Seit wenigen Wochen ist der Flüchtling Dominic Lokinyomo Lobalu für die Schweiz startberechtigt.
In seinen ersten Wettkämpfen stellte er für die Schweiz zwei Landesrekorde auf, ehe er bei der Leichtathletik-EM in Rom Gold über die 10.000 Meter und Bronze über die 5.000 Meter holte.
Das nächste große Saisonhighlight wären für Lobalu eigentlich die Olympischen Spiele in Paris gewesen. Und zu diesen darf der 25-Jährige auch antreten. Allerdings nicht für die Schweiz.
Start für das Flüchtlingsteam
Dominic Lobalu erhält vom "Internationalen Olympischen Komitee" (IOC) eine Einladung für das IOC-Flüchtlingsteam. Keine 24 Stunden waren seit den Europameisterschaften vergangen, als das IOC entschied, dass Lobalu diesen Sommer bei den Olympischen Spielen teilnehmen darf, allerdings nicht für die Schweiz.
Grund für die Entscheidung
Lobalu, der aus dem Südsudan in die Schweiz geflüchtet war und dort mittlerweile seit einigen Jahren lebt, wird Mitglied des Flüchtlingsteams, welches derzeit aus 36 Athleten besteht. Doch wieso darf Lobalu nicht für die Schweiz antreten? Laut Schweizer Medien verlange die Olympische Charta die Staatsbürgerschaft zwingend. Derzeit besitzt der Läufer noch keinen Schweizer Pass. Nach einem Antrag von Swiss Athletics wurde vor einigen Wochen von World Athletics entschieden, dass Lobalu ab sofort für den Schweizer Verband starten darf.
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Doch das IOC folgte nicht der Empfehlung des Fachverbandes, wie es zumeist der Fall ist.
Wird Lobalu für PR-Zwecke ausgenutzt?
Interessant an der Entscheidung ist, dass vorherige Anfragen über eine Teilnahme des Läufers am Refugee Team für die Olympischen Spiele abgelehnt wurden. Das ausgerechnet direkt nach der EM nun Lobalu für dieses Team einberufen wurde, lässt vermuten, dass das IOC seine Erfolge auf kontinentaler Ebene nun für eigene Zwecke nutzen möchte und so das Refugee Team stärken will.
Spielball im Machtkampf IOC vs. World Athletics
Das Magazin Watson vermutet gar, dass das IOC Lobalu für PR-Zwecke nutzen möchte. Denn er wäre nach aktuellem Stand der aussichtsreichste Kandidat auf eine Olympia-Medaille für das Flüchtlingsteam.
Auch ein Machtkampf zwischen dem IOC und World Athletics könnte zu dieser Entscheidung geführt haben, da sich World Athletics gegen eine Teilnahme russischer Athleten entschied, das IOC diese hingegen zulassen wollte.
Schweizer Verband gibt nicht auf
Der Schweizer Leichtathletikverband schrieb in einer erster Stellungnahme gegenüber der Aargauer Zeitung: "Swiss Athletics hat diese Entscheidung mit Verwunderung und Unverständnis zur Kenntnis genommen. Das IOC Executive Board hätte die reglementarische Möglichkeit gehabt, Dominic Lobalu die Starterlaubnis für die Schweiz zu erteilen. Swiss Athletics wartet auf Informationen des IOC und wird nach deren Erhalt zusammen mit Dominic Lobalu und dessen Team das weitere Vorgehen besprechen. Ziel von Swiss Athletics ist es, Dominic Lobalu eine erfolgreiche Olympiateilnahme zu ermöglichen."
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Foto: © Johann Conus, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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