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Strömender Regen in der Nacht von Freitag auf Samstag. Ich habe eine Wohnung oberhalb von Deutschlandsberg auf 1.000m, auf dieser Höhe hat es 4°C. Ruhiger habe ich noch nie gewohnt. Die einzige Straße hierher ist 2km lang, unbefestigt und führt sonst nirgendwohin.

In Wies hat es um halb 8 schon 7°C und regnen tut es auch nicht mehr so richtig. Ein großer und mehrere kleine Busse sammeln uns Läufer im Zielbereich auf und bringen uns nach Ehrenhausen zum Start.

Auf der Fahrt wird viel getratscht. Es erstaunt mich immer wieder, wie weit so ein Marathon eigentlich ist. Dabei sind es für die Busse ein paar km weniger und Höhenmeter haben sie auch nicht so viele. Ich kenne die schöne Gegend hier. Seit ich zuletzt da war sind aber schon einige Jahre vergangen. Beim Erzherzog-Johann-Wein schließlich parkt sich unser Bus ein. Ein paar 100m in den Ort rein per pedes. Schräg gegenüber der Kirche hat sich das Rennbüro in einer Hofeinfahrt niedergelassen.

Die Startnummer habe ich im Nu. Viele Bekannte treffe ich wie erwartet, da vergeht die Wartezeit schnell. Mit Christoph Hain habe ich aber nicht gerechnet, seines Zeichens einst Co-Veranstalter des wunderbaren Linzer Bergmarathons. Dabei ist der schon oft hier gelaufen.

Sogar der Stmk-ORF ist angereist, macht einen Kurzbericht von diesem 25. Welschlauf.

Von den weit über 200 angemeldeten sind viele nicht erschienen. Da wird der Wetter-bericht auch mitgespielt haben. Es hat 9°C und es nieselt als es mit Blick aufs Rathaus von Ehrenhausen um 10h los geht. 175 starten auf der Marathondistanz. Ein paar 100m flach, dann geht es links die Platscher Straße rauf. Mein rechter Knöchel ist immer noch lädiert, ich hoffe aber, dass die Schmerzen bald nachlassen werden. Nach gut 2km geht es schon ganz gut. Da ist auch schon die erste Labestelle. Diese kommen im weiteren Verlauf in erfreulich kurzen Abständen. In Berghausen an der Steirischen Weinstraße ist das Starterfeld bereits weit auseinander gezogen. Keine falsche Hektik, wegen der 1.330 Höhenmeter man darf ganze 7 Stunden benötigen. Unter 6 will ich auf jeden Fall, das wird zu schaffen sein.

Graßnitzberg, links mündet die Straße von Spielfeld her, da bin ich schon öfters raufgekommen. Im Auto wohlgemerkt, gelaufen bin ich da noch nie. Nach knapp 6km das Schild das davon kündet, dass die nächsten 1,8km die linke Straßenseite gleichzeitig Staatsgrenze ist.

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Der Blick beiderseits ins Land ist fantastisch, Weinberge, links Slowenien, noch mehr Weinberge rechts in der Steiermark. Rechts runter geht es auch zum Bärenhof. Bei km8 geht es einmal nennenswert bergab, nur um gleich wieder anzusteigen. „Hier ist der lausigste Anstieg!“, verspricht mir eine Urlauberin. Es nieselt etwas, das ist durchaus willkommen.

Rechts oben die Herzerlbank und als die Straßenmitte die Staatsgrenze ist, links die blau-rot-weiße politische Wetterfahne, eine 3,6m hohe Kunstinstallation von Tobias Rehberger mit zweisprachiger Aufschrift:  Woher der Wind weht | Od koga piha veter

Für die ersten 10km brauche ich 72min. Schlusslicht bin ich damit aber nicht. Es sind immer dieselben Leute, der Abstand zueinander ändert sich kaum. Ich halte mich an den Paul, der hier heute zum 22. Mal läuft und in Leutschach wohnt. Denn bei manchen Kreuzungen ist mir der weitere Streckenverlauf nicht schon von weitem klar. Wenn man dann dort ist sieht man das Logo des Laufes -Fuß mit Ferse- in hellgrün auf den Asphalt gesprüht. Für den unbedarften Beobachter sieht es eher aus wie ein verunglückter Bumerang. Paul hat sich dieses Logo sogar auf den rechten Fuß tätowieren lassen, das sieht man hier öfters.

 

Zwischen km13 + 14 überhole ich in einem Kräfteanfall drei Damen und den Paul. „May the force be with you.“, sagen die Bewunderer von Star Wars und heute ist May, 4th!

Wie ich gesehen habe, weicht Paul Triebl gern aufs feuchte Bankett aus. Das mache ich auch, es gibt etwas nach und hängt nach rechts außen, was mein rechter Knöchel sehr schätzt. Km15 nach 1h50. Wir laufen zügig bergab und bei Leutschach steigt es ordentlich an.

Kurz laufen wir auf der Südsteirischen Grenzstraße, bevor es auf schmäleren Straßen weitergeht. Man hört die vereinzelten Regentropfen auf den Blättern und dazu fröhliches Vogelgezwitscher. Sehr friedlich und beschaulich ist es.

Den Paul kennt hier ein jeder, Polizei, Feuerwehr und Helfer, das kostet ihn Zeit.

Ich habe es wieder einmal geschafft, mir Steinchen in den rechten Schuh zu bugsieren. Es dauert eine Weile bis ich eine Treppe finde, wo ich mich kurz niederlassen kann um das Problem zu beseitigen. Schon ist der Paul wieder an mir vorbei.

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Der Halbmarathonstart wird gerade abgebaut. Wir haben aber noch keine 20km hinter uns, der hiesige HM ist nämlich 22,3km lang.

Das Streckenprofil ist weiterhin sehr wellig, nach 2h38 habe erst 21,1km hinter mir. Für eine Weile beginnt es stärker zu regnen. Der Blick ins Land ist weiterhin famos.

Nach km28 schließt Petra zu uns auf, eine Weile rennen wir zu dritt in Formation. Es geht steil runter nach St. Johann im Saggautal, km29. Da ist es dann flach. Die x-te Labestelle mit Wasser, Iso, Bananen und Äpfel. Und die Frage: „Mogst a Mischung?“ Vom Elsässer Weinbergmarathon im Juni 2014 weiß ich, dass Wein während dem Marathon nicht beschleunigend wirkt. Daher lehne ich dankend ab.

Großes Hallo als wir an der Startaufstellung des Viertelmarathons in Saggau vorbei laufen. Die noch ausgeruhten Starter feuern uns an, selber haben sie 12,8km vor sich, denn auch der 1/4-Marathon hat Überlänge.

Am Ortsende überhole ich 4 Burschen in Lederhosen und grünen Hemden die am Halbmarathon teilnehmen und diesen offenkundig mit einer Weinkost verbinden.

Wuggau, km32, Labe, nun steigt es wieder steil an. Das hier ist der lausigste Anstieg wie ich finde und ab jetzt tun sie mir richtig weh, die Anstiege. In stetiger Folge geht es rauf und runter. Bei km34 überholt mich der erste 1/4-Marathoni mit Riesenschritten, bald kommen seine Verfolger. Es regnet ganz munter.

Nach km35 geht es eine Weile steil bergab, diesmal auf rutschigem Waldboden, da laufen längst unzählige 1/4-Marathonis  an mir vorbei.

Vor seinem Haus steht einer mit einer Puntigamer Flasche in der Hand und der weiß wie es geht: „Es miassts vül mehr Bier trinkn, ned so vül laufn!“

Volksfeststimmung und großes Trara oben in St. Ulrich. Der ganze Ort scheint auf den Beinen zu sein. Bei der Labestelle kommt man kaum durch, es wird zugeprostet.

Ich bekomme meine Flasche halb befüllt und nehme mir ein Stück Banane.

Paul schließt auf, wir plaudern. Eine Weile laufen wir gemeinsam. Bei km38 schicke ich ihn los, ich bin fertig. Ich will ihn nicht aufhalten und mich nicht überfordern.

Die nächste Labestelle ist nicht weit, ich nehme zwei Stück Äpfel, was für ein Genuss! Sie schmecken herausragend. Dasselbe bei der letzten Labe km40.

Als ich da zugreife läuft Petra Hude an mir vorbei. Langsam komme ich zu Kräften, nun ist die „force“ wieder bei mir, die Muskeln spielen wieder mit.

In einem Heer von 1/4-Marathonis kann ich auf den letzten 2km nun ganz ordentlich laufen. Nicht zuletzt wegen des leichten Gefälles. Petra hole ich aber nicht mehr ein, erst in der Ziellabe von Wies kann ich ihr gratulieren.

Die Erinnerungs“medaille“ ist für alle Teilnehmer die gleiche, egal welche Distanz man gelaufen ist. Das fußförmige Logo das Welschlaufs am blauen Band.

Im warmen Zelt der Ziellabe, draußen hat es 10 Grad und es regnet nicht mehr, sitze ich gemütlich mit Paul und wir lassen es uns schmecken. Man spendiert uns Brote mit Topfen, Verhackert oder Kürbiskernöl und keinesfalls zu vernachlässigen sind die frisch gezapften Elektrolyte vom Fass.

Hinterher dauert es eine Weile bis ich meinen Kleiderrucksack lokalisieren kann, der war echt gut versteckt. Das System, nach welchem die Kleiderbeutel zur Abholung bereit gelegt wurden, habe ich nicht durchschaut.

Dann teste ich die Duschen in der Schule. Paul hatte nicht zu viel versprochen – das Wasser ist klirrend kalt.

Im Weinzelt geht es hoch her, auf der Bühne musiziert eine vielköpfige Blasmusik-kapelle. Der Welschlauf ist hier in der Region das Großereignis, keine Frage.

Da auch am Sonntag kein Ausflugswetter zu erwarten ist, trete ich noch vor weiteren Showteilen des Festes die Heimreise an. Beim Billa in Deutschlandsberg finde ich unter vielen Weinsorten schließlich doch noch eine Flasche Welschriesling aus der Gegend, vom Felberjörgl. Wenn man schon einmal da ist!

Kaum Verkehr auf der Autobahn. Ich glaube, die Maut ist schon wieder teurer geworden. Es ist sogar noch hell als ich bereits wieder in Linz bin.

Welschlauf 21 1557314899

172 Marathonfinisher   (33f + 139m)

Sieger:     Vinzenz Kumpusch       2h55:22

Siegerin:  Jana Beck                       3h25:11

598 Halbmarathonis

472 Viertelmarathonis beim Lauf  

219 Viertelmarathonis nordic walkend

_ _ _ _

Startgeld 40,- EURO

Sehr anspruchsvolle, schöne Strecke, sehr viel Landschaft rundum

Champion-Chip; Erinnerungsfuß zum Umhängen

erstklassige Ziellabe, genug Versorgungsstellen unterwegs, auch mit Wein

1.330 Höhenmeter

Ein Marathon mit keiner einzigen Zwischenzeit                    

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