Wer am Wochenende im Elsass einen ruhigen Spaziergang plante, wurde von einer echten Naturgewalt überrollt: dem Trail des Celtes, der krönende Abschluss des epischen Trail Alsace Grand Est by UTMB.
Zwischen Rebstöcken und Ruinen, über Stock, Stein und schweißgetränkte Pfade jagten 6.023 Läufer durch die wilde Pracht der Vogesen – ein wahres Naturfest für Ausdauerfanatiker, Adrenalinjunkies und Trail-Liebhaber.
Ein Trail, fünf Rennen, unendlich viele Emotionen
Drei Tage, fünf Rennen, zwei Départements, 15 Burgen und ein ganzes Universum voller Emotionen – der Trail Alsace Grand Est by UTMB war mehr als nur ein sportliches Event. Es war ein wilder Tanz zwischen Himmel und Erde, eine Ode an Muskelkater und Magie, durchzogen von dem Duft elsässischer Wälder und dem Jubel von 900 ehrenamtlichen Helfern. Ein Lauf durch die Geschichte, bei dem 64 Nationen gemeinsam schnauften, schwitzten und über sich hinauswuchsen.
Nur 6,8 % mussten unterwegs kapitulieren – der Rest kam durch. 5.612 Finisher beendeten ihre persönliche Heldenreise, begleitet vom Gezwitscher der Vögel, dem Knirschen des Waldbodens und gelegentlichen Flüchen über knackige Anstiege.
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Marie und Benjamin – Sie liefen nicht, sie flogen

Am Sonntag schien die Sonne etwas heller über Obernai – der große 50K Trail des Celtes stand an. Und während sich der Rest der Welt noch den Sonntagstee einschenkte, kämpften sich zwei Trail-Legenden an die Spitze: Marie Goncalves und Benjamin Roubiol.
Marie, bekannt durch ihren Triumph bei der SaintéLyon 2024, zog das Feld wie ein Wiesel mit Turbolader auf. In 4h22'20" stürmte sie zum Sieg, vorbei an Laura Hampel und Astrid Hochart. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Rennen. Ich konnte mein Tempo steigern und die tolle Atmosphäre genießen“, sagte sie nach dem Zieleinlauf – und grinste dabei wie jemand, der gerade den Mont Sainte-Odile zum Frühstück verspeist hat.
Bei den Männern legte Benjamin Roubiol einen Gang zu, den normale Menschen nur aus Videospielen kennen. Nach 50 Kilometern und 2.031 Höhenmetern bretterte er mit fast 14 km/h ins Ziel – in 3h35’09! „Nach einem schwierigen Saisonstart ist dieser Sieg für mich ein echter Befreiungsschlag. Die Strecke war spielerisch, fordernd und wunderschön – ein perfekter Trailtag“, erklärte der sichtlich erleichterte Champion.
Die Pilger kamen, sahen und flogen – der Trail des Pèlerins
Auch der 20K Trail des Pèlerins am Samstag hatte es in sich. Zwischen Kapellen und Kapriolen schob sich Riccardo Scalet mit 2h23’09” als Erster über die Ziellinie – vor Léo Tuaz und Flo Winker. Bei den Frauen triumphierte Maëlle Beauvir in 2h49'44", gefolgt von Lokalmatadorin Charlène Kleitz und der belgischen Bergziege Stéphanie Cappelle.
Ein Fest für Füße und Herzen
Der Trail Alsace Grand Est by UTMB war nicht nur ein sportliches, sondern auch ein menschliches Highlight. Familien blieben länger, um die Region zu erkunden. Théo Le Boudec, Sieger des 100K Ultra-Trail des Païens, meinte: „Meine Familie und ich sind begeistert. Wir verlängern unseren Aufenthalt – hier ist es einfach wunderschön“.

Auch Veranstaltungsdirektorin Isabelle Viseux-Poletti zeigte sich gerührt: „Ein riesiges Dankeschön an alle Läufer, Helfer und Partner. Diese Veranstaltung lebt von eurem Herzblut und eurer Begeisterung. Wir freuen uns schon auf 2026!“
Die nackten Fakten – aber episch
• 6.023 Starter, 5.612 Finisher
• 64 Nationalitäten, 33 % aus der Region Haut-Rhin und Bas-Rhin
• 5 Rennen, 15 Burgen, 2 Départements
• 900 Helfer
• 14.800 Euro für wohltätige Zwecke
Podium des Trail des Celtes – 50K
Frauen:
1. Marie Goncalves – 4h22'20”
2. Laura Hampel – 4h25'28”
3. Astrid Hochart – 4h33'54”
Männer:
1. Benjamin Roubiol – 3h35'09”
2. Anthony Felber – 3h40'58”
3. Augustin Kerhardy – 3h46'35”
Podium des Trail des Pèlerins – 20K
Frauen:
1. Maëlle Beauvir – 2h49'44”
2. Charlène Kleitz – 3h01'24”
3. Stéphanie Cappelle – 3h07'20”
Männer:
1. Riccardo Scalet – 2h23’09”
2. Léo Tuaz – 2h25’58”
3. Flo Winker – 2h28'55”
Der Trail des Celtes war kein Rennen. Es war ein Ritual. Ein Rausch. Ein Naturdrama mit Wadenkrampf und Herzklopfen. Und am Ende bleibt nur eines zu sagen: 2026 kann kommen. Und bis dahin? Trailträume, Muskelkater – und ein bisschen Sehnsucht nach Obernai.


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