San Marino ist bekanntlich ein Zwergstaat in der Nähe von Rimini.
Bekannt ist das kleine Land für seine pittoreske Altstadt mit 3 gewaltigen Burgen auf dem Berg Titano. Im Fußball sind sie mit dem letzten Platz in der Weltrangliste eher nicht berühmt, aber im WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich war der sportliche Unterschied mit 0:4 unerwartet gering. Im 7000 Besucher fassenden Olympiastadion werden wir aber nicht laufen.
Aber warum überhaupt in San Marino laufen?
Ich liebe die Atmosphäre und das oft nicht zu vermeidende Organisationschaos bei den Marathonveranstaltungen in Italien. Als Tiroler ist man in Solidarität mit unseren südlichen Landsleuten sowieso italienaffin. Als mir mein Laufkumpel von einer Marathonveranstaltung in San Marino berichtete, war ich anfangs skeptisch, weil ich die Bilder von einer Bergstadt im Kopf hatte, und ich bevorzuge im mittlerweile gesetzteren Alter eher flachere Laufstrecken. Flach auch wegen einer Viruserkrankung mit einer folgenschweren Zwerchfelllähmung. Seit 15 Jahren habe ich nur mehr 70% Lungenkapazität. Die ersten 100 Marathons vor der Erkrankung absolvierte ich im Schnitt unter 3:25 davon 10 Marathons unter 3 Stunden. Jetzt bin ich froh, wenn ich gerade mal eine Zeit von 4:30 schaffe.
Spezialisiert auf das Sammeln von Ländern
Daher habe ich mich in den letzten Jahren auf neue attraktive Laufstrecken und auf Marathons in neuen Ländern spezialisiert. Mit Marathons in 30 verschiedenen Ländern wird man Mitglied im World Country Club. Angeführt von Anton Reiter mit 103 Ländern haben es 8 weitere Österreicher in diese Liste geschafft. Ich liege mit 43 Ländern im letzten Drittel. Ich habe zwar alle EU-Länder komplett, aber in Europa fehlen mir noch knapp 10 Länder. Weltweit habe ich bis auf Australien alle Kontinente marathontechnisch bereist. In manchen kleinen Ländern wie Monaco, San Marino oder Vatikan werden nur selten Marathonveranstaltungen organisiert. Da muss man jede Gelegenheit nützen. Also war ich sehr erfreut, als wir das Angebot von einem deutschen Ultralaufveranstalter entdeckt haben. Nun stellte sich mir die Frage, ob ich angesichts der prognostizierten mehr als 1000 Höhenmetern hinauf und hinunter den Marathon in der vorgegebenen Zeit schaffen würde.
Verlockendes Angebot vom Ultralauf-Veranstalter
Der Veranstalter Thomas Dornburg ist ein Ultraläufer aus dem Schwarzwald, der pro Jahr mehrere Projekte organsiert, wie aktuell den Transeuropalauf von Flensburg nach San Marino mit 41 Tagesetappen (3. August bis 12. September) und mehr als gesamt 2300 km Laufstrecke. Das Ziel ist in einem Vorort von San Marino bei einer Jugendherberge. Am Freitag vor dem Marathon werden die knapp 40 Transeuropalauf Teilnehmer, hauptsächlich Asiaten, Skandinavier und Deutsche finishen. Als Zuckerl für die Ländersammler hat der Veranstalter für den darauffolgenden Tag einen 47 km Ultralauf ausgeschrieben. 13 Runden mit je rund 3,6 km in den Vororten von San Marino. Für die wohlfeilen Euro 60,- Startgebühr bekommt man eine kostenfreie Übernachtung in der Jugendherberge, kostenfreies Parken, Streckenmarkierung mit Richtungspfeilen (so klein, dass ich keinen einzigen gefunden habe), Umkleide- und Duschmöglichkeit, Frühstücksbuffet ab 4.00 Uhr, ganztägige Verpflegung im Start/Zielbereich, kostenfreie Wettkampf-Getränke und Urkunde. Also ein wirklich tolles Angebot.
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Marathon nur für die Österreicher
Für die Marathonstatistik in Österreich darf der Lauf maximal 45 km haben, daher haben wir angefragt, ob wir statt 13 nur 12 Runden laufen können und urkundlich einen Marathon bestätigt bekommen. Das wurde uns zugesagt und auch in der Ausschreibung berücksichtigt. Wie sich im Nachhinein herausstellt, hat sich die Mehrzahl des Starterfeldes auf die Marathondistanz umentschieden. Angesichts dieser Verkürzung haben sich 5 österreichische Marathonsammler (Foto) Großteils mit Auto auf den Weg nach San Marino gemacht.
Vortag zum San Marino Marathon
Die lange Anreise mit dem Auto war für meinen Laufkumpel Herbert und für mich keine Option. So sind wir schon am Donnerstag nach Bologna geflogen und mit dem Mietauto über Rimini ca. 2 Stunden nach San Marino gefahren. Den Freitag haben wir für Besichtigungen der imposanten Burganlage genutzt und uns frühzeitig für die Nacht fertig gemacht. Der Start war ja für den Samstag um 5:00 Uhr früh vorgesehen. Wie sich herausstellt deshalb so früh, weil der Veranstalter Thomas Dornburg noch am selben Tag seine Rückfahrt in den Schwarzwald antreten wollte. Die Startnummer haben wir bei Start und Ziel in der Jugendherberge bekommen. Auf die Gratisnächtigung am Boden mit Schlafsack haben wir aber dankend verzichtet und ein Hotelzimmer gleich in der Nähe gebucht. Der Veranstalter hat vor Ort ein ordentliches Partyzelt mit Heurigenbänken und Tischen aufgebaut. Wir konnten dort das Finish und die Siegerehrung der Transeuropa-Läufer mitfeiern. Verpflegt wurden wir alle aus einer Gulaschkanone gefüllt mit köstlicher Pasta. Wir konnten Finishern über ihre Wahnsinnsleistung mit 41 Tagesetappen quer durch Europa und gesamt 2340 km von Flensburg bis San Marino plaudern. Aber auch eine organisatorische Meisterleistung von Thomas Dornburg und seinem Team, das für Verpflegung, Nächtigungsmöglichkeiten und eine gut gesicherte Laufstrecke quer durch Europa sorgen musste.
Der Marathontag

Dann standen wir 5 Österreicher am 13. September um 05:00 Uhr mit vielen anderen Ländersammlern aus Deutschland im Finstern ohne Stirnlampen am Start. Der Sonnenaufgang war für 06:30 Uhr prognostiziert also mindestens 2 Runden ohne Orientierungslicht durch die Finsternis. Zum Glück hatten einige Läufer Stirnlampen, an denen wir uns im hinteren Feld zumindest in der ersten Runde orientieren konnten. Die Runde ist schnell erzählt. Start war bei der Jugendherberge einige Meter steil hinunter auf eine wenig befahrene gut beleuchtete Straße bis hin zu einem Kreisverkehr. Dann ein Turn von 90° hinauf zu einer Dorfstraße, die leicht abfallend zur Ortskirche führte. Gleich nach der Kirche rechts ein 90 ° Turn steil hinunter auf einer wenig befahrenen Straße vorbei an einem Sportcenter bis zur Abzweigung wieder ein 90° Turn steil eine stockfinstere Nebenstraße hinauf bis zur Hauptstraße, dann der letzte 90° Turn leicht ansteigend auf einem Gehweg bis zu einem Supermarkt knapp unterhalb der Jugendherberge. Hier musste man aufpassen, dass man die richtige Auffahrt zur Jugendherberge mit Start und Ziel im Partyzelt erwischt. Einmal rund um die Gulaschkanone laufen und laut genug dem Rundenzähler die Startnummer zuschreien, damit wir das Stricherl auf der Liste bekommt. Die Strecke haben wir am Vortag besichtigt, und haten daher kein Problem die Abzweigungen zu finden. Im Gegensatz von einigen Läufern, die uns bereits überholt hatten, aber dann von hinten wieder aufgetaucht sind. Eigentlich eine landschaftlich schöne Laufrunde mit fantastischen Aussichten auf den Berg und die Burgtürme von San Marino Altstadt. Als Draufgabe konnten wir in der dritten Runde einen herrlichen Sonnenaufgang genießen. Sportlich gesehen war es für mich weniger ein Genusslauf. In den ersten Runden hatte ich noch keine Probleme und konnte gut mit einer kleineren Gruppe auch auf den Steigungen mithalten. Aber je mehr Runden ich in den Beinen hatte umso zacher wurde der steile Anstieg im letzten Viertel der Runde. Laufen oder schnelles Gehen war da nicht mehr drinnen. Zudem wurde es ab 10:00 Uhr schon ziemlich warm. Es ist ja noch Sommer. Letztendlich wurde ich von fast allen überholt und beinahe am Ende noch von einigen überrundet. So steht am Ende eine Finisherzeit von 6:17 mit knapp 1200 Höhenmetern (Garmin). Mein Laufkumpel Herbert hat es noch gemütlicher angehen lassen und ist dann knapp nach dem Zeitlimit ins Ziel gekommen. Wir haben dann alle noch ordentlich gefeiert und sind glücklich mit einem neuen Länderpunkt nach Hause gefahren/geflogen. Das nächste Land wartet schon. Am 19. Oktober ein Marathon in der albanischen Hauptstadt Tirana.
- Insgesamt 23 Teilnehmer, davon 12 im Marathon
- Siegerzeit Marathon: 3:57 (43 km/1200 HM)
- Siegerzeit Ultra: 4:04 (47 Km)
- Bester Österreicher: Joe Unterberger in 4:44
- Beste Österreicherin: Helga Marwan-Schlosser in 4:57
- Urkunde und Ergebnisliste
- Leider keine Medaille
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