiden deutschen Kollegen Dieter und Mario übernehmen daher weiterhin interimistisch die Rolle der Ersatz-Race-Directors, solange Parvaneh fehlt.
Sie geben weitere Details zum Marathon und zur Strecke bekannt. Die beiden haben die Begehung und exakte Vermessung der Laufstrecke, die wie heute Vormittag gesehen einem Trail gleicht, bereits Tage zuvor und erneut heute Vormittag vorgenommen. Ich selbst habe den Kurs im Rahmen einer Runde besichtigt. Die heutige Information ist klar: Um die klassische Marathondistanz von 42,195 km zu absolvieren, müssen allee Läufer/innen 29 Runden bewältigen, wobei jede Runde exakt 1,455 km misst.
Die Strecke selbst verläuft gegen den Uhrzeigersinn. Sie führt teilweise entlang des belebten Boulevard de l'Aéroport vor dem Radisson. Dann biegt sie scharf nach links ab und führt hinter dem Hotel auf eine anspruchsvolle Schotterstraße („Dirt Road“). Dieser Abschnitt ist gespickt mit Löchern, Schlamm und Steinen, und wird zudem von Baufahrzeugen und Tuk-Tuks genutzt, während man in der Folge an von den Einheimischen mit großer Sorgfalt bearbeiteten Feldern vorbeikommt.

Dieter und Mario klären offen auf, dass es mental und physisch schwierig werden wird, hier 29 Runden bei großer Hitze und Schwüle am Tag zu laufen.
Eine weitere wichtige Neuigkeit betrifft die Versorgung. Ursprünglich wäre jeder Teilnehmer für seine eigenen Getränke verantwortlich gewesen („Self-Support-Rennen“). Doch Dieter hat glücklicherweise ivorische Freunde, die für eine spontane und entscheidende Verbesserung sorgen. Sie werden nicht nur 200 Wasserflaschen besorgen und im Schatten bei der Labestellee auflegen, sondern sind auch für die Kontrolle und Zeitmessung der Runden verantwortlich. Diese unerwartete Hilfe nimmt den Teilnehmern eine große Last von den Schultern.

Die Besprechung endet schnell. Ich ziehe mich in mein Zimmer zurück, um mich für den Lauf der „Elefanten“ vorzubereiten.
Abidjan Marathon: Asphalt trifft Dirt Road
Der Marathontag bricht an – ein sehr, sehr heißer Tag wird erwartet. Bereits in der Nacht spürt man die drückende Schwüle, die Luft ist nicht wirklich abgekühlt. Parvaneh hatte ursprünglich wegen der zu erwartenden extremen Schwüle und Temperaturen von über 30 Grad C einen Start um 2:30 Uhr vorgeschlagen. Sie wird jedoch in einer WhatsApp-Abstimmung von den anderen Teilnehmern ausgebremst. Der Kompromiss steht: Wir werden um 6:00 Uhr beginnen. Parvaneh, die selbst nicht Mitglied beim Country Club ist, bietet sich für unser Gruppenfoto (ohne den Mitgliedern bei den Globetrotters) an.
Der offizielle Startpunkt befindet ca. 100 m vor dem Radisson stadteinwärts und ca. 10 m vom Boulevard de l'Aéroport entfernt. Bereits um 5:48 Uhr geht es los. Ich nehme mir vor, vielleicht wieder einmal vor einigen Konkurrenten zu finishen. Einer davon ist der 70-jährige Finne Juhani, der nur ein Jahr älter ist als ich.

Die ersten vier Runden liege ich noch etwa 300 bis 400 m vor Juhani. Bald darauf holt er auf, als ich eine längere Trinkpause einlege. Nur drei oder vier reine Walker liegen noch hinter mir.

Dieter (links im Bild, 148 Marathonländer) und Mario bestimmen das Tempo, beide sind sehr versierte Läufer und Ländersammler – Mario hat erst vor knapp 2 Jahren seinen 1000. Marathon gefinisht und sein 100. Land erreicht.

Die Strecke fordert uns sofort heraus: Wenn man entlang der Flughafenstraße läuft, kommt einem der auch an einem Samstag früh am Morgen bereits einsetzende Schwerverkehr entgegen. Man muss sich ganz nach links an den Rand drücken, um ja nicht von den PKWs und LKWs erfasst zu werden.

Der Abschnitt auf der Dirt Road ist für uns Läufer äußerst anspruchsvoll: Der Untergrund wird von Dreck, Schlamm, wassergefüllten Löchern und scharfkantigen Steinen dominiert, was kaum Platz zum Ausweichen lässt. Währenddessen rumpelt der Schwerverkehr entgegen, Tuk-Tuks hupen und die ersten Marktstände beginnen mit ihren Vorbereitungen. Wegen meiner Knieprobleme verliere ich hier jedes Mal wertvolle Zeit; ich schätze, dass ich mich auf diesem Abschnitt pro Runde nur mühsam vorankämpfe und dadurch mindestens drei bis vier Minuten einbüße.
Als ich in der 24. Runde bin, erleide ich einen Kreislaufeinbruch: Alles dreht sich vor meinen Augen. Ich muss mich sofort in den Schatten begeben und bestelle an einem Stand ein kaltes Iso-Getränk. Mein Puls ist auf bedrohliche 171 Schläge hochgeschnellt! Nur wenige Minuten später, während ich im Schatten ruhe, sinkt er glücklicherweise erst auf 125 und dann schnell auf 68 Schläge. Ich verweile etwa 15 bis 20 Minuten in dieser nötigen Zwangspause. Doch die Laufzeit rennt weiter – und Juhani sowie andere ziehen unaufhaltsam an mir vorbei.

Als dann Parvaneh nach über sieben Stunden finisht und fortan die Kontrollfunktion mitübernimmt, liegen noch dreieinhalb Runden vor mir. Die Ruhepause im Schatten hat mich zwar total zurückgeworfen, war aber nötig, um den lebensgefährlichen hohen Puls wieder unter Kontrolle zu bekommen. Im Schongang trudle ich mit großer Verspätung im Ziel ein.

Bernadette finisht zwar etwas später als ich, hat aber erst um 7:00 Uhr begonnen und liegt im Endergebnis zeitbereinigt dann eine Stunde vor mir. Am Ende sage ich mir: Besser Letzter beim Marathon hier im Abidjan als vielleicht im Krankenhaus – und mit einem ÖAMTC-Rettungsflugzeug Stunden später auf dem Heimweg nach Wien. Erst nach 15 Uhr gehe ich ins Hotel, dusche mich und ruhe mich aus.

Letzte Eindrücke und Shopping: Ein Sonntag in Abidjan (9. November 2025)
Der Abreisetag beginnt wie der Vortag: mit dem luxuriösen Frühstücksbuffet im Radisson. Nachdem ich mich gestärkt habe, nutze ich die verbleibende Zeit. Ich spaziere zum Expo-Gelände, das ganz in der Nähe des Hotels liegt. Dort finden in diesem Jahr mehrere große Ausstellungen statt. Ich entdecke unter anderem eine große Westafrikanische Gartenschau (Salon de Jardin Ouest-Africain), die die neuesten Trends in der tropischen Gartenarchitektur und Landwirtschaft präsentiert. Es ist eine ruhige, angenehme Morgenaktivität, bevor der Verkehr einsetzt.
Anschließend fahre ich nochmals mit einem einfachen Taxi in die Stadt. Die Fahrt kostet mich nur 3.000 XOF. An diesem Sonntag sind zwar viele Geschäfte geschlossen, doch die meisten traditionellen Märkte haben geöffnet und bieten weiterhin ihr buntes Chaos.

Ich nutze die Gelegenheit, um ein weiteres Fußballshirt der „Les Éléphants“ für meinen Schwager zu kaufen, diesmal zu einem Preis von 12.000 XOF, circa 20 Euro. Danach suche ich nochmals die beeindruckende St.-Pauls-Kathedrale auf. Die bunten Glasfenster leuchten nun im klaren Vormittagslicht noch intensiver als bei meinem ersten Besuch und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Anschließend fahre ich mit dem gleichen Taxi ein zweites Mal zum Gelände der Großen Moschee von Abidjan auf – leider wird mir der Eintritt verwehrt.

Ursprünglich wollte ich noch das Quartier France de Grand Bassam besuchen, das zum UNESCO-Kulturerbe zählt. Doch der Taxifahrer rät mir entschieden davon ab. Er meint, die 30 Kilometer Entfernung seien zu weit und das Risiko sei zu groß, den Flug um 16:45 Uhr mit Air Senegal zu verpassen. Ich muss um 14:00 Uhr am Flughafen sein, da mein Abflug nach Dakar von Terminal 2 startet. Vernünftigerweise folge ich seinem Rat und beschränke mich auf die zentraleren Stadtviertel.

Nach diesen letzten Besorgungen lasse ich mich rechtzeitig zum Flughafen bringen. Die Westafrika-Marathon Tour geht schon morgen gleich um 02:00 Uhr in Dakar in die nächste Runde! Zum Ausruhen bleibt keine Zeit.
Meine heutige Bilanz ist extrem: Sie reicht vom lebensbedrohlichen "Hitzeschlag" über einen schwer erkämpften Länderpunkt bis hin zur ersehnten Erinnerungsmedaille.


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