Stubai Ultratrail 2025
Stubai Ultratrail 2025 (Foto: © Andi Frank)
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Stubai Ultratrail mit neuem Format

Plan B die Münchner Eventagentur, deren berühmtestes Pferd im Stall -der Transalpine Run- bereits eine Legende ist und mit dem ZUT (Zugspitz Ultratrail) ein weiteres Event mit Kultstatus erschaffen hat, ist bekannt für seine innovativen hochalpinen Kreationen.

Das jüngste, erst vor 8 Jahren ins Leben gerufene Baby, hatte alle Zutaten, ein weiterer Klassiker im internationalen Trailrunningzirkus zu werden. „urban2glacier“ hieß die Zauberformel – im übertragenen Sinne, von der Metropole auf den Gletscher.

Geschichte des Stubai Ultratrails

Ausgehend von der Olympiastadt Innsbruck wurden auf anspruchsvollen Genusstrails mit Wurzel-, Wald- und Schotterpassagen die Höhen und Tiefen des Stubai, einem der schönsten Alpentäler Österreichs, mitten im Herzen Tirols, entdeckt. Dann erfolgte auf steilen Serpentinen und teils im Schnee die Eroberung des Stubaier Gletschers, bis zum spektakulären Zieleinlauf auf der Jochdohle in 3137 Metern Höhe, wo auch das höchst gelegene Bergrestaurant Österreichs liegt. Auf der Speisekarte standen vier Distanzen, vom 7.5 Kilometer-Berglauf bis zum 66 Kilometer langen Ultra. Unbeschreiblich die Zielankunft am Gletscher, nach kräfteraubenden Steilpassagen im Fels beim finalen Aufstieg. Im Liegestuhl, bei alkoholfreiem Bier, köstlichem Kaiserschmarrn und Livemusik, konnten die Athleten den Tanz der Emotionen auf über 3000 Metern Höhe ausklingen lassen. Die Jochdohle wurde an diesem Tag zu einer Intensivstation des Wohlgefühls, bevor es mit der Seilbahn wieder in tiefere Gefilde ging. 2022 kam noch ein Vertical-Rennen zwei Tage vor den Hauptläufen dazu, die nicht wenige zu einem Doppelstart in Kombination mit Kurzurlaub verlockten. So wurde vom Greenhorn bis zum Extremisten jeder Trailenthusiast fündig auf dem Menüplan des urban2glacier.

Stubai Ultratrail 2025

Doch das Konzept bekam Risse. Schon 2022 musste der Zieleinlauf auf der Jochdohle wegen Steinschlaggefahr gestrichen werden und erfolgte ein paar hundert Meter niedriger am Eisgrat. Zurück gehender Permafrost durch die Erderwärmung machen diesen auf Dauer zu gefährlich. Auch das Wetter ist in dieser Höhe immer ein Risiko und erfordert höchste Flexibilität seitens der Organisatoren und Entscheidungsträger. Bei der Premiere 2017 musste noch während dem Rennen die Strecke wetterbedingt modifiziert und das Ziel in tiefere Regionen verlegt werden, obwohl schon ein Teil der schnelleren Läufer bei grenzwertigen Bedingungen gerade noch die Jochdohle erreichten. Zudem war der Event mit seinen verschiedenen Starts zu weit auseinander gezogen und logistisch ungemein aufwendig. Zwar endeten alle Rennen auf dem Stubaier Gletscher, doch naturgemäß ist der Publikumsandrang in diesen Höhen recht bescheiden. Doch Plan B würde seinem Firmennamen nicht gerecht, wenn man nicht auch einen Plan C in der Schublade hätte… Es war also Zeit für eine Neuausrichtung bzw. Weiterentwicklung des Events.

Stubai Ultratrail 2025

Den eigentlichen Anstoß erhielt Heini Albrecht, Chef von Plan B, bereits im letzten Jahr.  Da hatte man entschieden, das Vertical-Rennen, welches von Neustift auf die Elferhütte in 2004 m Höhe ging, durch den „Sunnenseit‘n Trail zu ersetzen. 16 Kilometer und jeweils 750 Meter im Auf-und Abstieg, mit Start und Ziel im Dorfzentrum von Neustift. Ein herrlicher Panoramatrail, der als besonderes Highlight die neu eröffnete Hängebrücke mit 110 m Spannweite hoch über dem Stubaital quert, und sich besonders für Anfänger eignet. Im Ziel dann eine Bombenstimmung, die Dorfbewohner feierten ihre Trailhelden. Diese so noch nicht da gewesene Atmosphäre, die ein Zieleinlauf auf dem Gletscher naturgemäß nicht bieten kann, animierte Albrecht und sein Team zu einer Neuorientierung. Das Trailrunning muss näher an die Menschen ran und auch das Gemeinschaftsgefühl sollte so wieder gestärkt werden. Es ging weder um Optimierung noch um Einsparungen, das waren lediglich positive Nebeneffekte. Neben dem Sunnenseit‘n Trail am Freitagabend als Opener wurden  für den Samstag vier hochalpine Hauptrennen mit Start und Ziel im belebten Ortskern von Neustift kreiert und mit Unterstützung des Tourismusverbandes eine Tribüne sowie zwei Musikbands für die zweitägige Veranstaltung organisiert.

Neustift als Austragungsort

Stubai Ultratrail 2025

Der Ortskern von Neustift, Hauptort im Stubaital, war nun das Zentrum des Geschehens. Hotels, Pensionen, Restaurants, Sportgeschäfte, Lifte und eine bunte Gästeschar, je nach Saison Skier oder Rucksäcke schleppend, prägen das Ortsbild dieser alpinen Tourismushochburg. Hier startete um 0 Uhr in der Nacht auf Samstag der Stubaier Höhenweg, nunmehr die größte Herausforderung der Veranstaltung und eine Premiere. Dabei wird mit 78 Kilometern, 5930 Höhenmetern und einem Zeitlimit von 24 Stunden der gesamte Stubaier Höhenweg absolviert, einer der beliebtesten Weitwanderwege der Alpen, für die Bergwanderer in der Regel sechs bis acht Tage unterwegs sind. Der technisch anspruchsvolle, hochalpine Trail verläuft auf einer Höhe von 2100 bis 2900 Metern und führt die Athleten durch eine einzigartige Kombination aus gepflegten Kulturlandschaften und wilden Hochgebirgsregionen, vorbei an den acht Berghütten des Stubaier Höhenweges. Die Teilnehmerzahl war auf hundert Personen limitiert und es galten besondere Teilnahmevoraussetzungen. Am Samstagmorgen wurden dann ab 7:30 Uhr im stündlichen Abstand der Stubai Ultra (59 km/4280 Höhenmeter), der Stubai Classic (31 km/2325 Höhenmeter) und der Stubai Express (24 km/1305 Höhenmeter) gestartet.

Perfekte Bedingungen

Das gesamte Wochenende glänzte mit Kaiserwetter. Lediglich am Samstagmorgen gab es in den Höhenlagen noch Wolken- und Nebelfelder, die sich im verlaufe des Tages auflösten. Während die „Nachtschicht“ schon den ersten Acht-Stunden-Arbeitstag hinter sich hatte -es sollten noch viele Überstunden folgen...- durften sich die Läufer auf den Unterdistanzen jetzt erst einmal durch das Stubaital arbeiten, vorbei an tosenden Wasserfällen und entlang schattiger, ruhiger Trails. Die schneebedeckten Dreitausender erhoben sich verheißungsvoll vor stahlblauem Himmel am Horizont. In der Zwischenzeit steppte der Bär in Neustift – zwei Tage Dorffest, Livemusik, Startgeböller und Zieleinläufe, Expostände, Streetfood-Buden, volle Gaststätten und Restaurants, über die riesige Tribünenleinwand flimmerten nonstop verlockende Berg- und Trailimpressionen. Das ganze begleitet von Siegerehrungen und Interviews. Touristen und Einheimische wurden infiltriert von exotischen Figuren in grellen Funktionsteilen, viele gepierct und tätowiert, die sich warm liefen oder nach getaner Arbeit in den Chill out Zonen relaxten. Als auf der Leinwand das 3507 m hohe Zuckerhütl, ein kühnes Firnhorn mit Schneehaube und höchste Erhebung der Stubaier Alpen, sowie der Wilde Pfaff (3458 m) aus der Drohnenperspektive auftauchten, wurde der Autor sentimental, hat er doch vor mehr als 3 Jahrzehnten diese Riesen mehrmals bestiegen…

Stubai Ultratrail 2025

Die Sieger

Als Lokalmatador Christian Stern als Sieger der Königsetappe einlief, war die Stimmung am kochen. Stern setzte sich erst im Schlusssprint in 12:34:19 h zu 12:35:06 h gegen den Italiener Patrick Ramoser durch. Dritter wurde der Tscheche Tomas Kubicik in 12:42:46 h und die erste Traillady, Marie-Luise Mühlhuber aus Deutschland,  sprintete in 16:07:55 h durch das Zielbanner. Stern, der seit der zweiten Austragung  immer einen Podiumsplatz errang, feierte seinen insgesamt dritten Gesamtsieg beim Stubai Ultra Trail. Bei den übrigen Strecken waren die Läufer aus Deutschland dominant, die beim Stubai Ultra gleich die ersten drei Damenplätze belegten, dazu den Männersieg beim Stubai Classic und Stubai Express kaperten und die Frauensiegerin beim Stubai Express stellten. Die tolle Performance der deutschen Bergziegen ergänzte noch der komplette Podiumsplatz beim Sunnenseit‘n Trail am Freitagabend.

Stubai Ultratrail 2025

Zufrieden mit dem neuen Modus

Mit 1500 Läufern aus aller Welt verzeichnete das hochalpine Trailrunningevent eine Rekordbeteiligung. Fünf unterschiedlich Distanzen mit Start und Zieleinlauf im belebten Ortskern von Neustift ermöglichten Fans und Zuschauern hautnah am Geschehen mit dabei zu sein und erzeugten eine ganz spezielle Festivalatmosphäre. Die Resonanz war überwältigend und zeigt, dass der Stubai Ultra Trail mit seinem hochalpinen Charakter eine besondere Anziehungskraft hat. Natürlich werden die, welche die Anfänge miterlebt haben, das alpine Panoptikum auf die 109 Dreitausender und die Bergkette der Ötztaler Alpen, das sich auf der Jochdohle eröffnete, vermissen. Doch es war die richtige Entscheidung, den Stubai Ultra Trail weiterzuentwickeln, die neuen Strecken sind ein echter Meilenstein für den Event. Die Organisatoren zelebrierten eine perfekte Großveranstaltung in den Bergen und waren restlos zufrieden mit dem neuen Modus. Am Abschlussabend sprach der Kommentator vom „sportlich aktivsten Dorfplatz im Stubaital“ und übergab an die lokale Rockband. Deren Leader wiederum meinte, dass man sich geehrt fühle, für den Stubai Ultra Trail ein wenig Unsinn machen zu dürfen und donnerte sogleich los mit ohrenbetäubendem Stubaier Bergrock. Ein besonderes Bonbon bescherte dann noch das traditionelle Herz-Jesu-Feuer, das nach Einbruch der Dunkelheit auf den Gipfeln entfacht wurde und die Berge in Flammen stehen lies. Der Stubai Ultra Trail 2025 bot alles, was Trailrunning ausmacht: Natur, Leidenschaft, Leistung – und ein Gemeinschaftsgefühl, das noch lange nachwirkt. Das perfekte Bergwetter hatte leider seinen Preis: zwei Tage nach der Veranstaltung hatte das Stubaital mit Extremwetter und Schlammlawinen eine ganz andere Herausforderung zu bewältigen.

Weitere Fotos und Informationen zum Stubai Ultratrail

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