Das Kamila Skolimowska Memorial in Silesia hat sich am Samstag einmal mehr als wahres Fest der Leichtathletik erwiesen.
Was die Zuschauer dort erlebten, war ein Mix aus Rekordjagd, hitzigen Duellen und einem Hauch Nostalgie. Vor allem eine Frau brachte die Arena zum Beben: Faith Kipyegon.
Kipyegon auf Rekordkurs
Die Kenianerin, ohnehin schon Weltrekordhalterin über 1500m und die Meile, zauberte bei ihrem erst dritten 3000m-Rennen eine Zeit von 8:07,04 Minuten auf die Bahn. Damit pulverisierte sie den Afrika- und Diamond-League-Rekord – und verpasste den seit 1993 bestehenden Weltrekord nur um die sprichwörtliche Nasenlänge. Gerade einmal eine Sekunde trennte sie von der magischen Marke von Wang Junxia.
Unterstützt wurde Kipyegon von den Tempomacherinnen Sage Hurta-Klecker und Olympiasilbermedaillengewinnerin Jessica Hull. Nach 1000m in 2:42,07 und 2000m in 5:25,18 war klar: Hier geht etwas Historisches. Auf den letzten beiden Runden rannte sie alleine und ließ das Stadion erzittern. Mit satten 27 Sekunden Vorsprung kam sie ins Ziel – eine Demonstration der Extraklasse. Rang zwei ging an Likina Amebaw in 8:34,53.
Für Kipyegon war es auch ein emotionales Wiedersehen mit Polen, wo sie bereits 2013 bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften triumphiert hatte. Nach dem Rennen erklärte sie gegenüber World Athletics: "Ich bin so glücklich. Ich habe die Weltrekordlinie während des Rennens gesehen, aber heute war es sehr heiß. Ich will nächstes Jahr zurückkommen. Ich liebe es, mich selbst herauszufordern und ich möchte junge Menschen inspirieren."
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Hodgkinson schlägt zurück
Doch Kipyegon war nicht die einzige Heldin des Abends. Keely Hodgkinson meldete sich nach ihrer Verletzungspause mit einem Knall zurück. In ihrem ersten Rennen seit ihrem Olympiasieg über 800m in Paris schockte sie die Konkurrenz mit einer Weltjahresbestzeit und Meetingrekord von 1:54,74. Damit schrieb sie sich auf Platz neun der ewigen Bestenliste ein und bestätigte ihre Rolle als neue Königin der Zwei-Runden-Distanz.
Hinter ihr steigerte Kenias Lilian Odira ihre persönliche Bestzeit auf 1:56,52. Sogar Australiens Claudia Hollingsworth konnte mit einem Ozeanien-Rekord von 1:57,67 glänzen. Insgesamt blieben gleich neun Läufer unter der Zwei-Minuten-Marke – ein klares Statement für die Qualität des Feldes beim Kamila Skolimowska Memorial.
Tsegay dominiert die 1500m
In den 1500m der Frauen brannte Gudaf Tsegay ein Feuerwerk ab. Die Äthiopierin, Weltmeisterin über 10.000m, begann mutig auf Weltrekordtempo und stoppte schließlich die Uhr bei 3:50,62 – der achtbesten Zeit der Geschichte. Vier Sekunden Vorsprung im Ziel sprechen eine deutliche Sprache.
Dahinter überzeugte Kenias Beatrice Chebet bei ihrem internationalen 1500m-Debüt mit starken 3:54,73. Georgia Hunter Bell sicherte sich in 3:56,00 den dritten Platz. Bemerkenswert: Die Top sieben liefen allesamt unter 3:57.
Auch die Männer liefern
Natürlich wollte auch das Männerfeld nicht nachstehen. Yared Nuguse, Olympia-Dritter, setzte sich in einem packenden Finish über 1500m in 3:33,19 durch. Knapp dahinter folgte Timothy Cheruiyot in 3:33,35. Nuguse schielt bereits auf die Diamond-League-Finals, die ihm ein Ticket für die Weltmeisterschaften in Tokio bescheren könnten.
Unterm Strich bleibt: Das Kamila Skolimowska Memorial war eine Show voller Dramatik, Tempo und Emotionen. Oder, um es mit den Worten von Faith Kipyegon zu sagen: "All diese Rekorde – das ist, was ich liebe."

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