Laufen ist zweifellos eine der beliebtesten Sportarten weltweit, doch bei hohen Temperaturen kann es schnell zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen kommen, insbesondere zu Nierenschäden.
Die warme Jahreszeit lockt viele Läufer nach draußen, um ihre Runden zu drehen. Doch während die Sonne angenehm scheint, lauert eine unsichtbare Gefahr: die Möglichkeit von Nierenschäden.
Gerade in den Sommermonaten müssen wir uns die Frage stellen, ob Laufen bei Hitze wirklich sicher ist und welche Risiken es birgt. In den letzten Jahren hat die Forschung immer wieder darauf hingewiesen, dass Nierenprobleme bei Sportlern, die bei extremen Bedingungen trainieren, keine Seltenheit sind. Doch was sind die Gründe dafür, und wie kann man sich schützen? Diese und andere Fragen klären wir im Folgenden.
Sind heiße Temperaturen eine Gefahr für die Nieren?
Extreme Hitze stellt für den menschlichen Körper eine erhebliche Belastung dar. Bei sportlicher Aktivität wie dem Laufen kommen zusätzliche Faktoren ins Spiel, die das Risiko für Nierenschäden erhöhen können. Die Nieren sind dafür verantwortlich, das Blut zu filtern, Abfallprodukte auszuscheiden und den Wasser- und Elektrolythaushalt im Gleichgewicht zu halten. Wenn der Körper jedoch durch äußere Hitze und körperliche Anstrengung stark beansprucht wird, kann dies die Nierenfunktion beeinträchtigen.
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Warum sind Nieren besonders gefährdet?
Die Nieren spielen eine zentrale Rolle im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt des Körpers. Während des Laufens bei hohen Temperaturen verliert der Körper durch Schwitzen große Mengen an Flüssigkeit. Dies führt dazu, dass das Blutvolumen sinkt, was die Durchblutung der Nieren reduziert. Um den Wasserverlust auszugleichen, wird weniger Urin produziert, und die Nieren konzentrieren den Urin stärker. Dadurch steigt das Risiko für die Bildung von Nierensteinen und anderen Nierenschäden.
Ein weiteres Problem ist die sogenannte rhabdomyolytische Krise, die auftreten kann, wenn die Muskulatur aufgrund von Überlastung zerfällt. Dies führt zu einer Freisetzung von Myoglobin, einem Muskelprotein, das die Nieren schädigen kann, wenn es in hohen Konzentrationen im Blut vorhanden ist.
Ab welchen Temperaturen ist die Gefahr von Nierenschäden erhöht?
Die Gefahr von Nierenschäden steigt mit der Temperatur, aber es gibt keine allgemeingültige Schwelle, ab der das Risiko dramatisch ansteigt. Dennoch gibt es Anhaltspunkte, die Läufern als Orientierung dienen können.
Wissenschaftliche Empfehlungen

Zahlreiche Studien zeigen, dass Temperaturen über 30°C in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit eine deutliche Belastung für den Körper darstellen. Der sogenannte Hitzestress setzt ab etwa 27°C ein, kann aber je nach individueller Fitness, Anpassungsfähigkeit und Akklimatisation variieren. Bei dieser Temperatur wird die Fähigkeit des Körpers, überschüssige Wärme abzugeben, stark beeinträchtigt, was zu einer Überhitzung und letztlich zu Schäden an den inneren Organen, einschließlich der Nieren, führen kann.
Insbesondere bei Läufern, die längere Strecken (z.B. Halbmarathon oder Marathon) absolvieren, kann sich die Gefahr bei solchen Temperaturen potenzieren. Hier spielen auch Faktoren wie der individuelle Trainingszustand und die Fähigkeit zur Wärmeanpassung eine wichtige Rolle.
Wieso ist die Gefahr von Nierenschäden bei Läufern erhöht?
Läufer, insbesondere solche, die bei extremen Temperaturen trainieren, sind einem höheren Risiko für Nierenschäden ausgesetzt. Dies liegt an einer Kombination von Faktoren, die während des Laufens unter heißen Bedingungen auftreten.
Flüssigkeitsverlust und Dehydration
Während des Laufens verliert der Körper durch das Schwitzen viel Flüssigkeit. Bei hohen Temperaturen verstärkt sich dieser Effekt noch. Die Folge ist eine Dehydration, die den Blutfluss zu den Nieren einschränkt und ihre Fähigkeit zur Filtration beeinträchtigt. Der Körper versucht, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, indem er weniger Urin produziert, was wiederum die Konzentration von Schadstoffen im Urin erhöht und zu Schäden führen kann.
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Überhitzung und Nierenbelastung
Überhitzung ist ein weiteres zentrales Problem. Wenn der Körper nicht in der Lage ist, die überschüssige Wärme effektiv abzuleiten, kann dies zu einer Hyperthermie führen. Eine anhaltend hohe Körpertemperatur belastet die Nieren zusätzlich, da sie versuchen, die durch Überhitzung entstandenen Stoffwechselprodukte auszuscheiden. Dies kann zu einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion bis hin zum akuten Nierenversagen führen.
Es gibt zudem Hinweise darauf, dass bei extremer körperlicher Anstrengung sogenannte proinflammatorische Zytokine freigesetzt werden, die die Nieren schädigen können. Diese entzündungsfördernden Substanzen entstehen als Reaktion auf die Überlastung des Körpers und können die Nierenfunktion zusätzlich beeinträchtigen.
Welche Möglichkeiten gibt es, die Nieren bei Hitze zu schützen?
Der Schutz der Nieren bei hohen Temperaturen erfordert ein bewusstes Management der Flüssigkeitszufuhr, der Trainingsintensität und der Aufwärmphase. Im Folgenden zählen wir einige effektive Strategien auf, um Nierenschäden vorzubeugen:
Angemessene Flüssigkeitszufuhr
Die wichtigste Maßnahme ist die ausreichende Flüssigkeitszufuhr vor, während und nach dem Training. Es wird empfohlen, bereits im Vorfeld des Trainings 400 - 600 ml Elektrolytgetränke zu trinken und während des Laufens etwa alle 20 Minuten 150 - 200 ml Wasser oder ein isotonisches Getränk zu sich zu nehmen. Nach dem Lauf sollte der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen werden, indem man etwa 1,5-fach der verlorenen Menge an Flüssigkeit wieder aufnimmt.
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Anpassung der Trainingszeiten

Vermeide das Training in den heißesten Stunden des Tages. Idealerweise sollte man morgens oder abends laufen, wenn die Temperaturen moderater sind. Auch sollte man den Wetterbericht im Auge behalten und an besonders heißen Tagen die Trainingseinheiten verkürzen oder ganz darauf verzichten.
Mehr dazu auch hier: Beste Tageszeit zum Laufen: Morgens, Nachmittags oder Abends?
Akklimatisation und Anpassung des Trainings
Wer regelmäßig bei Hitze trainieren möchte, sollte seinem Körper Zeit zur Anpassung geben. Dies bedeutet, dass die Intensität und Dauer der Einheiten schrittweise gesteigert werden sollten, um dem Körper die Möglichkeit zu geben, sich an die Hitze zu gewöhnen. Diese Akklimatisation kann helfen, die thermoregulatorischen Fähigkeiten des Körpers zu verbessern und das Risiko von Nierenschäden zu senken.
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Gibt es bestimmte Personen oder Zielgruppen, die besonders gefährdet sind?
Während grundsätzlich jeder Läufer bei Hitze ein erhöhtes Risiko für Nierenschäden hat, gibt es bestimmte Personengruppen, die besonders gefährdet sind und besondere Vorsicht walten lassen sollten.
Personen mit vorbestehenden Nierenerkrankungen
Läufer, die bereits an einer Nierenerkrankung leiden oder eine Vorgeschichte von Nierenproblemen haben, sollten besonders vorsichtig sein. Ihre Nieren sind möglicherweise bereits geschwächt und daher weniger in der Lage, mit den zusätzlichen Belastungen durch Hitze und Dehydration umzugehen. Für diese Gruppe ist es ratsam, sich vor dem Training bei einem Arzt zu informieren und gegebenenfalls die Trainingsintensität zu reduzieren.
Ältere Menschen
Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit des Körpers ab, sich an extreme Temperaturen anzupassen. Dies betrifft sowohl die Fähigkeit, Wärme abzugeben, als auch die Nierenfunktion. Ältere Menschen haben zudem oft einen reduzierten Durstmechanismus, was das Risiko einer Dehydration erhöht. Für ältere Läufer ist es besonders wichtig, auf eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr zu achten und bei Hitze kürzere, weniger intensive Trainingseinheiten zu bevorzugen.
Anfänger und schlecht trainierte Läufer
Anfänger und Personen, die körperlich weniger fit sind, haben ein höheres Risiko für Nierenschäden bei Hitze. Ihr Körper ist oft noch nicht an die Belastungen des Laufens gewöhnt und sie haben möglicherweise eine geringere Hitzetoleranz. Für diese Gruppe empfiehlt es sich, langsam zu starten, die Trainingsdauer schrittweise zu erhöhen und auf ausreichende Pausen zu achten.
Zusammenfassung
Laufen bei Hitze kann das Risiko von Nierenschäden erheblich erhöhen. Besonders gefährdet sind Personen mit vorbestehenden Nierenerkrankungen, ältere Menschen sowie Anfänger. Durch eine angemessene Flüssigkeitszufuhr, die Anpassung der Trainingszeiten und die schrittweise Akklimatisation an hohe Temperaturen kann das Risiko jedoch minimiert werden. Es ist wichtig, die Signale des Körpers ernst zu nehmen und bei Anzeichen von Überhitzung oder Dehydration sofort zu reagieren.


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