Anti Corona Run

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Heuer findet schon der 43. Kyffhäuser Berglauf statt, war also schon zu DDR-Zeiten eine traditionelle Veranstaltung. Österreicher waren dort bislang noch nicht am Start. Bevor ich zum 6. Mal den VCM in Wien laufe, habe ich mir gedacht, gebe ich am Kyffhäuser meine Premiere. Öfter mal etwas Neues.

Gut 600km sind es ab Linz. Weil es beim Kyffhäuser am Rande des Harzes sehr schön sein soll, bleiben wir gleich ein paar Tage.

Start und Ziel ist in Bad Frankenhausen (10.000 Ew) mit dem allerschiefsten Kirchturm überhaupt. Der berühmte Turm von Pisa ist im Vergleich dazu praktisch kerzengerade.

Eine ¾ Stunde vor dem Start sind wir dort, die Gelsen sind extrem lästig. Rasch und unkompliziert bekomme ich auf der Festwiese meine Startnummer, Kleiderbeutelabgabe gibt es auch. Ich bin froh, als es um 8 Uhr losgeht, endlich den Gelsen entfliehen!

164 Teilnehmer sind für den Marathon vorangemeldet, nur etwa 100 starten tatsächlich.

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Es geht gleich bergauf, vorbei an dem Schiefen Turm, erst auf Asphalt, dann auf einer Traktorspur weiter. Die Sonne scheint, mit Regen ist zu rechnen. Der erste Anstieg endet nach 3km, ein Rechtsknick, da sehe ich, es sind noch einige hinter mir. Man hat schon einen guten Ausblick von hier. Erst am Waldrand entlang, dann links von uns ein Segelflugplatz, das Gras ist feucht und eine Spur zu lange um gut laufen zu können. Weiter auf einem asphaltierten Güterweg, dann warnt ein Schild vor dem steilen Gefälle. Hier werden später nämlich auch Mountainbiker ihr Rennen bestreiten.

Es geht hinunter nach Udersleben, Feuerwehrleute als Streckenposten und wenig später die erste Tränke. Ich überhole ein Trio aus dem Emsland, alle tragen ein rotes Leiberl.

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Die Halbmarathonis werden hier links laufen, wir Marathonis rechts. In Udersleben sehe ich den längsten Reisigbesen meines Lebens, so groß wie ein Maibaum ist der!

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Hier gibt es Radwege, deren Hinweisschilder eine radfahrende Hexe zeigen, mit Besen auf dem Gepäckträger. In dieser Gegend sollen in der Walpurgisnacht exzessive Hexenfeiern stattfinden. Da bleibt man als Mann besser in Deckung.

Das erste Entfernungsschild: Noch 36km. Auf der 2km langen Geraden nach Ichstedt versteckt sich die Sonne etwas. Gut so, es gäbe hier keinen Schatten und die Sonne ist noch kräftig. Felder beiderseits der Straße, ein klitzekleiner LKW braust hochtourig vorbei, DDR steht auf dem rechten Schmutzfänger.

Armband Love Running

Noch 33km. Vollversorgung am Ende von Ichstedt. Unerwartet früh, sodass ich noch zwei volle Flaschen in Händen halte. „Nett, dass sie was mitbringen, wir haben aber noch genug!“, scherzt der Mann am Mikrophon. Die Zitronenspeigerl und Bananenstücke liegen ordentlichst angeordnet in Reih‘ und Glied. So eine picobello-Labe ist mir bislang in meinem Läuferleben noch nicht untergekommen.

Auf asphaltiertem Güterweg geht es zwischen den Feldern wellig dahin, die Sonne haben wir nun im Rücken. Links vor uns hoch oben das Kyffhäuser-Denkmal auf dem Berg, rechts am Horizont die Abraumhalden von Sangershausen. Von weitem Ferne sehen sie aus wie die Pyramiden vor den Toren Kairos, eine solche Halde ist 144m hoch!

Der Weg ist gesäumt von Obstbäumen und Sträuchern, unter einigen Bäumen lassen es sich junge Stiere gut gehen. Rotbraun sind sie, sehr schön. Den Läufern vor mir komme ich nicht näher, sie laufen mir aber auch nicht davon.

Noch 29km. Neben ihrem Mercedes steht die Lenkerin und wünscht mir „Guten Morgen!“ „Streckenfunk“ steht da auf einem Schild. An solchen Streckenposten werde ich noch öfters vorbeikommen. Irgendwo da verlasse ich Thüringen und betrete Sachsen-Anhalt.

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In Tilleda schlagen wir ein paar Haken und machen ein paar Höhenmeter, rauf und runter, die Feuerwehr behält den Überblick.

Dann teilt sich die Strecke: links Mountainbiker, rechts auf ausgewaschener Straße müssen wir Läufer hinauf. Quasi durch den Hintereingang komme ich ins Gelände des Freilichtmuseums Königspfalz Tilleda. Alles sieht aus wie im Mittelalter: die Häuser, die Befestigungsanlage, die Kleidung der Leute, toll!

Die Labestelle ist aber zeitgemäß. Von mehreren Damen werde ich jubelnd begrüßt als hätte ich bereits gewonnen, dazu wird auch noch heftig getrommelt! Ich bin ganz gerührt.

Vollgetankt und mit guten Wünschen versehen, laufe ich durch das Zangentor hinaus aus der Anlage, die Treppen hinunter. Eine Feuerwehrfrau sitzt bereit, falls man stürzen sollte.

Links, es geht rauf, auf einer Weide genießen einige kohlrabenschwarze Jungbullen den Tag und das frische Gras. Die Szene sieht andalusisch aus.

Der Anstieg zum Kyffhäuser-Denkmal durch den Wald beginnt, noch 25km und nun wieder in Thüringen.

Erst muss ich auf tiefhängende Äste achten, dann mündet der Weg in eine breite Holz-bringungsstraße ein. Der Belag ist grober Schotterbruch, aber festgewalzt, sodass man gut laufen kann. So geht es nicht allzu steil 3km bergwärts, bis ein Feuerwehrauto die

Straße blockiert. Ich bin seit über 2 Std. unterwegs und nehme mein erstes PowerGel.

Noch 1,3km bis zum Denkmal, zeigt ein Wegweiser. Rechts steil die Böschung hinauf in den Wald. „Sch….“ denke ich mir spontan, ein Feuerwehrmann muss lachen. „Habe ich das etwa ausgesprochen?“ Es wird eng, Singletrail. Immer wieder Wurzeln quer zur Laufrichtung hier, bloß nicht einfädeln!

Ich erreiche den Biker-Parkplatz. Die Straßen zum Kyffhäuser-Denkmal sind eine wilde Aufeinanderfolge von zahllosen Kurven, so etwas zieht unzählige Motorradfahrer an.

Mir begegnen Läufer, die schon beim Denkmal waren, sie sind etwa 2km vor mir.

Ich laufe hinunter zum nächsten Parkplatz. Dort haben Evi und ich gestern schon die Schilder vom Berglauf gesehen, ich weiß also, wie es weitergeht. In weitem Linksbogen – alles im Wald – um die Mauer der Unterburg herum, rechts sehe ich ins Tal, 300m unter mir. Ein Schild erinnert, dass dies der Novalis-Blick ist. (Novalis = Friedrich von Hardenberg, 1772 – 1801). Der Boden ist felsig und sehr uneben. Ich überhole ein eng umschlungen gehendes Pärchen. Noch 21km. Weiter im schattigen Wald erreiche ich die Zufahrtsstraße zum Denkmal, Läufer begegnen mir: „Gleich bist du oben!“, ruft einer.

Gestern mussten wir € 8,50 / Person Eintritt bezahlen, heute darf ich durch das offene Tor laufen, die Startnummer macht es möglich.

Das Kyffhäuser-Denkmal = Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal, wurde vor 125 Jahren eingeweiht, es zeigt Kaiser Wilhelm I. hoch zu Ross und Kaiser Barbarossa in Stein gehauen. Friedrich I = Kaiser Barbarossa starb im Juni 1190 auf dem Weg nach Jerusalem. Sagen zu dem Rotbart gibt es genug. Bemerkenswert, dass das drittgrößte Denkmal Deutschlands die russische Besatzung unbeschädigt überstanden hat.

Man hat von da oben einen grandiosen 360°-Blick und, wichtig, heute eine Labestelle.

Wenn man ganz oben ist, kann es nur mehr hinuntergehen. Auf der Zufahrtstraße geht es nun hinunter, die drei roten Emsländer begegnen mir. Weiter zum Biker-Parkplatz und dahinter hinein in den Wald. Erstmals fallen mir Fichtennadeln am Boden auf, bisher war es stets Laubwald.

Im Wald geht es auf einer Forststraße, breit genug für einen Traktor, am Hang entlang, immer ein paar m rauf und runter, nie wirklich flach. Ich überhole einen Teilnehmer, wir wünschen uns Alles Gute. Immer wieder hört man Motorräder. Nach einer Weile zweigt der Weg links ab, es geht hinauf zur B85. Eine Polizistin und ihr Kollege sperren für mich die Straße, ich laufe hinüber und verschwinde wieder im Wald. Da rechts sieht man nun ins Tal, das da unten dürfte Berga sein.

Ein junger Mann knipst ins Tal hinunter, ich laufe grüßend vorbei. Schließlich komme ich an eine breite Forststraße, die liegt im hellen Sonnenlicht. Der grobsteinige Untergrund taugt mir gar nicht. Kein Problem natürlich für LKW-Reifen. Schwammerlsucher sind mit Körben unterwegs. Ein unbemannter Renault mit offenem Fahrerfenster und meterhoher Antenne sowie „Streckenfunk“-Schild davor parkt am Wegesrand.

Dann kippt der Horizont, steiler Abstieg zur nächsten Labe. Einer der jungen Soldaten dort ist ganz begeistert von sich, dass er meine Getränkeflasche befüllt hat, ohne auch nur einen Tropfen zu verschütten. Ich nehme ein Stück Banane.

Noch 13km. Es geht bergauf, es folgen 4 wellige km auf der Forststraße in der Sonne. Bevor ich abermals zur B85 käme ein Schranken, da rechts weg in den Wald. Ich genieße den weichen Waldboden, eine Wohltat für meine Fußsohlen. Schließlich muss ich doch wieder über die B85, zwei Polizisten passen bei der Querung auf mich auf. Noch 8km, höchste Zeit für mein zweites PowerGel.

Hinein in den Wald und Labestelle. Als ich mich wieder auf den Weg mache, sind die drei Emsländer da. Mitten im Wald, ich klettere gerade über Wurzeln, als ich von von einer elektronischen Durchgangskontrolle piepsend erfasst werde. Vier Leute sitzen daneben.

Auf einer Lichtung ebenfalls vier Leute, noch 6km. „Immer da rauf“, höre ich. Diese Wald-straße ist schnurgerade und führt in Wellen bergauf. Nicht steil, aber erkennbar bergauf.

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Alles im schattigen Wald, noch 5km. Wanderer begegnen mir und haben ein Lächeln und freundliche Worte für mich. Eine T-Kreuzung, noch 4km, es geht steil hinunter, auch schnurgerade. Ich verstehe Leute immer besser, die einen Bergmarathon nur mehr dann machen, wenn das Ziel oben ist. Hinunterlaufen ist nicht zwingend lustig, da kann einem schon einmal des Kreuz weh tun, so wie mir jetzt. Weitere Wanderer feuern mich an.

Dann ein leichter Gegenanstieg und ich bin endlich wieder in offenem Gelände, ein schöner Fernblick nun. Strahlender Sonnenschein und viele, viele Helferlein bei der nächsten Labestelle. Alles da was ich brauche und noch viel mehr.

Ein Cola g‘spritzt geht bei einem Marathon immer! Noch 3km.

Links von mir Felder, rechts von mir eine Streuobstwiese und ein Stück dahinter das Panorama-Museum, weithin sichtbar. Es gilt als die Sixtina des Nordens. Das Museum beherbergt ein Monumentalbild das ist 14m hoch und hat 123m Umfang. Über 3.000 Figuren und 75 Schlüsselszenen sind zu erkennen, heißt es. Nicht schlecht!

Doch ich laufe daran vorbei. Die letzen 2km werden richtig steil! Auf steinigem, weil ausgewaschenem, Weg geht es hinunter. Eine medaillenbehängte junge Halb-Marathonin begegnet mir strahlend.

Bad Frankenhausen, endlich wieder Asphalt unter meinen Schuhen. Ich glaube schon, ich komme wieder am Schiefen Turm vorbei, der Weg führt aber oberhalb daran vorbei, nun beinahe eben. Auch oberhalb vom Hausmannsturm.

Da sehe ich vor mir eine Läuferin in gelbem Shirt begleitet von einem Stromradler. Die Dame macht nicht mehr den frischesten Eindruck. Noch 1km.

„Die kriegst du noch!“, denke ich mir. Spitzkehre nach links. Obwohl es bergab geht, kann ich in großen Schritten - völlig ohne Beschwerden! - an ihr vorbeilaufen. Ich fühle mich großartig. Vorbei auch am Solewasser-Vitalpark, quer durch den Kurpark und die Erfurter Straße hinunter zum Restaurant Schwan. Da hatten meine Frau und ich gestern ein sehr gutes Abendessen, als kurz ein Wolkenbruch niederging. 

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Vorbei am Brunnen „Spielende Kinder“, und hinunter zur Kyffhäuser-Therme. Ich laufe an einer Gruppe vorbei, die allesamt Startnummern tragen und Hunde spazieren führen.

Am Eingang zum Zielgelände drehe ich mich um, ein Blick zurück. Ich nehme einen Schluck Cola g‘spritzt und trabe mit erhobenen Armen lächelnd durchs Ziel.

Nach 5h20 – 5h30 sagte ich Evi, kann sie mit mir rechnen, nach 5h23 bin ich da. Perfekt!

Ein Mädchen überreicht mir die Finishermedaille. Evi gratuliert mir mit Schokolade zu meinem 210. Marathon. Die Ziellabe ist gut sortiert, vor allem Flüssiges ist gefragt. Trinken, trinken, trinken! Nach und nach treffen die Teilnehmer ein, die ich von unterwegs kenne. Die gelbe Cornelia, die roten Emsländer, Sven mit Kamera und noch ein paar.

In der Kyffhäuser-Therme ist zum Glück noch Platz. Eine klasse Rutsche haben die da! Als ich es mir im 35° warmem Solewasser gut gehen lasse, geht draußen wieder ein Wolkenbruch nieder. Sehr schön.

genau 100 Marathonfinisher (86m + 14w),  diverse andere Bewerbe

Startgeld 33,50 EURO  

sehr aufmerksame Helfer und Helferinnen an den Labestellen – DANKE!

Kyffhaeuser Berglauf 10 1632334525

Streckenverlauf: zur Hälfte im Wald, etwas viel loser Schotteruntergrund

Finishermedaille, Urkunde

ca. 950 Höhenmeter

Labestellen sehr in Ordnung 

1

4401

Stephan Knopf

ORTHIM Triathlon Team / LTV Erfurt

03:04:17.9

2

4361

Michael Knoche

Willpower

03:25:03.5

3

4316

Marc Thielemann

Rennsteiglaufverein

03:27:57.4

1

4347

Laura Michel

TG triZack Rostock

03:13:34.3

2

4384

Anja Jakob

Klingenthal / Voigtland

03:40:10.4

3

4332

Andrea Knabe

Leimüller Racing Team

03:44:21.6

 

Weitere Fotos und Details zum Kyffhäuser Berglauf


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