Laufschuhe von vielen Läufern
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Überragende Briten bei WM: Geringe Teilnehmerzahl, fragwürdige Rekordanerkennung und Kritik

Nachholung der WM unter schwierigen Voraussetzungen

Nach der kurzfristigen WM-Absage im Dezember 2025 (wegen starker Luftverschmutzung) wurde diese 50-km-Disziplin nun nachgeholt. Allerdings mit vermindertem Interesse vieler Nationen, was sich auch in der Gesamtteilnehmerzahl von lediglich 69 Aktiven widerspiegelte. In der Eliteklasse fehlten vor allem die Italiener, die Franzosen und Spanier komplett, auch Schweden war nicht vertreten. Die deutschen Männer verzichteten aufgrund ihrer Verpflichtung beim Lauf in Bremen, das Frauen-Team hatte keine realistischen Chancen.

Vor allem die starken Einzelstarter aus den USA waren nicht vertreten: Charlie Lawrence (Jahresbester über 50 km 2025 und Weltbester über 100 km in 6:07 Std.) ebenso wie der Weltrekordler CJ Albertson (50 km in 2:38:43 Std.), der stattdessen beim diesjährigen Boston-Marathon startet. Ebenso fehlten leider alle südafrikanischen Ultralaufspezialisten.

Dominanz der britischen Männer

Trotz warmer und feuchter Bedingungen überragten die Starter aus Großbritannien, die die ersten sechs Plätze komplett unter sich ausmachten. Allen voran Alex Milne, der sich den Einzeltitel souverän in 2:46:09 Std. sicherte. Seine Endzeit stellte einen neuen Europarekord dar, dürfte jedoch aufgrund einer merkwürdigen Regelung der EAA nicht anerkannt werden, da hierfür eine Zeit unter 2:45 Std. erforderlich ist – eine kaum nachvollziehbare Maßnahme.

Neben dem Sieger blieben auch die auf Rang zwei und drei einlaufenden Landsleute unter der bisherigen Bestmarke, die 2022 der Franzose Guillaume Ruel mit 2:47:24 Std. aufgestellt hatte.

Der 35-jährige Alex Milne gewann mit mehr als einer Minute Vorsprung und kontrollierte das Rennen von Beginn an. Seine Dominanz erklärt sich auch durch seine umfassende Ultralauf-Erfahrung (unter anderem mehrere Teilnahmen beim Comrades-Marathon) sowie seine im Februar in Sevilla erzielte Marathon-Bestzeit von 2:11:44 Std.

Taktisch präsentierten sich die Briten äußerst klug: In der Anfangsphase wechselten sich verschiedene Läufer in der Führung ab, während sich die Briten zunächst zurückhielten. Erst im letzten Drittel setzten sie sich entscheidend ab und belegten schließlich alle Podiumsplätze. Bemerkenswert: Selbst ihr zweites Team (Ränge 4 bis 6) hätte den WM-Titel gewonnen.

Unklar bleibt allerdings, warum dieses zweite Team in der offiziellen IAU-Wertung nicht berücksichtigt wurde. Eine weitere Randnotiz: Der japanische Spitzenläufer Jumpei Yamaguchi (Weltmeister über 100 km 2024) erlebte einen rabenschwarzen Tag und belegte nur Rang 23 in für ihn schwachen 3:07:28 Std.

Frauenrennen mit ähnlichem Verlauf

Ähnlich dominant präsentierten sich die britischen Läuferinnen. Sowohl Männer als auch Frauen starteten bereits um 4:00 Uhr morgens, um der größten Hitze zu entgehen.

Naomi Robinson übernahm von Beginn an die Kontrolle und gewann souverän in 3:13:40 Std. Die 33-jährige Britin, die auch über starke Bestzeiten im Halbmarathon (1:12:05) und Marathon (2:30:54 Std.) verfügt, siegte mit fast vier Minuten Vorsprung vor ihrer Teamkollegin Katrina Ballantyne (3:17:25 Std.). Das britische Team gewann entsprechend deutlich mit acht Minuten Vorsprung.

Bedauerlich ist auch hier das Fehlen vieler internationaler Top-Athletinnen, insbesondere der starken Südafrikanerinnen um Ultralauf-Königin Gerda Steyn.

Schwache internationale Beteiligung

Insgesamt erreichten nur 27 Frauen das Ziel, einige davon mit deutlich über vier Stunden Laufzeit. Beste Deutsche war Verena Cerna auf Rang acht in 3:26:21 Std., womit sie unter der international relevanten Marke von 3:30 Std. blieb.

Positiv fiel das Abschneiden der mongolischen Läuferinnen auf, die mit zwei Starterinnen vor der besten Japanerin lagen. Ihr Team, erstmals bei einer WM vertreten, belegte letztlich Rang vier vor Deutschland.

Podiumsplätze im Überblick

Männer:
1. Alex Milne – 2:46:09 Std.
2. Charlie Davis – 2:47:15 Std. (GBR)
3. Logan Smith – 2:47:30 Std. (GBR)

Das große Laufbuch der Trainingspläne

Frauen:
1. Naomi Robinson – 3:13:40 Std.
2. Katrina Ballantyne – 3:17:25 Std. (GBR)
3. Monika Brzozowska – 3:19:03 Std. (Polen)

Zur internationalen Elite zählen sieben Läufer, die unter 2:50 Stunden blieben. Bei den Frauen waren es zehn Athletinnen unter 3:30 Stunden. Alle weiteren Teilnehmer können eher der sogenannten B-Elite zugeordnet werden. Für zukünftige Weltmeisterschaften erscheinen daher strengere Qualifikationsnormen sinnvoll, um den Anspruch einer echten WM zu wahren.

Einspruch und kritischer Kommentar

Diese IAU-Weltmeisterschaft entsprach in vielerlei Hinsicht nicht dem Anspruch einer hochwertigen internationalen Veranstaltung – weder hinsichtlich der äußeren Bedingungen noch bezüglich des Austragungsortes. Die vergleichsweise guten sportlichen Leistungen sind vor allem der extrem frühen Startzeit um 4:00 Uhr morgens geschuldet. Der Nachteil: Eine WM nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Trotz der frühen Startzeit blieb die Luftverschmutzung weiterhin extrem hoch. Der Luftqualitätsindex (AQI) lag bei etwa 344 und wurde damit als stark gesundheitsschädlich eingestuft. Die kurzfristige Absage im Dezember war daher absolut gerechtfertigt, da die Fürsorgepflicht gegenüber den Athleten im Vordergrund stehen muss.

Bemerkenswert ist, dass die Absage ursprünglich nicht von der IAU selbst ausging, sondern von den lokalen Behörden angeordnet wurde und für alle Outdoor-Sportveranstaltungen galt. Kurz vor der damaligen Absage sorgte eine Aussage des IAU-Vorsitzenden Nadeem Khan für Irritationen, der öffentlich erklärte, die Luftverschmutzung stelle kein Hindernis dar („pollution no hindrance“).

Dieses Beispiel zeigt, wie realitätsfern Teile der Sportfunktionäre agieren. Statt die Gesundheit der Athleten in den Mittelpunkt zu stellen, stand offenbar die Durchführung der Veranstaltung im Vordergrund. Besonders kritisch erscheint diese Haltung vor dem Hintergrund, dass Khan als Mediziner tätig ist.

Es überrascht daher kaum, dass viele Nationen bei der nachgeholten WM auf einen Start verzichteten. Wer dennoch teilnahm, setzte sich einem nicht unerheblichen gesundheitlichen Risiko aus.

Bedenklich sind zudem die großen Leistungsunterschiede innerhalb der Starterfelder. Eine Weltmeisterschaft sollte die besten Athletinnen und Athleten der Welt vereinen – dies war hier nur eingeschränkt der Fall. Zeitabstände von bis zu einer Stunde (Frauen) beziehungsweise rund 43 Minuten (Männer) zwischen Spitze und hinterem Feld entsprechen nicht dem Anspruch einer globalen Meisterschaft.

Ohne klare Qualifikationsstandards und strukturelle Verbesserungen droht dieser Wettbewerb weiter an sportlicher Bedeutung zu verlieren. Andernfalls müsste man überspitzt formuliert überlegen, ob eine solche Veranstaltung ihrem Anspruch als Weltmeisterschaft noch gerecht wird.

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