Planet Earth Run - Laufevent

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Als ich im Februar 2016 in Bad Füssing meinen 100. Marathon ins Ziel brachte wurde ich gefragt, wann ich den 200. laufen würde? Niemals! Noch einmal 100? Völlig utopisch!

Nach meinem 150. Marathon im Juli 2018 in Füssen schien der 200. gar nicht mehr soo unmöglich. Ab Mitte 2019 war klar, im nächsten Jahr fällt die 200er-Marke. Bei meiner Schlagzahl kein Problem. Muss mir nur mehr überlegen, wo. Diese Schlagzahl kam ab März 2020 aber kräftig aus dem Takt.

Reihenweise gingen geplante, organisierte und oft schon bezahlte Marathonreisen den Bach runter. Kein Ende der Stornierungen in Sicht. Nach vier Monaten Marathonzwangspause, eine so lange Pause hatte ich seit Herbst 2010 nicht, konnte ich im Raum Pilsen endlich wieder einen Marathon absolvieren. Schon zwei Wochen später gelang es mir, trotz aller Widrigkeiten, an meinem 60. Geburtstag einen traumhaft schönen Marathon mit Start und Ziel in Baastad zu laufen. Keine Labestellen unterwegs, so wartete Evi bei km23 mit vollen Flaschen auf mich.

Nach vielen zerstörten Plänen hatte ich immerhin meinen Geburtstagsmarathon laufen können.

Der war mir besonders wichtig.

Mit drei Marathons in drei Tagen im Juli (Bad Blumau) begann das Zählwerk wieder zu rattern.

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Als ich den Sommeralm-M Anfang August lief, hatte ich mein nächstes, 2019 gestecktes Ziel, erreicht. Nunmehr bin ich in jedem Kalendermonat mindestens 10 Marathons gelaufen.

An sich wäre der Laufstammtisch Flotte Sohlen zum Pula-Marathon gereist, aber auch aus dem wurde nichts. Trotzdem Großangriff auf die 200 ab September:

Jedes Wochenende ein Marathon. Wenn es einem nicht zu aufwendig war, pro Marathon +/-10 Stunden im Auto zu sitzen, konnte man das schaffen.

Ich lief an Marathons, was ich kriegen konnte. Ebenso Anfang Oktober noch. Zuerst in Kärnten der Marathon von Feldkirchen, eine Woche dann beim LCC-Wien der 199. Es sah gut aus für den 200. 

Bis zwei Tage vorher. Ab Samstag würde die Einreise nach D erschwert werden. Der 200. rückte in weite Ferne. Das Hotel in Neuburg am Inn bestätigte, dass für uns kein Beherbergungsverbot bestünde und wir willkommen wären. Mit Anreise bereits am Freitag würden uns die neuen Reisebeschränkungen noch nicht treffen. Durch die Freitag-Anreise konnten wir immerhin die schöne Burg von Neuburg am Inn besichtigen, nachts bei Regen, die hätten wir sonst nicht gesehen. 

Die Reisebeschränkungen führten jedenfalls dazu, dass von 18 angemeldeten Österreichern nur 8 am Start waren. Teils, weil eine Freitag-Anreise beruflich nicht ging und teils, weil man schon entnervt war von ständigen geänderten Vorschriften.

Dreiburgenland Marathon 88 1604411526

Samstag ab 04h30 regnete es heftig, während dem Frühstück nicht mehr so arg. Um 9h00 versprach uns der Wetterbericht ein sonniges Bayern, je nördlicher umso schöner würde das Wetter sein. Thurmansbang liegt definitiv nicht nördlich genug.

Wie fast alle anderen parke das Auto in Startnähe auf der regennassen, vollgesoffenen Wiese. So sind unsere Füße schon vor dem Start nass.

Die Rogy-Brüder aus Kärnten sind schon da, Dietmar Pruckner auch und Theo Huhnhold, seines Zeichens Finisher aller 27 Thermenmarathons von Bad Füssing. Günter Schlöglhofer pfeift heute auf sein „Max-4-Marathons-p.a.-Prinzip“. Prinzipien sind schließlich dazu da, um zu gegebener Zeit über Bord geworfen zu werden.

Roman Nöster läuft heute seinen 3. Marathon des Jahres, er will gerne mit 30 Marathons überwintern und wieder in den Marathonsammler-Charts Österreichs aufscheinen.

Ludwig Schürger hat mit seinem Team unter den neuen Vorschriften eine klasse Veranstaltung auf die Beine gestellt. Herzlichen Dank dafür, viele Veranstalter haben heuer schon aufgegeben.

Dreiburgenland Marathon 22 1604411531

Das Wetter hat er leider nicht im Griff. Als wir maskiert starten, regnet es. Die Wolken hängen tief. Gleich nach dem Start nimmt mir Evi meinen MN-Schutz ab, sodass ich befreit loslaufen kann. Bald geht es ziemlich heftig bergwärts. Überrascht mich nicht, ich bin schon zum zweiten Mal da. Zum ersten Mal da ist der Max Rogy und der verwickelt mich in ein längeres Gespräch. Rein in den Wald, dann rechts runter, durchwegs auf orange-braunem Laub, erst ist Asphalt drunter, dann Erdreich, welches hin und wieder stark aufgeweicht ist.

Besonders steil und matschig wird es nach dem ersten Versorgungsposten, man fühlt sich momentan wie auf Schmierseife. Auf einem Güterweg geht es weiter, km5 nach einer guten halben Stunde. Hier ist etwa der tiefste Punkt der Strecke. An Apfelbäumen vorbei geht es wieder rauf in den Wald, km6. Günter, Roman und Max sehe ich nun nur mehr von hinten.

Nach km7 verlassen wir den Wald, ein paar Sanitäter haben neben einer Garage eingeparkt.  Wir kommen nach Altfaltern, und an einen riesigen Schrottplatz, hier warten unzählige Autos auf ihre Verwertung. Anstieg nach Schadham, auf dem Asphalt lässt es sich gut laufen, wirklich eben ist es kaum einmal. Ich unterhalte mich eine Weile mit Andreas Bettingen, dann eilt er seiner Judith hinterher.

Bei der nächsten Labe in Kollnberg, ca. km13, gibt es Wasserflaschen und abgepacktes Obst.  

Über den Lohstampfbach sieht man rechts ein kleines Gehege mit zwei Alpakas. Weiter rauf und rechts durch Loderhof. Wir erreichen das Museumsdorf Bayrischer Wald, 25ha groß.

Es ist ein Freilichtmuseum am Südwestufer des malerischen Dreiburgensees. Es beinhaltet tausende alte Werkzeuge und mehr als 150 Gebäude, vorzugsweise Holzbauernhäuser vom Ende des 16. bis Mitte des 19. Jahrhunderts.

Dreiburgenland Marathon 36 1604411533Hier unterqueren wir die Straße, Feuerwehrleute zeigen uns wo, und erreichen den kleinen Dreiburgensee, der bunte Herbstwald spiegelt sich darin. Im April 2018 bin ich hier an sich sonnenden Badegästen vorbeigelaufen. Heute ist das Wetter nicht danach. Zwar regnet es nicht mehr, aber mehr als 12°C sind das auch nicht. Kurzanstieg zur Labe, weiter am See entlang und schließlich wieder raus aus dem Wald. Es geht ein Stück entlang der Straße und dann runter zur Bründl Kapelle, Labe km18, Nils Fengler tankt auf.

Zeit für mein erstes PowerGel, am Anstieg nach Thurmansbang überholt mich der schnellste Halbmarathoni der 30min nach mir gestartet ist. Wenig später zwei seiner Verfolger.

Nach 2h24 bin ich mit der ersten Runde fertig. Das ist ein paar Minuten schneller als 2018. Damals war es recht warm, von Matsch und nassem Laub konnte seinerzeit keine Rede sein.

Da ich mit „200“ eine HalbmarathonNr. trage, alle Marathonis haben nämlich „4xx“, will man mich in den Zielkanal lotsen. Gut, dass ich den Hausbrauch kenne, ich laufe links und begebe mich in die zweite Runde, Evi feuert mich an. An der Labe bekomme ich ein PowerGel mit auf den Weg.  Wieder vorbei am Hotel Schürger, am Edeka, an der Tankstelle, am Wertstoffhof und den Schelmberg rauf, hinein in den herbstlichen Wald.

Längst sollte die Sonne scheinen, stattdessen tropft das Wasser von den Bäumen herunter. Bei Regen langärmlig zu laufen ist ein Fehler. Den mache ich gerade. Auch wenn es nicht mehr regnet, mangels Sonne trocknen die Ärmel nicht.

An der steilsten matschigen Stelle überhole ich bergab den Nils. Der hat vor dem rutschigen Untergrund noch mehr Respekt als ich. Eigentlich ist er Triathlet, aber mangels Bewerbe in dieser Disziplin probiert er heute einmal einen Marathon. „Damit das viele Training nicht ganz umsonst war!“

Kaum sind wir in offenem Gelände ist er schneller. Bergauf geht es mir nun gar nicht gut, km27, ansonsten läuft es aber gut. Es dauert fast bis zur Labe in Kollnhof, bis ich mich wieder erfange.

„Zwei sind hinter dir, stimmt‘s?“ Werde ich gefragt. „Keine Ahnung.“

Iso oder Cola wären fein. Nur Wasser, das hat einfach keinen Nährwert. Aber Hauptsache ich bringe meinen 200. Marathon ins Ziel, alles andere ist nebensächlich.

In Loderhof nähert sich von hinten ein Quad. Der Lenker sieht auf meine Startnummer und fragt, ob ich denn den Marathon laufe? „Ja, aber ich habe ein Wunschkennzeichen und deshalb keine 400er-Nummer.“

Bei der Versorgungsstelle am Dreiburgensee werde ich erkannt. „Du bist der, der heute seinen 200. Marathon läuft! Gratulation! Respekt!“ Ich muss lächeln und bedanke mich artig.

„Ja gewiss, die letzten 5km schaffe ich auch noch!“  Einige Nordic Walker begegnen mir, ich nehme noch ein PowerGel.

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Für kurze Zeit kommt ansatzweise die Sonne raus, dann beginnt es wieder zu regnen. Ist eh schon egal, gleich hab‘ ich‘s.

Da ist wieder das Quad und fährt mir beinahe über die Zehen, weil es auf meiner Ideallinie daherkommt. Bei der Bründl-Kapelle tausche ich meine leere Gatorade-Flasche gegen eine volle Wasserflasche. Irgendeine Flasche muss ich in der Hand halten, das bin ich anders gar nicht mehr gewöhnt. Eine Spaziergängerin nimmt ihren Hund zur Seite.

Mir begegnet eine junge Mutti mit zwei Buben. „Wir sind Spaziergeher, Zuschauer dürfen wir nicht sein!“ Sie lacht. Kurz vor Thurmansbang geht es unter der Straße durch. In der Unter-führung prangt links ein bunter Blauwal. 2 Sani lehnen an ihrem Rettungsauto, eine raucht.

Noch 1km und noch ein paar Höhenmeter, auf Stöcklpflaster weiter, unterhalb der Schule vorbei, runter, links, letzter Anstieg, rechts und dann sehe ich schon das Empfangskomitee:

Dietmar und Max, Evi mit Luftballons, Judith Strack, Roman und Günter.

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Andreas filmt meinen Zieleinlauf.

Meine 200. Marathon-Zielankunft findet im matschigsten Zielkanal überhaupt statt. Ich erreiche das Ziel ohne auszurutschen oder wo anzustoßen. Geschafft! Sehr gut! Mission erfüllt, ich bin erleichtert und froh.

Ich schnappe mir eine Medaille und halte im Nu eine Flasche Aldersbacher-Weißbier in der Hand die mir prompt geöffnet wird. Fein, dass man mir was übriggelassen hat.

Dann wird mir reihum gratuliert! Evi hat sogar einen roten Bademantel für mich. Rot steht mir gut! „200 Marathons“ hat sie draufgestickt. Es muss kein Geheimnis sein.

Auch im Ziel ist Martin Panosch aus Salzburg. Er ist heute seinen ersten Marathon gelaufen. Eigentlich hätte seine Premiere heuer in Athen sein sollen, aber wie so vieles heuer …

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Das Jahr 2020 ist voll mit „hätte“, „wäre“, „wollte“ und „würde“. Es ist auch das Jahr, in dem unzählige Marathonpläne nicht geklappt haben, in dem viel Zeit und Herzblut fürs Planen und Organisieren draufgegangen sind, ohne die Pläne letztlich umsetzen zu dürfen.

Außer Spesen nichts gewesen! Das war 2020 leider allzu oft der Fall. Was bin ich froh, dass ich trotzdem noch 2020 den 200. M gelaufen bin. Wenn auch leider ohne Rom, Linz, Belgrad, Luxemburg, Altenburg, Pula… und ohne Kapstadt.  Aber die Freude überwiegt bei weitem.

Ich zitiere Maria Theresia (1717 – 1780): „Es reute mich sehr, so ich nicht hier gewesen wär’.“  

Ich kann nun wieder trainieren, ohne auf etwaige Marathontermine Rücksicht nehmen zu müssen. Und sollte sich wieder wo ein Marathon anbieten, dann laufe ich ihn.

Dreiburgenland Marathon 69 1604411535

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EURO 35,- Hasenbabies Startgeld:

Etwa 950 Höhenmeter Hasenbabies rauf und runter, teilweise ganz schön gatschig

Urkunde zum Download       

Eine goldene Erinnerungsmedaille am weiß-blauen Band  

an den Versorgungsstellen (Wasser in Flaschen, abgepackte Äpfel- u. Bananenstücke),

47 Marathon-Finisher (5 f + 42 m)

65 Halbmarathonis, weiters Laufbewerbe über 5 + 12km

1. KRÖHN Niklas                    2h54:00

2. MÜLLER Michael               2h55:16

3. JAKOB Christian                 3h01:43

1. LEES-BUSSEMAS Lena    3h58:23

2. TIEGLER Petra                  4h05:45

3. WITTER Anissa                  4h21:57                

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Kommentare   

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Hallo Herbert, toller Bericht und Glückwunsch zum 200er! Habe Dich dann leider nicht mehr gesehen.. Freue mich für Dich. Was für ein Jahr. Ich blicke aber auf diesen Lauf gerne zurück, da er auch für mich etwas besonderes war. Keep on running und ein gesundes 2021. Nils
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