Was für eine Feuertaufe! Der Swiss Canyon Trail hat mit der neuen 100-Meilen-Distanz eine Marke gesetzt, die sich in die Gedächtnisse eingebrannt hat wie ein Kuhbrandzeichen.
166 Kilometer pure Härte, 150 unerschrockene Läufer, und ein Wetter, das sogar den härtesten Sennen das Käppi vom Kopf geweht hätte.
Am Freitagnachmittag startete das Spektakel in Le Couvet bei Kaiserwetter – doch das Lächeln der Sonne war trügerisch. Denn kaum war die Nacht hereingebrochen, öffnete der Himmel die Schleusen. Regen wie aus Giesskannen, Schlamm wie Fondue und Nebel, der einem die Orientierung nahm wie ein Rutsch auf dem Schneeschuh. Bei einigen Posten rieten die Helfer zur Flucht ins Trockene, doch 80 Prozent der Läufer sagten nur: "Merci, aber mir gönd witer!"
Sangé Sherpa schreibt Geschichte
Zwei Männer liessen sich von gar nichts beeindrucken: Sangé Sherpa aus Nepal und Anthony Pipitone aus Frankreich. Die beiden führten das Feld früh an, liefen stundenlang Seite an Seite, trotzten dem Wetter und motivierten sich gegenseitig wie zwei Alphatiere beim Jass. Am Ende setzte sich Sherpa durch und gewann die erste Ausgabe der 100 Miles am Swiss Canyon Trail in 22 Stunden und 6 Minuten.
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Pipitone, der in der Nacht mit Unterkühlung zu kämpfen hatte, biss sich durch und kam als starker Zweiter ins Ziel – 26 Minuten später. Auf Rang drei folgte Maxime Hourdebaigts, ebenfalls aus Frankreich.
Im Ziel zeigte sich Sherpa gerührt und voller Energie: „Ich habe den Regen, den Schlamm, den Wind genossen… Ich glaube, ich bin noch nie bei so viel Regen gelaufen! Um Mitternacht wurde es richtig hart, aber Anthony und ich haben uns gegenseitig gepusht. Er ist sehr stark!“

Marie Janod überrascht in der Königsklasse
Auch bei den Frauen wurde Geschichte geschrieben: Marie Janod, eine junge Französin, krönte sich zur allerersten Siegerin der 100 Miles beim Swiss Canyon Trail. 26 Stunden und 6 Minuten dauerte ihr Abenteuer – für ein Debüt auf dieser Distanz ein gewaltiges Ausrufezeichen. Die Zuschauer jubelten ihr am Ziel entgegen wie beim Züri-Fäscht auf Höchsttouren.
111K: Arsenio mit Titelverteidigung à la Portugais

Miguel Arsenio zeigte beim Swiss Canyon Trail, dass sein letztjähriger Triumph kein Zufall war. Ab Kilometer 20 übernahm er die Führung im 111K und gab sie nicht mehr her – ganz nach dem Motto: Wer einmal führt, der führt richtig. Mit 10 Stunden und 45 Minuten sicherte er sich erneut den Sieg.
Der Chinese Ji Duo kam 24 Minuten später ins Ziel, gefolgt vom Spanier Aleix Toda Mas, der schon 2024 Zweiter war – offenbar sein festes Abo auf den dritten Podestplatz.
81K: Kowalczyk watet zum Sieg
Wer gedacht hat, dass Trailrunning „nur“ Berglauf ist, wurde beim 81K eines Besseren belehrt. Wasser bis zu den Knien, Matsch wie auf dem Gurten nach einem Openair – und mittendrin: Janosch Kowalczyk. Der Deutsche, Favorit von Beginn an, gewann das Rennen in 7 Stunden und 59 Minuten mit einer Leistung, die man getrost als gigantisch bezeichnen darf.

"Das war das härteste Rennen, das ich je gemacht habe. An einigen Stellen war ich knietief im Wasser!" sagte er im Ziel – mit einem Grinsen, das so dreckig war wie seine Schuhe.
Platz zwei ging an Davide Rivero aus Italien (8h23), gefolgt vom Belgier Pierre Breuer (8h29).
Bei den Damen zeigte Sylvaine Cussot aus Frankreich ein Rennen wie aus dem Lehrbuch. Sie kontrollierte das Geschehen von Anfang bis Ende und gewann mit 10 Stunden und 10 Minuten vor Adriana Moser aus Österreich (10h23).
51K: Foto-Finish im Matsch
Im 51K-Rennen war der Start ein Sprung in die Waschküche: Regen, Matsch, null Kompromisse. Und trotzdem lieferten sich Francisco José Anguita Bayo aus Portugal und Jianjian Yang aus China ein Duell, das in einem packenden Schlussspurt gipfelte. Letztlich entschied der Portugiese das Rennen mit einem Vorsprung von gerade mal 24 Sekunden.

„Ich bin diese Bedingungen nicht gewohnt – ich habe richtig gelitten in der Kälte. Das Rennen war extrem knapp, aber am Ende konnte ich mich doch noch absetzen!“, sagte der Sieger.
Bei den Frauen war es eine klare Sache: Sylvia Nordskar aus Norwegen dominierte nach Belieben und gewann in 4 Stunden und 30 Minuten. Mit über 43 Minuten Abstand folgte Beatriz Perron Alvarez, Dritte wurde Marcela Vasinova aus Tschechien.
Ein Trail, der alles fordert
Der Swiss Canyon Trail 2025 war mehr als ein Rennen – er war eine epische Prüfung aus Wasser, Wille und Wahnsinn. Die neue 100-Meilen-Strecke hat sich schon im ersten Jahr als das Herzstück der Veranstaltung etabliert. Und wer dabei war, weiss: Das hier ist kein Spaziergang, sondern ein Stück Schweizer Trailgeschichte in Gummistiefeln.
Fotos: © MYVisual_SCT25

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