Ein einziger Wert, der dein Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko um bis zu 25 Prozent senken kann – klingt zu gut, um wahr zu sein?
Der PAI-Wert (Personal Activity Intelligence) ist einer der spannendsten Gesundheitsmarker der letzten Jahre und hat das Potenzial, die Art und Weise zu revolutionieren, wie wir über Fitness und Gesundheit nachdenken. Während Schrittzähler und verbrannte Kalorien längst zum Alltag gehören, geht der PAI-Wert einen entscheidenden Schritt weiter:
Er bewertet nicht nur, wie viel du dich bewegst, sondern wie intensiv – und zwar in Relation zu deinem individuellen Fitnesslevel. Für Läufer ist dieser Wert besonders interessant, denn er kann helfen, das Training so zu steuern, dass es nicht nur schneller macht, sondern nachweislich die Gesundheit optimiert. Was genau steckt hinter diesem Wert, wie berechnest du ihn, welche Zielwerte solltest du anstreben, und wie kannst du ihn gezielt verbessern?
Was genau ist der PAI-Wert?
PAI steht für Personal Activity Intelligence und ist ein wissenschaftlich fundierter Gesundheitsindikator, der auf Basis deiner Herzfrequenz berechnet wird. Im Gegensatz zu simplen Schrittzählern oder Kalorienverbrauch-Rechnern berücksichtigt der PAI-Wert die Intensität deiner körperlichen Aktivität in Relation zu deinem individuellen Fitnesslevel. Das macht ihn zu einem deutlich aussagekräftigeren Marker als die oft willkürlichen 10.000 Schritte pro Tag, die dir deine Smartwatch vorschlägt.
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Die wissenschaftliche Basis: Die HUNT-Studie
Der PAI-Wert basiert auf der umfangreichen HUNT-Fitness-Studie aus Norwegen, einer der größten Gesundheitsstudien weltweit. Über 45.000 Menschen wurden über mehr als 25 Jahre begleitet, und die Forscher analysierten den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität, Herzfrequenz und kardiovaskulären Erkrankungen. Das Ergebnis war verblüffend: Menschen, die einen PAI-Wert von 100 oder höher pro Woche erreichten, hatten ein um 25 Prozent niedrigeres Risiko für Herzerkrankungen und frühzeitigen Tod im Vergleich zu inaktiven Personen.
Diese Erkenntnisse wurden in renommierten Fachzeitschriften wie dem Lancet publiziert und haben dem PAI-Wert eine solide wissenschaftliche Grundlage gegeben. Anders als viele Fitness-Trends, die auf Marketingversprechen basieren, steckt hinter PAI echte Forschung mit harten Daten über Jahrzehnte.
Warum Herzfrequenz-basiert?
Der Clou des PAI-Systems liegt in der Nutzung der Herzfrequenz als Intensitätsmarker. Deine Herzfrequenz zeigt direkt, wie hart dein Herz-Kreislauf-System arbeitet. Ein gemütlicher Spaziergang mag zwar Schritte generieren, aber dein Herz arbeitet kaum härter als im Ruhezustand. Ein intensiver Lauf hingegen treibt deinen Puls in die Höhe und trainiert das kardiovaskuläre System effektiv. Der PAI-Algorithmus belohnt intensivere Aktivitäten überproportional, weil diese nachweislich den größten gesundheitlichen Nutzen bringen.
Das Schöne daran: Der Wert passt sich automatisch an dein Fitnesslevel an. Was für einen Anfänger hochintensiv ist (vielleicht 130 Schläge pro Minute), ist für einen trainierten Läufer lockeres Grundlagentempo. Der PAI-Algorithmus berücksichtigt deine individuelle maximale Herzfrequenz und Ruheherzfrequenz, sodass jeder nach seinen Möglichkeiten bewertet wird. Das macht den Wert fair und motivierend – egal ob du Couchpotato oder Marathonläufer bist.
Der Zeitfaktor: Warum wöchentlich?
PAI wird als Wochenwert berechnet, nicht täglich. Das ist clever, denn es erlaubt Flexibilität im Training. Du musst nicht jeden Tag aktiv sein, um gesundheitliche Vorteile zu erzielen. Vielleicht trainierst du nur drei- bis viermal pro Woche intensiv und erreichst trotzdem deinen Zielwert von 100 PAI. Das entspricht realistischen Trainingsmustern und vermeidet den Druck täglicher Zielvorgaben, die viele Menschen demotivieren, wenn sie sie mal nicht schaffen.
Der PAI-Wert ist also kein starres Korsett, sondern ein flexibles Tool, das sich an deinen Lebensstil anpasst. Hast du eine stressige Woche mit wenig Trainingszeit? Dann reichen vielleicht zwei intensive Einheiten, um auf einen guten Wert zu kommen. Hast du viel Zeit? Dann kannst du mit moderaten, aber häufigeren Aktivitäten arbeiten. Diese Flexibilität macht PAI alltagstauglich und nachhaltig.
Wie wird der PAI-Wert berechnet?
Die Berechnung des PAI-Werts ist komplex und läuft im Hintergrund deiner Smartwatch oder Fitness-App ab. Du musst die Mathematik nicht verstehen, um den Wert zu nutzen, aber ein bisschen Einblick schadet nie. Der Algorithmus berücksichtigt mehrere Faktoren: deine Herzfrequenz während der Aktivität, die Dauer der Aktivität, dein Alter, dein Geschlecht, deine Ruheherzfrequenz und deine geschätzte maximale Herzfrequenz.
Die Grundformel vereinfacht
Vereinfacht ausgedrückt: Je höher deine Herzfrequenz während einer Aktivität im Verhältnis zu deinem Maximum ist und je länger du diese Intensität aufrechterhältst, desto mehr PAI-Punkte sammelst du. Die Berechnung erfolgt in Echtzeit und summiert sich über die Woche. Wenn deine Herzfrequenz unter 70 Prozent deines Maximums liegt, sammelst du kaum PAI-Punkte. Ab 70 bis 75 Prozent beginnt das Punktesammeln, und je näher du an dein Maximum kommst, desto schneller steigt der Wert.
Ein Beispiel: Angenommen, du bist 40 Jahre alt, deine geschätzte maximale Herzfrequenz liegt bei 180 Schlägen pro Minute, und deine Ruheherzfrequenz bei 60. Wenn du nun 30 Minuten bei einer Herzfrequenz von 140 Schlägen (etwa 78 Prozent deines Maximums) läufst, könntest du etwa 15 bis 20 PAI-Punkte sammeln. Läufst du dieselbe Zeit bei 160 Schlägen (89 Prozent), könntest du 30 bis 40 Punkte bekommen. Die Intensität wird überproportional belohnt.
Welche Uhren berechnen den PAI-Wert automatisch?
Mittlerweile haben viele Smartwatch-Hersteller den PAI-Wert in ihre Systeme integriert. Besonders prominent sind die Uhren von Amazfit, die PAI als zentrales Feature bewerben. Auch Xiaomi-Wearables mit der Zepp-App berechnen PAI standardmäßig. Weitere Hersteller wie Huawei und einige Modelle von Garmin bieten PAI oder ähnliche Intensitätsscores an, wobei Garmin oft mit "Intensity Minutes" arbeitet, was konzeptionell ähnlich ist.
Die gute Nachricht: Du brauchst keine High-End-Uhr, um PAI zu nutzen. Selbst günstige Modelle ab etwa 50 Euro bieten mittlerweile PAI-Tracking, solange sie eine optische Herzfrequenzmessung haben. Die Genauigkeit hängt natürlich von der Qualität des Sensors ab, aber für die meisten Alltagszwecke reichen selbst Budget-Modelle völlig aus.
PAI ohne Smartwatch?
Wenn du keine PAI-fähige Uhr hast, gibt es Apps, die den Wert berechnen können, sofern du ein Herzfrequenzmessgerät (etwa einen Brustgurt) verwendest. Die offizielle PAI Health App (Paiactive) ist kostenlos und kann mit verschiedenen Geräten verbunden werden. Allerdings ist die Nutzung mit einer integrierten Smartwatch deutlich komfortabler, weil die Messung automatisch im Hintergrund läuft und du nicht an separate Geräte denken musst.
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PAI-Wert Tabelle: Welche Werte sind gut?
Die Wissenschaft hat klare Schwellenwerte definiert, ab denen gesundheitliche Vorteile messbar werden. Anbei die Orientierungstabelle basierend auf der HUNT-Studie:
| PAI-Wert pro Woche | Gesundheitliche Einordnung | Risikoreduktion |
|---|---|---|
| 0-49 | Inaktiv / Niedriges Aktivitätslevel | Kein signifikanter Schutzeffekt |
| 50-99 | Mäßig aktiv | Etwa 10-15 % Risikoreduktion |
| 100 oder höher | Optimal aktiv | Bis zu 25 % Risikoreduktion für kardiovaskuläre Erkrankungen |
| 150+ | Sehr aktiv | Maximaler gesundheitlicher Nutzen, weitere Steigerung bringt kaum Zusatzeffekt |
Der Zielwert von 100 PAI pro Woche hat sich als idealer Bereich herauskristallisiert. Ab diesem Wert sind die gesundheitlichen Vorteile statistisch robust nachweisbar. Werte über 150 bringen zwar noch minimale Zusatzeffekte, aber die Kurve flacht deutlich ab – mehr ist nicht zwingend besser, zumindest was die reine Gesundheit angeht.
Welche Werte sind für Läufer gut?
Für regelmäßig trainierende Läufer sollte das Erreichen von 100 PAI eigentlich kein Problem sein. Ein typischer Trainingsplan mit drei bis vier Laufeinheiten pro Woche, darunter ein bis zwei intensive Sessions (Intervalle, Tempoläufe), bringt dich locker auf 100 bis 150 PAI. Ein einzelner intensiver Intervalllauf von 45 Minuten kann bereits 40 bis 60 PAI-Punkte generieren, ein langer Lauf im moderaten Tempo weitere 20 bis 30.
Interessanterweise sammeln viele ambitionierte Läufer problemlos 150-200 PAI pro Woche, ohne es bewusst anzustreben. Das liegt daran, dass strukturiertes Lauftraining mit Variation in der Intensität genau das liefert, was der PAI-Algorithmus belohnt: regelmäßige Phasen erhöhter Herzfrequenz. Wenn du allerdings hauptsächlich lockere Dauerläufe im niedrigen Intensitätsbereich machst, kann es sein, dass du trotz hoher Kilometerumfänge relativ wenig PAI sammelst – ein Hinweis darauf, dass dein Training möglicherweise zu eintönig ist.
So steigerst du deinen PAI-Wert
Die gute Nachricht: Den PAI-Wert zu erhöhen ist einfacher, als du denkst. Es geht nicht darum, plötzlich Mittelstreckenläufer zu werden, sondern darum, mehr Intensität in deinen Alltag und dein Training zu bringen. Folgende Strategien sind sehr effektiv:
Hochintensives Intervalltraining (HIIT)
HIIT ist die absolute Geheimwaffe für PAI-Punkte. Kurze, intensive Belastungen treiben deine Herzfrequenz schnell in die Höhe und sammeln überproportional viele Punkte. Ein klassisches Intervalltraining, etwa 10 mal 400 Meter in hohem Tempo mit kurzen Pausen – kann in 30 Minuten 50 bis 70 PAI-Punkte generieren. Das ist effizienter als eine Stunde lockeres Joggen.
Der Grund: Bei HIIT verbringst du viel Zeit in hohen Herzfrequenzbereichen (85 bis 95 Prozent des Maximums), und genau das belohnt der PAI-Algorithmus. Du sollst nicht jeden Tag HIIT bzw. intensive Einheiten machen, ein bis zwei Sessions pro Woche reichen völlig, um deinen PAI-Wert signifikant zu steigern. Wichtig ist, dass du die Intervalle wirklich intensiv läufst, nicht halbherzig. Deine Herzfrequenz sollte deutlich in die Höhe gehen, die Atmung angestrengt sein. Nur dann zählt es.
Für Laufanfänger: Beginne mit kürzeren Intervallen, etwa 10 mal 200 Meter oder 30-Sekunden-Sprints mit langen Pausen. Steigere dich langsam. Auch kurze Berg-Sprints sind hervorragend – die Steigung treibt den Puls schnell hoch, und die Belastung ist gelenkschonender als Sprints auf der Ebene.
Tempoläufe im Schwellenbereich
Tempoläufe – also Läufe im Bereich deiner anaeroben Schwelle – sind ebenfalls PAI-Gold. Du läufst hier mit etwa 85 bis 92 Prozent deiner maximalen Herzfrequenz über 20 bis 45 Minuten. Das ist anstrengend, aber noch kontrollierbar. Ein solcher Lauf bringt dir locker 30 bis 50 PAI-Punkte und trainiert gleichzeitig deine Schwellenleistung, was für Wettkämpfe entscheidend ist.
Der Vorteil gegenüber HIIT: Tempoläufe sind mental weniger fordernd, weil du ein konstantes Tempo hältst, statt ständig zu beschleunigen und zu bremsen. Für viele Läufer fühlen sie sich deshalb nachhaltiger an. Einmal pro Woche ein ordentlicher Schwellenlauf, und du hast bereits einen großen Teil deines PAI-Solls erfüllt.
Ein praktisches Beispiel: Du läufst nach einem 10-minütigen Warm-up 30 Minuten im Tempo deines geplanten 10-km-Wettkampfs (oder Halbmarathon-Tempo). Deine Herzfrequenz sollte konstant im oberen Bereich liegen, Reden ist nur noch in kurzen Sätzen möglich. Nach dem Lauf kühlst du 10 Minuten locker aus. Diese Einheit liefert dir nicht nur PAI-Punkte, sondern macht dich auch schneller.
Regelmäßigkeit schlägt Gelegenheitsaktivität
Der PAI-Wert wird wöchentlich berechnet, aber er profitiert von Regelmäßigkeit. Drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche verteilt sind effektiver als ein einziges Marathon-Workout am Wochenende. Der Grund ist simpel: Dein Körper adaptiert besser bei regelmäßigen Reizen (= Superkompensation), und die Verletzungsgefahr ist geringer. Außerdem sammeln sich die PAI-Punkte gleichmäßiger an, was dir ein gutes Gefühl gibt und die Motivation hochhält.
Für Berufstätige mit wenig Zeit: Schon 20 bis 30 Minuten mittel-intensive Aktivität drei- bis viermal pro Woche reichen für 100 PAI. Das sind insgesamt nur 90 bis 120 Minuten pro Woche – weniger als zwei Stunden. Die meisten Menschen verbringen mehr Zeit vor dem Fernseher. Es geht nicht um riesige Zeitinvestitionen, sondern um Intensität und Konsistenz.
Alltagsaktivitäten intensivieren
Auch außerhalb des strukturierten Trainings kannst du PAI-Punkte sammeln. Treppenlaufen statt Aufzug fahren, mit dem Rad zur Arbeit statt mit dem Auto, beim Spaziergang Tempo-Abschnitte einbauen, all das kann PAI generieren, wenn deine Herzfrequenz dabei ansteigt. Ein zügiger 30-Minuten-Spaziergang in hügeligem Gelände kann durchaus 5 bis 10 PAI-Punkte bringen, wenn du ordentlich Gas gibst.
Der Trick: Wann immer du die Wahl hast zwischen bequem und anstrengend, wähle anstrengend. Nimm die steile Abkürzung statt des flachen Umwegs. Laufe die Treppen hoch, statt gemütlich zu gehen. Diese Mikro-Intensitäten summieren sich über die Woche und können den Unterschied machen zwischen 85 und 105 PAI, also zwischen "knapp verfehlt" und "Ziel erreicht".
Cross-Training mit hoher Intensität
PAI ist sportartenunabhängig. Solange deine Herzfrequenz steigt, zählt es. Das bedeutet: Auch Radfahren, Schwimmen, Rudern, intensive Kraftzirkel oder Mannschaftssportarten wie Fußball oder Basketball bringen PAI-Punkte. Für Läufer ist das großartig, weil es Abwechslung erlaubt und Überlastungen vorbeugt.
Ein intensives Spinning-Workout von 45 Minuten? 40 bis 60 PAI. Ein schnelles Schwimmtraining mit Intervallen? 30 bis 40 PAI. Ein Fußballspiel mit vielen Sprints? 50 bis 70 PAI. Du musst nicht monoton nur laufen, um deine Gesundheitsziele zu erreichen. Variation macht Spaß, hält die Motivation hoch und trainiert unterschiedliche Muskelgruppen. Ein Gewinn auf ganzer Linie.
Schwachstellen des PAI-Werts
So gut der PAI-Wert auch ist, er ist kein Allheilmittel und hat durchaus Limitationen. Als Läuferin sehe ich mehrere Punkte, die man kritisch betrachten sollte.
Erstens: PAI berücksichtigt nur die kardiovaskuläre Fitness, nicht Kraft, Flexibilität, Koordination oder andere Aspekte von Gesundheit. Du kannst 150 PAI pro Woche sammeln und trotzdem muskuläre Dysbalancen, schlechte Beweglichkeit oder schwache Rumpfmuskulatur haben. Ein umfassendes Fitnessprogramm braucht mehr als nur Cardio-Training. Krafttraining, Mobilität und Regeneration sind genauso wichtig, werden vom PAI aber nicht erfasst.
Zweitens: Der Algorithmus basiert auf Herzfrequenzmessung, und die ist nicht immer akkurat. Optische Sensoren am Handgelenk können bei intensiven Bewegungen, kalten Temperaturen oder dunkler Hautfarbe Messfehler produzieren. Wenn deine Herzfrequenz falsch erfasst wird, stimmt auch dein PAI-Wert nicht. Brustgurte sind deutlich präziser, aber nicht jeder will die tragen.
Drittens: PAI kann zu einem Fokus auf Quantität statt Qualität verleiten. Manche Menschen jagen den Punkten hinterher und vernachlässigen dabei andere wichtige Trainingsprinzipien wie Periodisierung, Regeneration oder spezifische Vorbereitung auf Wettkämpfe. Nur weil du 200 PAI sammelst, heißt das nicht, dass du optimal für einen Marathon trainierst. Spezifität zählt auch.
Viertens: Der Wert berücksichtigt nicht deine individuelle Tagesform, Stress, Schlafqualität oder Krankheit. An Tagen, an denen du übermüdet oder gestresst bist, kann intensives Training kontraproduktiv sein, auch wenn es PAI-Punkte bringt. Blindes Verfolgen eines Zahlenziels kann zu Übertraining führen, wenn du die Signale deines Körpers ignorierst.
Schließlich: PAI ist ein Durchschnittswert über große Populationen. Was für die Mehrheit gilt, muss nicht für dich persönlich optimal sein. Manche Menschen brauchen mehr Aktivität, um gesund zu bleiben, andere weniger. Individuelle genetische Faktoren, Vorerkrankungen und Lebensstil spielen eine Rolle, die ein simpler Algorithmus nicht vollständig abbilden kann.
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Welche Priorität hat der PAI-Wert für Läufer?
Soll ich mein Training nach PAI ausrichten? Die ehrliche Antwort: Eher nicht. Der PAI-Wert ist ein nützliches Tool, aber nicht das Maß aller Dinge.
Für Gesundheitsläufer, die primär laufen, um fit zu bleiben und nicht für Wettkämpfe trainieren, ist PAI hervorragend geeignet. Er gibt dir ein klares, wissenschaftlich fundiertes Ziel (100 pro Woche) und motiviert dich, regelmäßig intensiv zu trainieren. Du brauchst keinen komplexen Trainingsplan, einfach sicherstellen, dass du deine 100 PAI erreichst, und du tust deiner Gesundheit etwas Gutes.
Für ambitionierte Wettkampfläufer ist PAI hingegen nur ein zusätzlicher Datenpunkt, kein primäres Steuerungsinstrument. Dein Training richtet sich nach Periodisierung, Trainingsphasen, Wettkampfzielen und spezifischen physiologischen Anpassungen. PAI kann dir zeigen, ob du genug Intensität im Training hast, aber es ersetzt nicht eine durchdachte Trainingsplanung. Ein Marathonläufer in der Grundlagenphase macht viele lange, lockere Läufe. Das generiert wenig PAI, ist aber trotzdem entscheidend fürs Ziel.
Eine sinnvolle Nutzung für Läufer: Verwende PAI als Mindeststandard. Wenn du regelmäßig über 100 PAI liegst, weißt du, dass du aus gesundheitlicher Sicht auf einem guten Weg bist. Liegst du darunter, obwohl du viel läufst, könnte das ein Hinweis sein, dass dein Training zu eintönig ist und mehr Intensität vertragen würde. Aber lass dich nicht von der Zahl versklaven, höre auf deinen Körper, plane intelligente Erholungsphasen ein und trainiere mit Kopf, nicht nur nach Zahlen.
Häufige Fragen zum PAI-Wert
Kann ich meinen PAI-Wert auch ohne Smartwatch berechnen?
Theoretisch ja, praktisch ist es sehr umständlich. Du bräuchtest eine kontinuierliche Herzfrequenzmessung über den Tag verteilt und müsstest die Werte manuell in den PAI-Algorithmus eingeben. Es gibt zwar einige PAI Health Apps, die mit externen Herzfrequenzmessgeräten arbeitet, aber ohne automatische Datenerfassung ist die Nutzung mühsam. Eine günstige Smartwatch mit PAI-Funktion ist definitiv die praktischere Lösung und kostet oft weniger als 500 Euro.
Ist ein höherer PAI-Wert immer besser?
Nur bedingt. Die Forschung zeigt, dass der gesundheitliche Nutzen bei etwa 150 PAI pro Woche weitgehend ausgereizt ist. Werte darüber bringen kaum noch zusätzliche Vorteile für die Herzgesundheit. Für Leistungssportler können höhere Werte Sinn machen, weil sie andere Ziele verfolgen als reine Gesundheit. Aber aus medizinischer Sicht ist mehr nicht zwangsläufig besser. Ab einem gewissen Punkt steigt das Verletzungsrisiko und der Nutzen flacht ab.
Warum sammle ich trotz viel Training wenig PAI?
Das liegt meist daran, dass dein Training zu niedrig-intensiv ist. Wenn du hauptsächlich lockere Dauerläufe machst, bei denen deine Herzfrequenz nur moderat ansteigt, sammelst du wenig PAI-Punkte. Der Algorithmus belohnt Intensität überproportional. Um mehr PAI zu sammeln, baue Intervalle, Tempoläufe oder intensive Trainingsformen ein. Auch möglich: Deine maximale Herzfrequenz ist in der App falsch eingestellt oder berechnet, wodurch die Berechnung verzerrt wird.
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Kann ich mit Krafttraining PAI-Punkte sammeln?
Ja, aber meist weniger als beim Ausdauertraining. Klassisches Krafttraining mit Pausen zwischen den Sätzen lässt die Herzfrequenz zwischendurch immer wieder sinken, wodurch weniger PAI generiert wird. Anders sieht es bei hochintensiven Kraft-Zirkeln oder Crossfit-Workouts aus, wo die Herzfrequenz kontinuierlich hoch bleibt. Ein intensiver Kraft-Zirkel von 30 Minuten kann durchaus 20 bis 30 PAI-Punkte bringen. Traditionelles Krafttraining ist trotzdem wichtig für die Gesundheit, auch wenn es weniger PAI generiert.
Sollte ich jeden Tag versuchen, PAI-Punkte zu sammeln?
Nein, das ist weder notwendig noch sinnvoll. PAI wird wöchentlich berechnet, und du kannst dein Ziel auch mit 3 bis 4 moderaten bis intensiven Trainingseinheiten erreichen. Tägliches intensives Training würde zu Übertraining und Verletzungen führen. Erholungstage sind genauso wichtig wie Trainingstage. Es ist völlig in Ordnung, an manchen Tagen keine oder kaum PAI-Punkte zu sammeln, solange du über die Woche verteilt auf deinen Zielwert kommst.
Ist der PAI-Wert auch für ältere Menschen geeignet?
Absolut, sogar besonders! Die HUNT-Studie umfasste auch ältere Teilnehmer und zeigte, dass PAI altersunabhängig funktioniert. Der Algorithmus passt sich automatisch an das Alter und die individuelle maximale Herzfrequenz an. Für ältere Menschen ist es oft sogar einfacher, PAI zu sammeln, weil bereits moderate Aktivitäten die Herzfrequenz relativ stärker erhöhen. Wichtig ist natürlich, dass keine gesundheitlichen Einschränkungen vorliegen. Im Zweifel vor intensivem Training den Arzt konsultieren.
Zusammenfassung
Der PAI-Wert (Personal Activity Intelligence) ist ein wissenschaftlich fundierter Gesundheitsindikator, der auf Basis deiner Herzfrequenz die Intensität deiner körperlichen Aktivität bewertet. Basierend auf der norwegischen HUNT-Studie mit über 45.000 Teilnehmern zeigt sich: Ein wöchentlicher PAI-Wert von 100 oder höher senkt das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen um bis zu 25 Prozent.
Der Wert wird automatisch von vielen Smartwatches (Amazfit, Xiaomi, Huawei, teilweise Garmin) berechnet und berücksichtigt deine individuelle maximale Herzfrequenz, Ruheherzfrequenz, Alter und Geschlecht. Die Berechnung belohnt intensive Aktivitäten überproportional, je höher deine Herzfrequenz im Verhältnis zum Maximum, desto mehr Punkte sammelst du.
Für Läufer ist das Erreichen von 100 PAI pro Woche meist kein Problem, wenn das Training ausreichend Intensität enthält. Hochintensives Intervalltraining (HIIT), Tempoläufe im Schwellenbereich und regelmäßige intensive Einheiten sind die effektivsten Methoden zur PAI-Steigerung. Werte über 150 PAI bringen kaum noch zusätzliche gesundheitliche Vorteile.
Die Schwachstellen des PAI-Werts: Er berücksichtigt nur kardiovaskuläre Fitness, nicht Kraft oder Flexibilität, ist abhängig von der Genauigkeit der Herzfrequenzmessung und kann zu einem blinden Zahlen-Jagen verleiten. Für Gesundheitsläufer ist PAI ein hervorragender Motivator und Orientierungswert. Für ambitionierte Wettkampfläufer sollte er als ergänzender Datenpunkt dienen, nicht als primäres Steuerungsinstrument für die Trainingsplanung.
Wissenschaftliche Quelle
Nes, B. M., Gutvik, C. R., Lavie, C. J., Nauman, J., & Wisløff, U. (2017). Personalized activity intelligence (PAI) for prevention of cardiovascular disease and promotion of physical activity. The American Journal of Medicine, 130(3), 328-336.


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