Der zweifache Olympiasieger Eliud Kipchoge steht vor seinem letzten Auftritt bei einem World Marathon Major.
Am 2. November wird der 40-jährige Kenianer beim New York City Marathon an den Start gehen und damit seine beeindruckende zwölfjährige Karriere auf den großen Straßen der Welt abrunden. Doch das ist längst nicht das Ende – Kipchoge hat bereits spektakuläre Pläne für die Zeit danach enthüllt, die ihn buchstäblich ans Ende der Welt führen werden.
Die Seven Star als letztes Puzzleteil
Für Kipchoge, der während seiner gesamten Karriere auf Routine und feste Strukturen setzte, markiert der New York City Marathon eine bewusste Abkehr von gewohnten Mustern. Es ist sein erster Start in der Stadt, die niemals schläft, und er kommt zu einem ungewöhnlich späten Zeitpunkt im Jahr. Normalerweise reduziert der Kenianer sein Trainingspensum im letzten Quartal deutlich. Zudem liegt sein zweiter Marathon des Jahres noch nicht lange zurück – am 31. August belegte er beim Sydney Marathon Platz neun.
"November, und es ist New York... Dieser Ort beschäftigt mich schon lange. Es ist an der Zeit, dorthin zu gehen und mir Seven Star zu holen, bevor ich meine neue Reise antrete, bei der ich für andere Ziele laufe – für einen tieferen Sinn", sagte er in einem exklusiven Gespräch mit Olympics.com im Vorfeld des Rennens. Die Seven Star Hall of Fame ehrt Läufer, die alle offiziellen World Marathon Majors absolviert haben: Tokyo, Boston, London, Sydney, Berlin, Chicago und New York City.
Kipchoges erfolgreichste Major-Station ist bislang Berlin, wo er fünfmal triumphierte, darunter zweimal mit Weltrekordzeiten. Doch der Reiz neuer Abenteuer endet für den Kenianer nicht mit dem New York City Marathon.
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Antarktis und Saudi-Arabien im Visier
Der Marathon-König hat bereits konkrete Pläne für die Zeit nach dem New York City Marathon geschmiedet – und die haben es in sich. "Ich werde in der Antarktis laufen!, verkündete er entschlossen. Ich möchte jetzt etwas Extremes tun, das einen wirklich fordert." Die Antarktis als Laufziel zu wählen zeigt, dass Kipchoge auch mit 40 Jahren noch hungrig nach neuen Herausforderungen ist und seine Komfortzone verlassen möchte.
Doch das ist noch nicht alles. "Ich werde sogar 50 Kilometer in Saudi-Arabien laufen", verriet er. "Ich möchte etwas Extremes tun, das mich fordert, hart zu arbeiten und gleichzeitig Partner dazu bringt, sich für eine Sache einzusetzen". Kipchoge will seine Bekanntheit auch künftig nutzen, um noch mehr Menschen für den Laufsport zu begeistern – den Sport, der ihm selbst so viel gegeben hat.
Podiumsplatz in New York als klares Ziel
Vor sechs Jahren schrieb Kipchoge Geschichte, als er in Wien mit einer Zeit von 1:59:40 Stunden über die 42,2 Kilometer erstmals die Zwei-Stunden-Grenze durchbrach. Heute ist er 40 Jahre alt, doch sein Hunger ist ungebrochen. Beim Debüt in New York City kommt für ihn nichts anderes als ein Platz auf dem Podium infrage. Bisher hatte er jeden Marathon, den er gefinisht hatte, in den Top 10 beendet.
"Ich bin wirklich bereit, gut zu laufen. Ich werde versuchen, auf dem Podium zu stehen, für mich ist es wie jedes andere ernsthafte, normale Rennen. Ich werde dafür kämpfen, auf den Straßen von New York gut zu laufen. Es geht nicht nur darum, teilzunehmen, es geht um den Wettkampf", betonte Kipchoge. Seit seinem Weltrekordlauf beim Berlin-Marathon 2022, als er in 2:01:09 Stunden siegte, stand Kipchoge nicht mehr auf dem Podium. Kurz darauf verbesserte sein Landsmann, der inzwischen verstorbene Kelvin Kiptum, die Marke in Chicago auf 2:00:35 Stunden.
Beim New York City Marathon geht Kipchoge als schnellster Läufer im Feld an den Start, gemeinsam mit seinem langjährigen Rivalen Kenenisa Bekele sowie den früheren Siegern Abdi Nageeye und Evans Chebet.
Die anspruchsvollste Strecke der Majors
Der New York City Marathon erwartet Kipchoge mit einer echten Herausforderung. Die Strecke mit ihren vielen Anstiegen und engen Kurven gilt als eine der anspruchsvollsten im Marathonlauf. "Es geht rauf und runter, aber wenn zwei Millionen Menschen an den Straßen stehen, helfen sie dir irgendwie, dich weiterzupushen. Ich glaube, es wird eine wunderschöne Strecke", sagte er optimistisch.
"Ich musste mein Training dafür nicht umstellen, da ich nach dem Sydney-Marathon immer noch glaube, die nötige Laufleistung in meinen Muskeln zu haben. Es ging also hauptsächlich darum, meine Einstellung zu ändern und zu akzeptieren, dass ich drei Marathons in einem Jahr laufen kann … und dann habe ich mich dazu entschlossen, es zu wagen", erklärte Kipchoge seine Strategie. Es wird das erste Mal sein, dass er drei Marathons in einer Saison absolviert – eine Premiere für den sonst so auf Routine bedachten Superstar.
"Mein Ziel ist es außerdem, den jungen Leuten zu zeigen, dass man seine Grenzen immer noch erweitern und weitere Marathons laufen kann", fügte er hinzu und unterstrich damit seine Rolle als Vorbild für die nächste Generation.
Definitiv der letzte große City-Marathon
Auch mit der Unterstützung und Energie der Fans wird es ein bittersüßer Moment für den König der Straße, wenn er im Central Park die Ziellinie des New York City Marathon überquert. Doch ist er sich wirklich sicher, dass dies sein letzter großer Marathon ist?
"Absolut ja!", antwortete er entschieden auf die Frage nach seinem Rückzug von den World Marathon Majors nach November. "Es gibt noch vieles, was ich nach New York bekanntgeben werde… es wird eine interessante Reise… um andere Dinge zu tun". Das Laufen wird weiterhin eine zentrale Rolle in seinem Leben spielen, allerdings in neuen und herausfordernden Umgebungen.
Alter ist nur eine Zahl
Eliud Kipchoge ist zufrieden mit seiner Karriere und nimmt sowohl die Höhen als auch die Tiefen an. Bei Paris 2024 konnte er das olympische Rennen nicht beenden. In diesem Jahr konzentrierte er sich darauf, aus diesem Misserfolg zu lernen und weiterhin an sein grenzenloses Potenzial zu glauben.
Im Durchschnitt sind die meisten Marathonläufer in ihren 20ern, dazu gibt es viele talentierte Konkurrenten, die ebenfalls um einen Platz auf dem Podium kämpfen. Kipchoge lässt sich davon nicht beeindrucken und genießt weiterhin großen Respekt bei den Majors – ein klarer Beweis für seine Ausnahmestellung.
"In meinem Alter noch so leistungsfähig zu sein, ist wirklich gut. Ich zeige den Leuten, dass Alter nur eine Zahl ist. Ich bin glücklich, weil ich das Training in meinem Alter noch gut verkrafte. Ich trainiere immer noch mit den Jüngeren. Das macht mich glücklich", sagte der 40-Jährige stolz.
Das einzige Bedauern seiner Karriere
Der 11-fache Sieger der Marathon Majors spricht stolz über seine Marathonerfolge, findet persönliche Erfüllung in jedem Start und überwindet immer wieder neue Grenzen. "Wer einen Marathonlauf beginnt und beendet, ist danach mental nicht mehr derselbe. Diesen Schmerz zu überwinden, die Erfahrung, über einen so langen Zeitraum zu laufen… das ist etwas ganz anderes", philosophierte er.
Interessanterweise liegt sein größtes Bedauern seiner herausragenden Karriere außerhalb der Marathon-Welt. "Ich habe immer das Gefühl, den Weltrekord über 5.000 Meter verpasst zu haben. Ich wünschte, ich hätte ihn geschafft und vielleicht sogar einen Weltrekord über 10 Kilometer auf der Straße aufgestellt. Im Marathonlauf hat mir nichts gefehlt", erklärte Kipchoge, vierfacher Olympia-Medaillengewinner.
Der New York City Marathon am 2. November markiert das Ende einer Ära, aber gleichzeitig den Beginn eines neuen Kapitels für Eliud Kipchoge. Seine Pläne für Läufe in der Antarktis und über 50 Kilometer in Saudi-Arabien zeigen, dass der Marathon-König auch jenseits der klassischen Majors neue Wege beschreiten und den Laufsport weiter vorantreiben will. Mit 40 Jahren beweist er eindrucksvoll, dass Alter tatsächlich nur eine Zahl ist – und dass die besten Abenteuer manchmal erst nach der vermeintlich letzten großen Herausforderung beginnen.
Mehr Interessantes zur außergewöhnliches Karriere von Eliud Kipchoge liest du in seiner Biografie, die übrigens auch für den Hobbyläufer den einen oder anderen wertvollen Rat beinhaltet: Eliud Kipchoge: Der erste Mensch, der den Marathon in unter 2 Stunden lief

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