Beim Sevilla-Marathon schrieb ein 61-Jähriger Laufsportgeschichte.
Beim Sevilla-Marathon schrieb ein 61-Jähriger Laufsportgeschichte. (© Pepo Herrera)
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Marathon-Weltrekord mit 61 Jahren: Dieser Opa rennt die Elite in Grund und Boden

Ein Comeback gegen jede biologische Logik 

Vergessen Sie alles, was Sie über das Älterwerden und gemütliche Kaffeefahrten im Ruhestand zu wissen glaubten. Während andere in seinem Alter darüber nachdenken, welche Sorte Kompressionsstrümpfe am besten zur Gartenarbeit passt, hat Mohammed El Yamani in Spanien mal eben die physikalischen Gesetze der Alterung pulverisiert. Nach einer dreijährigen Durststrecke ohne einen einzigen Wettkampf kehrte der Franzose beim Sevilla Marathon zurück und lieferte eine Show ab, die selbst gestandene Profis vor Neid erblassen lässt.

Mit einer unglaublichen Zeit von 2:28:28 Stunden stürmte er über die Ziellinie und sicherte sich damit nicht nur den 145. Gesamtrang in einem Weltklassefeld, sondern radierte den bestehenden Weltrekord der Altersklasse M60-64 förmlich aus. Die bisherige Bestmarke des irischen Olympiateilnehmers Tommy Hughes wurde um satte 94 Sekunden unterboten. El Yamani ist der erste 60+ Läufer mit einer Marathonzeit unter zweieinhalb Stunden. Beim Sevilla Marathon zeigte der 61-Jährige eindrucksvoll, dass man für Höchstleistungen kein Verfallsdatum auf der Stirn kleben hat.https://vg02.met.vgwort.de/na/82416851edec4df6895002389e21c371

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Trümmerhaufen statt Ziellinie: Der steinige Weg zurück

Der Weg zu diesem historischen Triumph beim Sevilla Marathon glich eher einer medizinischen Enzyklopädie des Grauens als einem Trainingsplan. Zwei Jahre lang konnte El Yamani aufgrund einer Sehnenentzündung im Gesäß, zweier Wirbelbrüche und massiver Rückenprobleme überhaupt nicht laufen. Der Frust saß tief, wie er später offen zugab. Ich zweifelte zeitweise an mir selbst, ich war deprimiert, aber ich habe meinen Traum nie aufgegeben, verriet er nach dem Rennen. Während Skeptiker ihn bereits auf dem Altenteil sahen, konterte er trocken: Einige sagten, ich sei alt, andere, ich sei am Ende, aber ich sage, ich habe die Erfahrung der gelebten Jahre, die Kraft meiner Überzeugung und den Antrieb, mich zu verbessern.

Vom Spätstarter zum Kilometerfresser

Interessanterweise ist Mohammed El Yamani kein Athlet, der schon seit den Windeln über Tartanbahnen jagt. Erst mit 31 Jahren packte ihn der Ehrgeiz, nachdem er einen Zeitungsartikel über einen 62-jährigen Dauerläufer gelesen hatte. Drei Tage später stand er bei seinem ersten Halbmarathon am Start und finishte in 1:19 Stunden. Kurz darauf folgte das Debüt beim Berlin Marathon in 2:35 Stunden. Inzwischen jongliert der Produktionsleiter eines Klassik-Labels ein Pensum von 180 Kilometern pro Woche neben seinem Vollzeitjob und seinen Pflichten als Familienvater.

Seine Bestzeit von 2:22:28 Stunden stellte er zwar schon im Jahr 2001 auf, doch seine jetzige Leistung beim Sevilla Marathon ist sportlich fast höher zu bewerten. Trotz der langen Leidenszeit und der quälenden Fragen vor dem Start, ob die Intensität für seinen Körper noch machbar sei, fand er in Andalusien die perfekte Antwort (Anti-Aging-Effekt: Macht Laufen tatsächlich jünger?). Er bezeichnet sich selbst als einen Samen, der jedes Mal neu aufgeht, wenn man ihn vergraben will. Sein Fazit nach dem Rekordlauf beim Sevilla Marathon: Mehr denn je gilt: Das Älterwerden kann warten.

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