Vienna City Marathon
Vienna City Marathon (Foto © HDsports)
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Rekord oder Schönfärberei? Auffällige Zahlen beim Vienna City Marathon

Der Vienna City Marathon war „laut Angaben des Veranstalters“ wieder einmal ein Event der Superlative.

49.379 Athleten aus 150 Nationen, davon 12.995 gemeldete Teilnehmer alleine über die Marathondistanz. Doch der Schein trügt. Während die meisten Mainstream-Medien diese Werte ungeprüft 1:1 übernehmen, ergibt sich bei näherer Betrachtung ein etwas anderes Bild.

Boom im Laufsport, aber differenzierte Betrachtung notwendig

Vorweg: Der Laufsport befindet sich weiterhin im Boom, das bestätigen auch die Zahlen beim Wien-Marathon. Doch ein derart großes Rekordspektakel, wie tatsächlich angekündigt, war es nicht. Für eine wirklich glaubwürdige Analyse sind die Finisherzahlen deutlich relevanter als die veröffentlichten Teilnehmerzahlen, da sich diese transparent und öffentlich aus den Ergebnislisten ableiten lassen.https://vg07.met.vgwort.de/na/347c1ccf490b4887b88e1ba2655a71c1

Und genau hier zeigt sich eine deutliche Diskrepanz, zumindest in Bezug auf den Marathonbewerb. Die tatsächliche Zahl der Finisher liegt klar unter den 12.995 gemeldeten Teilnehmern.

Konkrete Zahlen aus den Ergebnislisten

Nach derzeitigem Stand der Ergebnislisten von Mika Timing erreichten beim Marathonlauf des VCM 6.399 Männer und 2.246 Frauen das Ziel. Das ergibt in Summe 8.645 Finisher.

Damit fehlen 4.350 Teilnehmer im Vergleich zu den veröffentlichten Anmeldezahlen. Das ist eine Differenz, die immerhin rund ein Drittel des gesamten Feldes ausmacht. Eine derart hohe Abweichung ist im internationalen Vergleich höchst ungewöhnlich.

Mögliche Erklärungsansätze

Grundsätzlich setzen sich solche Differenzen aus "Nicht-Teilnahmen" sowie "Aufgaben oder Disqualifikationen" zusammen. Diese Faktoren machen in der Regel jedoch deutlich weniger als ein Drittel des Feldes aus, insbesondere bei "guten" Wetterbedingungen, wie sie beim Vienna City Marathon am Sonntag herrschten: Ergebnisse Vienna City Marathon 2026: Streckenrekord vor Rekordkulisse

Eine Besonderheit des Rennens liegt allerdings darin, dass Marathonläufer während des Wettkampfs noch auf den Halbmarathon wechseln können. Die Strecken trennen sich erst relativ spät, wodurch diese spontane Entscheidung möglich ist.

Dennoch überrascht es, dass offenbar ein so großer Anteil der Teilnehmer von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hat. Möglicherweise lag das auch an den Temperaturen, die zwar anfangs nahezu optimal waren, aber im Verlaufe des Rennens doch deutlich anstiegen und die Leistung negativ beeinflussten bzw. den Anstrengungsgrad so erhöhten, dass viele Läufer vorzeitig auf den Halbmarathon umstiegen oder gar das Rennen ohne Zieleinlauf beendeten.

Fehlende Transparenz in der Kommunikation

Transparente und detaillierte Angaben seitens des Veranstalters zur Erklärung dieser Diskrepanz liegen bislang nicht vor. Aus journalistischer Sicht wirkt die Kommunikation zunehmend auf Superlative und Rekordmeldungen ausgerichtet - auch dann, wenn diese einer differenzierten Betrachtung nicht vollständig standhalten.

Gerade für eine traditionsreiche Veranstaltung wie den Vienna City Marathon wäre eine offenere und nachvollziehbare Darstellung der Zahlen wünschenswert.

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Problematik der Vergleichbarkeit

Hinzu kommt, dass auch die Gesamtteilnehmerzahl von 49.379 nur eingeschränkt mit früheren Jahren vergleichbar ist. Der Vienna City Marathon erweitert sein Programm kontinuierlich um zusätzliche Bewerbe.

Diese Entwicklung ist grundsätzlich positiv, da sie den Breitensport stärkt. Gleichzeitig führt sie jedoch dazu, dass historische Vergleiche an Aussagekraft verlieren.

So wurde im Jahr 2026 erstmals ein 10-Kilometer-Lauf am Sonntag ins Programm aufgenommen, der allein über 2.000 Finisher verzeichnete. Diese Teilnehmer konnten in früheren Austragungen naturgemäß nicht berücksichtigt werden.

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Einordnung der tatsächlichen Leistung

Der Vienna City Marathon 2026 war aus Sicht des Breitensports zweifellos ein großer Erfolg. Die erzielten Zahlen können sich sehen lassen, auch ohne überzogene Rekordnarrative.

Die 8.645 Finisher im Marathon entsprechen exakt dem viertbesten Ergebnis in der mittlerweile mehr als vier Jahrzehnte langen Geschichte des VCM.

Nur in den Jahren 2025 (9.300), 2001 (9.215) und 2002 (8.831) wurden höhere Finisherzahlen erzielt. Diese Einordnung zeigt, dass auch ohne neuen Allzeitrekord eine starke Leistung vorliegt.

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Mehr Transparenz statt Superlative

Die Art und Weise, wie die Zahlen kommuniziert werden, spiegelt die Realität nicht vollständig wider. Ein höheres Maß an Transparenz wäre daher wünschenswert.

Denn auch ohne Superlative bleibt der Vienna City Marathon eine bedeutende und erfolgreiche Veranstaltung. Die tatsächlichen Zahlen liefern genügend Argumente, um die Entwicklung positiv darzustellen - glaubwürdig, nachvollziehbar und ohne Überhöhung.

Weitere Informationen zum Wien Marathon:

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